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Direkt gegenüber des Cafés befindet sich der Grünstreifen, den Inhaberin Jessica Nehring gerne für ihre Gäste nutzen würden.

Außenbereich

Café "Brot & Freunde" darf keine Tische aufstellen – und hat kreative Lösung

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Wegen Schwierigkeiten mit der Eigentümergemeinschaft dürfen die Inhaber von "Brot & Freunde" keine Tische und Stühle im Außenbereich aufstellen. Deswegen möchten sie den Grünstreifen auf der Bertramstraße umgestalten und mit Tischen und Stühlen ausstatten.

Frankfurt - Es hatte alles so schön angefangen. Damals, am 25. Juli 2016 eröffneten Jessica Nehring und David Kralj das Brot & Freunde - eine Bäckerei samt Café an der Ecke Marbachweg/ Bertramstraße. Auf der gepflasterten Fläche vor dem Eingang stellten die Inhaber Tische und Stühle auf, 30 zusätzliche Plätze wurden so geschaffen. Und die Gäste nahmen das Angebot gerne an - vor allem im Sommer.

"Viele haben die Möglichkeit genutzt, ihren Kaffee an der frischen Luft zu trinken", sagt Nehring. Doch seit diesem Jahre können die Gäste nur noch im Inneren des Cafés mit Selbstbedienung Platz nehmen. Denn im Oktober vergangenen Jahres mussten die Inhaber Stühle und Tische abbauen. Für immer. Dazu zwang sie eine einstweilige Verfügung. Denn der bestuhlte Außenbereich kam nicht bei allen Eigentümern, bei dem Wohnkomplex handelt es sich um eine Eigentümergemeinschaft mit insgesamt 83 Parteien, gut an. Und die Fläche vor dem "Brot & Freunde" ist eine Gemeinschaftsfläche. Soll heißen: Alle Eigentümer müssen damit einverstanden sein, dass diese für Außengastronomie genutzt wird. Und das waren sie nicht.

Im ersten Jahr habe es noch keine Schwierigkeiten gegeben, sagt Nehring. Erst im vergangenen Sommer hätten drei Eigentümer sich beschwert und gefordert, dass Tische und Stühle von der Außenfläche verschwinden. Da half auch das von der Stadt eingeräumte Sondernutzungsrecht nichts. "Es handelt sich um eine private und keine öffentliche Fläche. Da haben sie quasi keinen Einfluss", sagt Nehring.

Café "Brot & Freunde": Unterschriftenliste soll helfen 

Und nun? "Nun fragen unsere Gäste ständig, wo denn die Stühle und Tische hin sind", sagt Nehring. Stattdessen liegt nun direkt hinter der Eingangstür zum Café eine Unterschriftenliste. Mehr als 400 Unterstützer gibt es bereits, die sich für die Rückkehr von Tischen und Stühlen einsetzen.

"Wir sind nicht nur ein Café und eine Bäckerei, wir sind ein Ort für die Menschen, die hier leben. Denn so etwas wie uns gibt es am Dornbusch sonst nicht", sagt die Inhaberin. Stets habe man darauf geachtet, niemanden zu stören. Frühestens um neun Uhr morgens seien die Tische und Stühle auf-, um 18 Uhr bereits wieder abgebaut worden. Am Umsatz spüre sie den Wegfall des Außenbereichs, auch wenn es "noch nicht" existenzbedrohend sei.

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Auf juristischer Ebene soll deswegen geklärt werden, ob die Stühle und Tische wieder aufgestellt werden können. Egal wie das Verfahren ausgeht, Jessica Nehring und ihr Partner haben bereits eine alternative Idee. Den in der Mitte der Bertramstraße verlaufenden Grünstreifen würden sie gerne nutzen und fest installierte Tische und Stühle aufstellen. Dass man dann Kaffee und Kuchen über die Straße balancieren muss, sieht sie nicht als problematisch an. Es gebe ja bereits eine Fußgängergampel.

Café "Brot & Freunde": Positive Reaktionen

Allerdings müsste auf der kleinen Grünfläche bis dahin noch viel passieren. Denn zwischen den hohen Bäumen wachsen derzeit noch Sträucher. "Wir würden da auch tatkräftig mit anpacken", verspricht Nehring, die Unterstützung aus dem Stadtteil bekommt.

Und zwar von Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU). "Ich würde eine solche Nutzung des Grünstreifens begrüßen. Im Augenblick wächst da hässliches Straßenbegleitgrün und ein ebenso hässlicher Altglascontainer machte diese Mittelinsel zu einem unwirtlichen Ort", sagt er.

Beim Grünflächenamt reagiert man derweil zurückhaltend auf diesen Vorschlag. Zumal Amtsleiter Stephan Heldmann erstmalig von dieser Idee hört. Deswegen sei es auch viel zu früh, dazu etwas zu sagen. Zunächst will er sich einmal mit dem Ortsvorsteher in Verbindung setzen.

Das "Brot & Freunde" hat übrigens vor zwei Wochen seine zweite Filiale eröffnet - in der Dillenburger Straße 15 in Heddernheim. Und, gibt es dort eine Außengastronomie? Nein, sagt Jessica Nehring, nur Sitzmöglichkeiten auf den Fensterbänken. Eine Möglichkeit, die sich am Dornbusch leider nicht verwirklichen lasse.

Es ist jedes Jahr das gleiche Bild in der Stadt: Wenn es wärmer wird, stellen die Frankfurter Gastronomen Tische und Stühle vor ihre Türen. Wenn sie die Möglichkeit dafür haben.

Das "Brot & Freunde" hatte diese Möglichkeit. Doch Tische und Stühle mussten abgebaut werden, weil sich jemand gestört gefühlt hat. Gestört? Wodurch denn bitte? Durch Menschen, die ihren Kaffee trinken und nett plaudern? Zu einer humanen Zeit und nicht bis Mitternacht? Wer sich dadurch gestört fühlt, der sollte sich doch gleich dafür engagieren, dass auf dem Marbachweg keine Autos mehr fahren. Denn die sind definitiv lauter, als die Gäste des Cafés es jemals waren.

Und: Frankfurt ist eine Großstadt. Außengastronomie gehört dazu, auch in den Stadtteilen. Am Dornbusch musste man lange auf solch ein Café verzichten. Deshalb sollte man das schützen und schätzen, was man hat und nicht dagegen arbeiten.

von Judith Dietermann 

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