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ARCHIV - Hanf-Pflanzen einer Cannabis-Plantage in Israel, aufgenommen am 31.08.2010. An einem geheimem Ort ist in Australien die erste legale Marihuana-Farm an den Start gegangen. Dort sollen Hanfpflanzen für medizinische Zwecke angebaut werden. Foto: EPA/ABIR SULTAN ISRAEL OUT (zu dpa "Regierung will Weg für staatlichen Cannabis-Anbau freimachen" vom 04.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Prozess

Cannabis-Plantage in der Wohnung

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Vier Männer stehen seit Dienstag vor Gericht: Sie sollen in Frankfurt zwei größere Indoor-Cannabisplantagen betrieben haben.

Vier junge Männer im Alter zwischen 24 und 28 Jahren müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Laut Anklage und ihren am ersten Verhandlungstag abgelegten Geständnissen, betätigten sie sich bis Juni 2016 als Rauschgift-Gärtner in zwei Mietshäusern in Goldstein und Eschersheim.

Dort wurde seinerzeit die Kripo vorstellig, die ein reichhaltiges Sortiment an Züchteruntensilien beschlagnahmte – von Töpfen über Säcke mit Pflanzenerde bis hin zu den üblichen Wärme- und Beleuchtungseinrichtungen.

In anderen Säcken befanden sich bereits abgeerntete Pflanzen sowie fertiges Rauschgift. 129 grünende Pflanzen warteten noch auf die Ernte, die freilich auf dem Komposter der Asservatenkammer der Polizei landete. Mit rund 1,7 Kilogramm Marihuana sowie einer ähnlichen Menge Haschisch verließen die Beamten die Tatorte.

Nach Angaben der Männer hatten sie die Zucht noch nicht lange betrieben, seit Anfang März 2016. Anders als in ähnlichen Fällen, wo ein starker Gestank im Treppenhaus oder eine exorbitante Stromrechnung die Ermittler auf den Plan rufen, half in diesem Fall der berühmte „Kommissar Zufall“ in Form einer Telefonüberwachung in anderer Sache. Plötzlich vernahmen die abhörenden Beamten Fachgespräche über die Zuchtanlagen in den Außenbezirken der Stadt.

Ihre Besuche an den beiden Orten des Geschehens wurden genau dokumentiert – mehrere Lichtbildmappen lagen gestern auf dem Richtertisch. Auf einer der Plastikbeutel mit der Aufschrift „Spezialerde zur Cannabis-Aufzucht“ wurden auch Fingerabdrücke eines der Angeklagten sichergestellt.

Ob dieser tatsächlich in der Eschersheimer Wohnung auch anwesend war, belegt dieser Umstand freilich nicht mit Gewissheit.

Die Strafkammer hat sich offenbar auf einen höchst streitigen Prozess vorbereitet. Die Terminliste vor dem Gerichtssaal hat mit 19 Verhandlungstagen stattliche Ausmaße. Nach den Geständnissen der Angeklagten aber gibt es Zweifel, ob der ganze Aufwand wirklich betrieben werden muss.

„In drei Verhandlungstagen sind wir durch“, kündigte einer der Rechtsanwälte salopp beim Pausenkaffee an.

(ge)

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