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In der Mitte der angestrebten ?Campus-Meile liegt die Frankfurt School of Finance & Management, zu der auch der Campus Westend und Management und die Frankfurt University of Applied Sciences gehören. Die Verkehrsanbindung müsste aber besser werden.

Neue U-Bahn gefordert

So soll die „Campus-Meile“ in Frankfurt besser vernetzt werden

Frankfurt träumt von einer Campus-Meile am Alleenring. Doch die stark befahrene Verkehrsachse macht eine räumliche Vernetzung schwer. Uni-Präsidentin Brigitta Wolff macht jetzt mit eigenen Vorschlägen Druck und pocht auf eine zusätzliche U-Bahn-Haltestelle.

Ob „Museumsufer“ oder „Mainhattan“: Wenn es um griffige Etiketten für das Frankfurter Stadtbild geht, dann lassen sich die Verantwortlichen was einfallen. Als neue Vision wird nun im Norden der Stadt die „Campus-Meile“ propagiert. Diese soll drei nah beieinander gelegene Hochschulen sowie die Deutsche Nationalbibliothek miteinander räumlich vernetzen. Doch es gibt da ein kleines Problem: Der vielbefahrene Alleenring – zwischen A66 und Frankfurter Osten gelegen – zerschneidet die Meile regelrecht.

Ein bundesweiter Wettbewerb unter Studenten hat im Frühjahr 2018 Ideen geliefert, wie die Campus-Meile an der Miquelallee trotz aller Widrigkeiten umgesetzt werden könnte. Jetzt drückt die Goethe-Universität – mit fast 50 000 Studenten Hessens größte Hochschule und wichtigster „Player“ beim Projekt – aufs Tempo bei der Umsetzung und fordert „Visionskraft“.

Große Hoffnung

„Das Projekt ist eine Riesenchance“, sagt Uni-Präsidentin Birgitta Wolff. „Eine Campus-Meile würde wie am Museumsufer einen neuen attraktiven Raum entstehen lassen und wäre ein eindeutiges Bekenntnis der Stadt zu ihren Hochschulen.“ Dazu gehören auch die Privathochschule Frankfurt School of Finance & Management und die frühere Fachhochschule, die jetzt Frankfurt University of Applied Sciences heißt. Beide liegen am Alleenring – und versprechen sich viel von einer Kooperation.

Bis zum Jahr 2022 wird die Goethe-Universität auf dem neuen Campus Westend noch die Sprach-, Kunst- und Musikwissenschaftler vom ehemaligen Standort in Bockenheim aufnehmen. Damit wird der Campus, der zu den schönsten in Deutschland gezählt wird, nördlich an den Alleenring stoßen. Dort soll am nordwestlichen Rand bis 2028 auch die derzeit noch in Bockenheim ansässige Uni-Bibliothek gebaut werden.

Diese konnte dann zu einem „Kommunikations-- und Informationszentrum“ von erstem Rang für alle Hochschulen werden, schwärmt Wolff. Als städtebauliche Lösung könnte sich Wolf weiterhin eine Untertunnelung des Alleenrings vorstellen – trotz des strikten Neins der Stadt. Die Uni-Präsidentin führt als Beispiel München an, wo durch die Untertunnelung des Petuelrings im Norden Schwabings ebenfalls eine Region städtebaulich aufgewertet wurde.

„Das hört sich auf den ersten Blick charmant an“, sagt der Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats, Mark Gellert, zum Vorschlag. Im Detail gebe es jedoch bei einer so großen Hauptverkehrsachse viele Probleme, etwa beim Abfluss des Verkehrs in andere Straßen.

Die Stadt steht auf jeden Fall in der Pflicht. Denn die Römerkoalition aus CDU, SPD und Grünen hat sich in ihrem Koalitionsvertrag im Mai 2016 die „Campus-Meile“ zu eigen gemacht. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will dazu nach Angaben seines Sprechers auch ein Konzept entwickeln. Dabei wird es auch wohl um die Frage eines möglichen neuen U-Bahnanschlusses für die Universität am Alleenring gehen.

Denn die Stadt will die U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim verlängern. Diese Chance wollen Wolff und auch die Präsidenten der anderen beiden Hochschulen am Schopfe packen. Der südlich gelegene U-Bahnanschluss Holzhausenstraße reiche für die mehr als 30 000 Studenten auf dem Campus schon jetzt nicht mehr aus, sagt Wolff.

Stadt prüft drei Varianten

Doch beim U4-Lückenschluss, für den die Stadt derzeit drei Varianten prüfen lässt, gibt es einen großen Haken: Die Strecke über den neuen Uni-Campus führt am Grüneburgpark und Palmengarten entlang – eine Untertunnelung ist unumgänglich. Dies würde die Variante nach früheren Schätzungen rund 20 Millionen Euro teurer machen.

Auf konkrete Zahlen will sich die Stadt bei den Varianten noch nicht festlegen. Im nächsten Jahr sei mit einer Vorlage fürs Stadtparlament zu rechnen, sagt Thomas Erhart, Sprecher des Verkehrsdezernats. Bis die Pläne dann baureif sind, werden aber noch viele Jahre vergehen. Frankfurt braucht für die Strecke auch noch Bundesmittel.

Aus Sicht der Hochschulen müssen jetzt die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden. Die zusätzlichen Kosten für einen U-Bahnanschluss an der „Campus-Meile“ sollte der Stadt die drei Hochschulen wert sein, heißt es. Gerade die Goethe-Universität mit ihren rund 5500 Mitarbeitern sieht sich von den Verantwortlichen im Rathaus nicht immer angemessen wertgeschätzt. Dabei ist die Uni, die heute vor allem vom Land finanziert wird, bei ihrer Gründung vor nunmehr 104 Jahren einst das Werk engagierter Frankfurter Bürger gewesen.

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