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Platz zum Sporttreiben gibt es im Entwurf von Andrés Bois, Martin Villegas Salazar und Katharina Nickel von der Technischen Universität Berlin.

Ideenwettbewerb beendet

Campusmeile: Die konkrete Planungsphase steht bevor

Ortsbeirat hätte früher mitreden wollen Die 2,5 Kilometer lange Strecke vom Nibelungenplatz bis zum Campus Westend soll künftig unter der Marke Campusmeile firmieren. Studenten haben Ideen entwickelt. Die Ergebnisse gefallen, es gibt aber auch Kritik am Verfahren.

Frankfurt - Mehr als 100 Studenten an sieben Lehrstühlen und Fachgebieten haben Ideen für die Campusmeile entwickelt. Ein Semester hatten sie dazu Zeit. Über ihren Ideen grübelten sie offenbar im stillen Kämmerlein. "Es hat zwar Spaß gemacht, sich mit den Arbeiten zu beschäftigen. Es hätte aber nicht geschadet, mit Experten vor Ort zu sprechen und den Ortsbeirat zu kontaktieren", sagte Grünen-Sprecher Michael Miersch bei der Vorstellung des Projektes in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend). Rausgehen und mit Menschen reden, sei auch ein Lernprozess. Und dieser Aspekt gehöre nach seinem Verständnis zu einem Studium dazu.

Bürger beteiligen

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt schloss sich an, erinnerte aber daran, dass der Begriff Campusmeile 2014 erstmals in einem Papier der CDU-Fraktion im Ortsbeirat erwähnt worden sei. "Die Idee zur Campusmeile wurde also im Ortsbeirat geboren." Dass sie aufgegriffen worden sei, ehre das Gremium. Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) blickte schon in die Zukunft und regte Workshops mit Bürgerbeteiligung an. "Das Projekt gewinnt an Wert, wenn die Menschen merken, dass sie einbezogen werden. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht."

"Das kann ich nur begrüßen, das macht den Prozess authentisch", sagte Michael Peterek von der Universität of Applied Sciences (UAS). Mit Marcus Gwechenberger vom Stadtplanungsamt und Jean Heemskerk (UAS) war er in die Sitzung gekommen, um die Wettbewerbs-Ergebnisse vorzustellen und einen Ausblick zu geben. Denn: Der Testlauf auf Hochschulebene sei nun abgeschlossen. "Es ist lohnenswert jetzt in die konkrete Projektphase einzusteigen", sagte Peterek. In die Diskussion zur künftigen Stadtentwicklung wird laut Gwechenberger natürlich auch der Ortsbeirat einbezogen.

Ausgelobt hat den Wettbewerb das Stadtplanungsamt gemeinsam mit den Hochschulen und der Deutschen Nationalbibliothek. Die Campusmeile soll zur Marke werden - Vorbild ist das Museumsufer - und die Bedeutung Frankfurts als Wissenschaftsstandort hervorheben. Immer assoziiere man mit der Stadt Banken und Börse, dabei spiele Forschung und Entwicklung eine große Rolle in der Uni-Stadt. "Mittlerweile haben wir 60 000 Studenten, das ist mehr als in Heidelberg", sagte Gwechenberger. Neben weiterer Vernetzung der Hochschulen entlang des Alleenrings werden die Aufwertung des Quartiers und eine Verkehrsberuhigung angestrebt.

"Wir wollen weiter auf der Straße fahren dürfen und können", kommentiert der FDP-Fraktionsvorsitzender Thomas Fruhwirth die Tendenz, ausgedehnte Grünflächen anzulegen, dafür den Verkehr zu verdrängen. "Bei solchen Wettbewerben gibt es keine Denkverbote", sagte Ehrhardt. Shuttlebusse, die neuralgische Punkte der Campusmeile anfahren, findet sie gut. Auch begrünte Mittelstreifen in der Allee, die etwa zum Sporttreiben einladen, werden vorgeschlagen. Es gibt jeweils ein markantes Gebäude am Campus Westend, an der Nationalbibliothek, der Frankfurt School of Finance and Management und an der UAS, die die Campusmeile strukturieren.

Leuchtturmprojekt

Grundsätzlich gehe man von unterschiedlichen Zeitschienen aus, um Projekte realisieren zu können. Kurzfristig umgesetzt werden könnten der Boulevard der Wissenschaft. Vorbild ist das Museumsuferfest, nur dass sich hier Institute und Hochschulen präsentieren. Langfristig angelegt sei ein Leuchtturmprojekt in der Mitte der Campusmeile. Gegenüber der Deutschen Nationalbibliothek soll ein Medien-/Lernzentrum entstehen.

Ganz so visionär findet Miersch die Ideen allerdings nicht. Durch den Klimawandel und Diskussionen über die Mobilität der Zukunft fiel der Wettbewerb aber in eine günstige Zeit.

VON MATTHIS BITTNER

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