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Carmen (Julia Dawson) und Don José (Ingyu Hwang) bieten den jungen Patienten der Kinderklinik eine willkommene Abwechslung vom Alltag.

Oper Frankfurt in Kinderklinik

Carmen mit Happy End

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Das Team der Oper Frankfurt ist im ganzen Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Es besucht vor allem Schulen, um all jene Kinder zu erreichen, die sonst nicht in die Oper kämen. Am gestrigen Nachmittag war es mit „Carmen“ von Georges Bizet zum dritten Mal in der Kinderabteilung der Uniklinik zu Gast.

Während Julia Dawson alias Carmen auf dem Boden kauert, tritt Ingyu Hwang, der ihren Geliebten Don José spielt, nervös von einem Bein aufs andere. Auftritt Gurgen Baveyan, Escamillo: „Aber Carmen, was machst du denn auf dem Boden?“ Sie warte, sagt sie genervt, bis die Herren sich endlich entschieden haben, was mit ihr passieren soll. „In den Karten steht, dass ich sterbe. Laut Libretto muss mich José jetzt erstechen.“ Entscheiden soll schließlich das Publikum, und das wünscht sich nicht nur in der Oper ein Happy End.

Die Zuschauer, die das Stück gestern Nachmittag in einem Hörsaal in der Kinderklinik auf dem Gelände des Uniklinikums zu sehen bekamen, sind zum großen Teil Krebspatienten. Neben einem kleinen Mädchen steht ein Ständer mit Infusionen und etlichen Geräten und Schläuchen. Ein anderer Junge hat eine Glatze und trägt zur Sicherheit einen Mundschutz. „Er ist gerade zur Stammzellentherapie hier. Da spielen die Abwehrkräfte noch nicht so mit“, erklärt Sabine Schmid, die Assistentin von Klinikdirektor Prof. Thomas Klingebiel.

Außer der demokratischen Publikumsabstimmung zu Carmens Schicksal ist vieles genauso wie im Opernhaus. Es gibt ein Bühnenbild, das während des Stücks immer wieder durch die Handgriffe der Schauspieler verändert wird, auch die Lieder sind dieselben wie in der großen Opernproduktion. Der Unterschied ist, dass hier die Geschichte etwas komprimiert von vier Darstellern erzählt wird und die musikalische Begleitung lediglich durch ein Klavier und nicht vom großen Orchester kommt.

Den Zuschauern, wie der siebenjährigen Ida, ist das ganz egal. Sie hat vor drei Jahren sieben Monate in der Klinik verbracht, wurde insgesamt zwei Jahre lang erfolgreich gegen Leukämie behandelt. Aktuell kommt sie nur noch dreimal im Jahr mit ihren Eltern zur Nachsorge und fühlt sich sogar im Krankenhaus extrem wohl. Gerade wenn der Anlass zur Rückkehr so ein spannender ist wie an diesem Tag: „Mir hat die Oper sehr gut gefallen“, sagt sie, als sie mit strahlenden Augen und einer Butterbrezel in der Hand den Raum verlässt.

Die Dramaturgin Deborah Einspieler, die das Stück für Kinder bearbeitet hat, freut sich über das Lob der jungen Zuschauer, denen ihr Team das Opernerlebnis an diesem Tag ermöglicht hat.

Mit ihren Stücken für Kinder tourt die Oper Frankfurt schon seit vielen Jahren durch die Region: „In der Kinderklinik hier auf dem Gelände spielen wir inzwischen zum dritten Mal.“ Dass die Produktion nicht die letzte war, die hier gastiert, darüber sind sich Einspieler, die Klinikleitung und die Kinder einig.

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