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Der neue Zoodirektor Miguel Casares kann seinen neuen Job in einem Satz beschreiben: ?Wir arbeiten mit Menschen, Tieren und mit Menschen, die mit Tieren arbeiten.? Er selbst spielt hier mit Weißkopfsakis.

Neuer Zoodirektor

Casares will dem Frankfurter Zoo ein modernes Gesicht geben

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Seine Erfahrung mit der Neugestaltung von Zoos gab den Ausschlag: Der Spanier Miguel Casares ist der neue Zoodirektor. Er muss nur von einem Büro ins andere ziehen.

Der Neue ist kein Fremder: Miguel Casares, bislang stellvertretender Direktor des Zoos, ist seit gestern Frankfurts König der Tiere. Der Magistrat stimmte seiner Berufung am Morgen zu, zum 1. Februar wird der Spanier seinen Job offiziell antreten.

Damit steht er fortan an der Spitze ausgerechnet des Zoos, in dem die Karriere des Veterinärs aus Madrid im Jahr 1990 als Praktikant begann. „Die Zusage zum Praktikumsplatz bekam ich damals noch von Richard Faust. Meine allerersten Erfahrungen habe ich in Frankfurt gesammelt“, erzählte der 51-Jährige gestern, als ihn Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) als neuen Zoodirektor präsentierte.

Nach jenen Monaten am Main folgte eine Karriere mit Stationen in verschiedenen Ländern: Er forschte an den Riesenschildkröten auf den Galapagos-Inseln, war Tierarzt im Zoo auf Teneriffa, arbeitete und lehrte an den veterinärmedizinischen Instituten der Unis in Zürich und Barcelona. Im Jahr 2000 kehrte er nach Madrid zurück. Der dortige Zoo stand kurz vor der Neueröffnung, Casares’ Aufgabe war es, den Einzug der Tiere und den Start des Betriebes zu koordinieren.

Für mehrere Zoos in Spanien, aber auch einen in Marokko hat er seitdem Konzepte für die künftige Gestaltung und Tierhaltung erarbeitet. Durch und durch seine Handschrift trägt der Bioparc in Valencia: Dieser wurde im Februar 2008 am Rande der Stadt neu errichtet und heimst seitdem viel Lob ein. Denn auf den zehn Hektar Fläche sind die Zäune und Gitter zwischen Menschen und Tieren praktisch unsichtbar. In den Gehegen, die ganze Landschaften nachempfinden, leben Tierarten wie Löwen, Giraffen und Gazellen scheinbar friedlich miteinander. Die Besucher sollen bei ihrem Rundgang die Gelegenheit haben, die Tiere quasi in ihren natürlichen Lebensräumen zu erleben.

„Das sind hochattraktive Anlagen für Besucher“, schwärmte Casares und gab unumwunden zu: „Es wäre wunderbar, wenn der Frankfurter Zoo dem in Valencia ein wenig ähnlich werden könnte.“ Mit der neuen Pinguin-Anlage haben sich die Frankfurter bereits in diese Richtung aufgemacht. Die Betrachter werden später quasi inmitten der Vogelkolonie stehen.

Zum Ende des Jahres soll diese bezogen sein. Damit ist das letzte größere Bauprojekt abgeschlossen, dass der Zoo aus einem Modernisierungspaket von 30 Millionen Euro bezahlen konnte. Wie es weitergeht, liegt in Casares’ Händen: „Wir werden sofort damit beginnen, einen detaillierten Masterplan für die Gestaltung des Zoos zu entwickeln“, kündigte der neue Direktor an. Für etliche Tierarten entspricht die Haltung nicht den heutigen Ansprüchen, Tierhäuser müssen ersetzt werden. Natürlich will Casares auch in Frankfurt zeigen, wie Arten miteinander vergesellschaftet werden können. Das, so versichert der neue Direktor, gehe auch auf kleinem Raum: „Der Zoo in Valencia hat zehn Hektar Fläche, also noch etwas weniger als der Frankfurter.“

Wie schon sein Vorgänger Prof. Manfred Niekisch begreift Casares den Zoo als Botschaft für den Tier- und Artenschutz. In diesem Sinne will er die Kooperation mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), aber auch der Wissenschaft weiter vertiefen. Zugleich will er sein Konzept stark auf die Bedürfnisse der Besucher ausrichten: „Es muss uns gelingen, die Herzen zu erreichen.“

Die Herzen seiner Kollegen hat der Neue offensichtlich schon während seiner Zeit als stellvertretender Chef erreicht. Dort wurde die Personalie gestern durchweg positiv kommentiert, vor allem Casares’ Umgang mit den Mitarbeitern wurde gelobt.

Der Spanier muss demnächst auch die Herzen der Frankfurter Parlamentarier erreichen, denn sie müssen neues Geld genehmigen, damit er seine Pläne auch realisieren kann. Im aktuellen Haushalt stehen noch keine zusätzlichen Summen. „Wir wollen Miguel Casares die Zeit geben, seine Vorstellungen zu entwickeln“, erklärte Stadträtin Hartwig die Pause. Grundsätzlich wisse man in der Stadtpolitik aber, dass die „dringende Notwendigkeit besteht, den Zoo weiterzuentwickeln.“

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