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Elektrobusse waren in Frankfurt bisher nur zu Testzwecken im Einsatz. Noch sind sie ungefähr doppelt so teuer wie gleich große Modelle mit Dieselantrieb.

Luftreinhaltung

Buslinien werden schneller elektrisch

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Generelle Diesel-Fahrverbote will der Frankfurter Magistrat vermeiden. Stattdessen sollen die Buslinien innerhalb des Alleenrings schneller auf Elektroantrieb umgestellt werden.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig kam für Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nicht überraschend. Doch er ärgert sich darüber, dass die Kommunen jetzt das ausbaden sollen, was die Autoindustrie angerichtet hat. Generelle Diesel-Fahrverbote kommen für ihn nicht in Frage – da ist er sich mit seiner für das Umweltressort zuständigen Kollegin Rosemarie Heilig (Grüne) einig. Beide setzen auf die Einführung einer „Blauen Plakette“, damit es eine Rechtsgrundlage dafür gibt, nur die Diesel mit einem hohen Ausstoß von Stickstoffdioxid aus der Innenstadt auszusperren. „Möglich wäre dann eine Stufenlösung wie bei der Einführung der Umweltzone“, sagte Oesterling. Dann könnte sich auch die Wirtschaft darauf einstellen, dass sie nach einer gewissen Übergangszeit ihren Fuhrpark umstellen muss.

Oesterling denkt aber auch über andere Maßnahmen nach, um die Luftqualität zu verbessern. So sei es denkbar, die Umstellung von Buslinien innerhalb des Alleenrings auf Elektroantrieb zu beschleunigen. Bisher ist nur geplant, in diesem auf der in Bockenheim und im Westend verkehrende Linie 75 Batterie-Fahrzeuge einzusetzen. Oesterling nimmt aber jetzt auch weitere Linien ins Visier. Besonders relevant ist dabei die Linie 30 (Bad Vilbel – Sachsenhausen Hainer Weg), die direkt an der Luftmessstation in der stark belasteten Friedberger Landstraße vorbeiführt. Sie könnte im Abschnitt zwischen Friedberger Warte und Konstablerwache durch Straßenbahnen ersetzt werden.

Elektrobusse wären hingegen für die durch große Teile der Innenstadt führende Linie 36 (Westbahnhof – Hainer Weg) nötig. Oesterling setzt auf das Förderprogramm des Bundes, das genau am Tag der Verkündung des Leipziger Urteils in Kraft getreten ist. Übernommen werden 80 Prozent der Mehrkosten, die bei einem E-Bus im Vergleich zu einem Diesel-Fahrzeug anfallen. Die sind immer noch erheblich. Während ein Standard-Dieselbus für rund 250 000 Euro zu haben ist, veranschlagen die Hersteller für Elektroantriebe ungefähr den doppelten Betrag. Wasserstoffantriebe sind noch teurer.

Jeder E-Bus würde also mit mindestens 200 000 Euro gefördert werden. Bundesweit stehen allerdings nur 35 Millionen Euro zur Verfügung. Etwa ein Zehntel davon würde auf Hessen entfallen. Mit 3,5 Millionen Euro könnten im gesamten Land gerade einmal 17 Busse bezuschusst werden. Nach Ansicht Oesterlings muss der Topf deutlich aufgestockt werden.

Auch FDP-Fraktionschefin Annette Rinn wandte sich gestern gegen Diesel-Fahrverbote. Sie seien „Politik von gestern“, die es zu verhindern gelte. „Bevor man Fahrverbote erlässt, sollten alle anderen Mittel ausgeschöpft sein“, meint IHK-Geschäftsführer Matthias Gräßle. Er plädiert für einen weiteren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und eine Förderung des Radverkehrs. Die Grünen setzen als Maßnahme gegen schlechte Luft nach wie vor auf das 365-Euro-Ticket, das ihre unterlegene OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg propagiert hatte.

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