Fröhliche Fahrten in die Ferne: Erst jetzt läuft das Geschäft für die Frankfurter Reisebus-Firmen langsam wieder an nach monatelangem Stillstand. Für manche Betriebe könnte das zu spät sein.
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Fröhliche Fahrten in die Ferne: Erst jetzt läuft das Geschäft für die Frankfurter Reisebus-Firmen langsam wieder an nach monatelangem Stillstand. Für manche Betriebe könnte das zu spät sein.

Corona

Busfirmen geht die Puste aus: "Hatten monatelang keinen Umsatz" – Droht eine Pleitewelle?

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Reisebus-Firmen in Frankfurt konnten wegen Corona monatelang nicht fahren, jetzt läuft das Geschäft nur schleppend an.

Frankfurt - Die Busunternehmen in Frankfurt stecken in der Krise. Das gilt für Ausflugsbusse, aber auch für Zubringer zum Flughafen, wie etwa Adnan Yildirim, Geschäftsführer der Flowerpower Ibus GmbH.

"Wir hatten monatelang gar keinen Umsatz", sagt er. Jetzt lägen die Einnahmen bei 10 bis 15 Prozent des Vor-Pandemie-Umsatzes. Yildirim betreibt fünf Kleinbusse mit neun Sitzplätzen und bewirtschaftet 600 Parkplätze in der Umgegend von Frankfurt. "Wir berechnen die Parkgebühren und bringen die Leute zum Flughafen. Aber da ist noch nicht viel los, die Flugbewegungen sind nur ein Bruchteil verglichen mit vor der Corona-Krise." Er hofft jetzt auf die Sommerferien - damit sie ihm wieder etwas Geschäft bringen.

Frankfurt: Flughafen-Shuttle – Busfirma sitzt auf riesigem Schuldenberg

"Vor der Krise", sagt der Geschäftsführer, "hatte ich 200.000 Euro auf der hohen Kante. Jetzt habe ich rund 200.000 Euro Schulden." Die Überbrückungshilfen haben ihn über Wasser gehalten, aber eben auch tief reingeritten. Jetzt sitzt er auf einem Schuldenberg. "Ich kann nicht mehr zurück", so Yildirim. Zum Aufgeben sei es zu spät.

Bus-Firmen in Frankfurt geht die Puste aus: Bei Bott Touristik in Niederrad fehlen die Tagesfahrten

Für die Firma Bott Touristik in Niederrad sieht es nicht besser aus. Tagesfahrten, sonst das Geschäft des Reisebusanbieters, sind ausgefallen. "Normalerweise geht es im Frühjahr los, und jetzt im Juni/Juli brummt das Geschäft", sagt der Inhaber Hagen Bott. "Doch unsere erste Tagesfahrt fand erst am 17. Juni statt. Sie führte ins Allgäu."

Erst kürzlich hat er seinen aktualisierten Katalog für 2021 vorgestellt. "Es wusste ja vorher niemand, wann wir wieder fahren können. Ich muss es ja vorbereiten, muss Restaurants reservieren, etc." Auf 20 Prozent des Umsatzes eines normalen Jahres schätzt Bott momentan seine Einnahmen. Seit November ist kein Bus mehr gefahren - nicht nur bei ihm, auch bei anderen Reiseveranstaltern. "Wir sind ein kleiner Betrieb, besitzen sechs Busse, deren Kredite wir abbezahlen müssen. Oft haben wir Busse an andere Anbieter vermietet, doch das ist ja auch weggefallen", schildert Bott. Für ihn eine Katastrophe. Alle Hilfen, die er in Anspruch nehmen musste, sind von 2022 an zurückzuzahlen. Nur wie, fragt sich Bott.

Frankfurt: Nur Linienbus-Verkehr kommt gut durch die Pandemie

Eine Perspektive für kleine Unternehmen wie seines sieht er nicht darin, dass große Konzerne sie aufkaufen. "Die Konzerne sind am Linienbusverkehr interessiert. Den haben wir ja nicht zu bieten." So bliebt Bott nur zu hoffen, dass Corona nicht noch einmal zu einem Lockdown und einem Verbot des Geschäftes führt. Und, dass seine Kundschaft schnell geimpft wird und die tief eingebrannte Angst vor engem Zusammensitzen im Bus verliert.

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) zeichnet ein kritisches Bild: "Es wird mit einer späteren Pleitewelle gerechnet, weil sich der ursprünglich für Ostern erhoffte Beginn des Reisebusgeschäfts weiter verschoben hat", so IHK-Sprecher Reinhard Fröhlich. Und dies, obwohl die Reisebusunternehmen, die seit März 2020 keine Aufträge mehr bekommen haben, gesonderte Reisebushilfen erhielten, die nicht auf Überbrückungshilfen angerechnet werden mussten. Diese Hilfen konnten beispielsweise auf die Abschreibungen der Busse angesetzt werden. Einige Unternehmen konnten, so Fröhlich, ausgeglichene Bilanzen vorlegen. Aber eben nur einige.

Corona in Frankfurt: Busfirmen in der Krise – Handelskammer befürchtet Pleitewelle

Volker Tuchan, Geschäftsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO), bestätigt: "Der Reiseverkehr geht nur langsam wieder los. Normalerweise ist jetzt schon Hochsaison." Die Unternehmen hofften auf den Herbst, so Tuchan. "Hoffentlich macht uns die neue Corona-Variante nicht alles kaputt. Die Touristiker haben sehr zu knabbern." Es gebe Perspektiven, aber es werde noch ein ganz schwieriges Jahr. "Die Hilfen werden auslaufen, der Speck ist aufgezehrt." Es sei schwer zu sagen, wer überlebe. Noch schwieriger ist das Flughafen- und Messegeschäft. Da gebe es kaum einen Silberstreif. "Man muss sich auf tragische Fälle einstellen", sagt Tuchan. Bislang sind in seinem Verband rund 150 Unternehmen organisiert, die insgesamt etwa 3000 Busse bewegen und 6000 Mitarbeiter haben. (Thomas J. Schmidt)

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