Einen Parkplatz fürs Carsharing-Auto zu finden, das war zwischenzeitlich in innenstadtnahen Stadtteilen kaum möglich. Nun dürfen die Fahrzeuge auch in den neuen Anwohnerparkzonen abgestellt werden. Carsharing-Anbieter kritisieren aber die damit verbundenen Kosten.
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Einen Parkplatz fürs Carsharing-Auto zu finden, das war zwischenzeitlich in innenstadtnahen Stadtteilen kaum möglich. Nun dürfen die Fahrzeuge auch in den neuen Anwohnerparkzonen abgestellt werden. Carsharing-Anbieter kritisieren aber die damit verbundenen Kosten.

Mobilität

Immer mehr Anwohner-Parkzonen in Frankfurt: Stadt sucht Lösung für Carsharing-Autos

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Frankfurt ermöglicht das Abstellen der Carsharing-Wagen in neuen Parkscheinzonen. Die Anbieter klagen über die hohen Kosten.

Frankfurt – Das flexible Nutzen von Carsharing-Autos in Frankfurt ist fürs Erste gesichert. Die Stadt ermöglicht nun, dass die Fahrzeuge auch in neuen Parkscheinzonen abgestellt werden können. Die Carsharing-Betreiber sind jedoch sauer über die damit verbundenen Kosten - wenngleich immerhin das drohende Aus abgewendet ist.

Zum Hintergrund: Weil die Stadt vor allem Pendler zum Umsteigen in den Nahverkehr bewegen möchte, wandelt sie die innenstadtnahen Stadtteile nach und nach in Anwohner-Parkzonen um. Wer dort parkt, muss einen Anwohner-Ausweis hinter die Windschutzscheibe legen oder einen Parkschein kaufen. Das hatte gravierende Folgen für 500 stationslose Carsharing-Autos: Nutzer konnten diese plötzlich in ganzen Stadtteilen nicht mehr abstellen oder ausleihen.

Darüber hatte sich unter anderem eine Anwohnerin aus Bornheim in dieser Zeitung beschwert. Die alte Römerkoalition aus CDU, SPD und Grünen hatte darauf Anfang des Jahres reagiert und es den Anbietern wieder ermöglicht, Parkgenehmigungen für diese Zonen zu erhalten. Ursprünglich wollte die alte Koalition dies nur noch jenen Anbietern ermöglichen, die ihre Flotten auf Elektroautos umstellen. Davon rückte die Stadtregierung dann wieder ab.

Frankfurt: Auf Carsharing-Anbieter kommen 900 Euro Parkgebühren im Jahr zu

Mit dem Moratorium sei das stationsunabhängige Carsharing, also das Free-floating-System, nun in allen Bewohnerparkbereichen zugelassen, erklärt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Die Parkgebühren können die Anbieter digital oder über eine Pauschale für das ganze Jahr in Höhe von 900 Euro pro Fahrzeug entrichten. Auch Betreiber stationsgebundener Fahrzeuge können dies nutzen und ihren Kunden kostenloses Parken in Parkscheinzonen ermöglichen.

Der mit 300 Autos größte Anbieter von stationslosem Carsharing in der Stadt nutzt das inzwischen: Kunden können die Fahrzeuge von Share Now, ehemals "car2go", in allen Anwohnerzonen parken, die mit der Parkraumbewirtschaftung gekoppelt sind, erklärt Firmensprecher Hannes Schumann. Für seine Smarts, Fiat 500, Mini, BMW und Mercedes nutzt Share Now allerdings das Handyparken und nicht die pauschale Jahreserlaubnis der Stadt. Diese erscheint der Firma "zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich nicht sinnvoll".

Parkpauschale für Carsharing in Frankfurt verglichen mit anderen Städten teuer

Zum gleichen Ergebnis ist der Anbieter Book-n-drive gekommen - der zu zwei Dritteln sogar der Stadt selbst gehört, nämlich über die Wohnungsbaugesellschaft ABG und die Mainova. "Diese 900 Euro sind im Vergleich mit anderen Städten sehr viel", kritisiert Geschäftsführer Andreas Hornig. Diese Summe für jeden der 190 City-Flitzer jedes Jahr zu zahlen sei "so für uns wirtschaftlich nicht darstellbar", da die Fahrzeuge für 1,90 Euro pro Stunde genutzt werden können, "was aber unsere Kunden sehr schätzen".

Die hohe Jahresgebühr hat negative Folgen für das Angebot bei Book-n-Drive: "Unsere Kunden leiden darunter, dass wir die City-Flitzer-Gebiete in Frankfurt immer kleiner schneiden müssen, da uns die Parkraumbewirtschaftung tangiert", sagt Geschäftsführer Hornig. Besonders ärgerlich sei das, weil dies vor allem jene Quartiere wie in Bornheim, im West- und Nordend mit dem höchsten Bedarf betreffe.

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Damit fällt genau dort das Angebot weg, wo viele Menschen ohne eigenes Auto wohnen, die hin und wieder auf eines der nicht stationsbasierten Carsharing-Autos zurückgreifen möchten. Das sei natürlich kontraproduktiv, sagt Andreas Hornig. "Wir hoffen, wir können das gut für unsere Kunden zusammen mit der Stadt lösen."

Carsharing in Frankfurt: Elektroauto-Quote „zu ambitioniert“

Ausdrücklich betonen beide Anbieter, dass sie gern ihre Flotten weiter auf E-Fahrzeuge umstellen wollten. "Grundsätzlich halten wir die Herangehensweise der Koalition und den Fakt, dass man sich mit Carsharing auseinandergesetzt hat, für das richtige Signal", sagt Share Now-Sprecher Schumann. Allerdings seien die Ziele, sprich: die Elektromobilität-Quote, "zu ambitioniert".

Andreas Hornig wird konkret: "Der Flaschenhals ist die fehlende Ladeinfrastruktur." Die von der Stadtpolitik vorgegebene E-Auto-Quote umzusetzen sei "derzeit schlicht unmöglich", da es "nicht annähernd genügend Ladesäulen" allein für die 190 City-Flitzer gebe. Und der Aufbau öffentlicher Ladesäulen hatte sich zuletzt noch einmal um ein weiteres Vierteljahr verzögert: Weil die Genehmigung der Stadt so aufwendig und langwierig ist, werden die ersten Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum nun wohl ab Januar gebaut. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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