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CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker im Interview: "Ich sehe mich als aufrechten Adler"

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?Das übergeordnete Ziel, wieder eine richtige Oberbürgermeisterin zu bekommen, war es wert?: Der scheidende CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker hält seinen Verzicht auf die Oberbürgermeisterkandidatur für richtig.
?Das übergeordnete Ziel, wieder eine richtige Oberbürgermeisterin zu bekommen, war es wert?: Der scheidende CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker hält seinen Verzicht auf die Oberbürgermeisterkandidatur für richtig. © Leonhard Hamerski

Heute läuft die Amtszeit von Bürgermeister Uwe Becker als CDU-Kreisvorsitzender ab. Becker hatte zuerst auf die Oberbürgermeisterkandidatur seiner Partei zugunsten von Bernadette Weyland verzichtet, dann auf den Parteivorsitz. FNP-Redakteur Thomas Remlein sprach mit ihm.

Herr Becker, es war immer Ihr Lebenstraum, Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt zu werden. Dem stimmen sie zu?

UWE BECKER: Das ist richtig.

Hat Sie der Verzicht auf die Oberbürgermeisterkandidatur sehr geschmerzt?

BECKER: Das war ein schmerzlicher Prozess, sicherlich. Wenn man das eine anstrebt, aber dann als Parteivorsitzender erkennt, dass wir mit einer anderen Kandidatin noch bessere Chancen haben, muss man auch solche Entscheidungen treffen. Das habe ich in meiner Verantwortung als Parteichef getan.

Wie lange hat dieser Prozess gedauert?

BECKER: Das war in den zurückliegenden Monaten, in denen ich für mich überlegt habe. Ich habe mir auch zugetraut, gute Chancen zu haben. Aber als Parteichef muss ich auf dem Parteitag den Vorschlag präsentieren, von dem ich davon ausgehe, dass er die besten Chancen hat. Ich glaube, dass wir mit Bernadette Weyland eine hervorragende Kandidatin haben. Zu dem Zeitpunkt, als ich zu dem Schluss kam, war für mich klar, dass es nicht um persönliche Wünsche geht, sondern dass ich als Parteivorsitzender Verantwortung für das Ganze habe.

Sie haben den Anspruch auf die Oberbürgermeisterkandidatur sehr früh formuliert. War das ein Fehler?

BECKER: Nein, das war kein Fehler. Ich bin jemand, der mit offenen Karten spielt, der nicht herumdruckst. Ich stehe zu meiner Meinung. Die habe ich früh artikuliert. Das sehe ich nicht als Fehler.

Positiv formuliert könnte man sagen, Sie haben jahrelang Frau Weyland den Rücken freigehalten.

BECKER (lacht): Ich habe meine Aufgabe in den Rollen wahrgenommen, die ich für wichtig erachtet habe. Frau Weyland hat sich auf andere Dinge konzentrieren können. Sie ist jetzt wieder vollumfänglich in der Stadt unterwegs.

Es gibt ja das alte Sprichwort: Der Vogel, der zu früh singt, den frisst die Katze.

BECKER: Nun in dem Fall habe ich die Entscheidung für mich getroffen. Im besten Sinne für die Stadt und für die Partei. Deswegen sehe ich immer noch den aufrechten Adler und keinen gefressenen Vogel.

Sind Sie nach dieser Entscheidung ein Stück weit froh, die Bürde los zu sein? Sie tragen ja den Anspruch auf die Kandidatur schon einige Jahre mit sich herum. Wie lange? Zwei Jahre? Drei Jahre?

BECKER: Nun, ich habe den Anspruch 2012 formuliert, vor fünf Jahren. Nein, ich habe das nie als Bürde empfunden. Ich erlebe auch jetzt keine Entlastung von einer Bürde. Ich habe ein Ziel für mich formuliert, glaube aber, dass das übergeordnete Ziel, dass Frankfurt wieder eine richtige Oberbürgermeisterin bekommt, es wert war, auch die Entscheidung für mich so zu treffen.

Lassen Sie uns zurückkommen auf ihre fünfjährige Zeit als Parteivorsitzender. Was war aus Ihrer Sicht der Höhepunkt?

BECKER: Nun, wir haben eine Kommunalwahl unter schwierigsten Voraussetzungen geschafft. Die bundespolitische Gesamtstimmung Anfang 2016 war sehr schlecht. Wir haben einen Koalitionsvertrag verhandeln können, der so viel CDU-Handschrift hat, wie noch kaum einer zuvor. Innerparteilich habe ich mit der Wiederbelebung der Arbeitskreise, der Fachausschüsse, die Partei wieder geordnet.

Trotzdem ist die Frankfurter CDU, was Mitgliederzahlen und das Kommunalwahlergebnis anbelangt, im Niedergang. Was muss anders werden?

BECKER: Nun, man darf das Kommunalwahlergebnis nicht losgelöst von den Rahmenbedingungen betrachten. Da war es Anfang 2016 für die Union überall schwierig. Wir sind die einzige Großstadt-CDU in Hessen, die als stärkste Kraft hervorgegangen ist; wenn auch nur mit einer leichten Nasenlänge. Wichtig ist – und das gilt für alle Parteien – dass wir bei den Menschen sind und uns um die vermeintlich kleinen Themen in den Stadtteilen genauso kümmern wie um die Großen.

Ist es zeitgemäß nach einem Kommunalwahlergebnis von rund 24 Prozent, dass immer noch die beiden Flügel die Posten untereinander aufteilen, so dass manchmal die Qualität der Bewerber auf der Strecke bleibt?

BECKER: Es bleibt dabei, dass sich die Parteiführung Gedanken darüber machten muss: Wer soll in Zukunft wichtige Aufgaben übernehmen?

Trotzdem hat man als Beobachter den Eindruck, dass manche renommierte Angehörige eines Flügels parteiintern nicht so zur Geltung kommen wie es ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit entspräche. Wenn ich beispielsweise an die Landtagsabgeordnete Bettina Wiesmann denke, die nicht zum inneren Führungszirkel der MIT gehört oder an Thomas Dürbeck, den kulturpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Römer. Dürbeck wurde bei der Kandidatenaufstellung für das Stadtparlament nicht gerade komfortabel behandelt.

BECKER: Wir haben viele gute Leute in der Frankfurter CDU.

Auch in der MIT?

BECKER: Quer durch alle Gruppierungen und Vereinigungen. Bei einer begrenzten Anzahl von Mandaten ist es immer ein schwieriges Ringen, allen gerecht zu werden.

Dem Vernehmen nach soll der neue CDU-Kreisgeschäftsführer ebenfalls von der MIT kommen?

BECKER: Entscheidende Fragen für die Zukunft sind jetzt nicht die Sache eines scheidenden Kreisvorsitzenden.

Halten Sie es für sinnvoll, dass der neue Kreisgeschäftsführer von der MIT kommt?

BECKER: Wir haben ja einen Kreisgeschäftsführer. Fragen über den heutigen Zeitpunkt hinaus, sind Entscheidungen, die der neue Kreisvorsitzende zu treffen hat.

Was muss ihr designierte Nachfolger Jan Schneider anpacken als Parteivorsitzender?

BECKER: Der Jan ist ein großartiger Mensch. Er ist hochengagiert. Die Zeit, die er bereits im Magistrat ist, hat er sehr erfolgreich gearbeitet. Er hat Charme, er hat Charisma. Er hat die richtige Mischung aus Erfahrung und Frische. Er weiß sehr gut selbst, was der richtige Weg, auch für ihn selbst, ist.

Müsste er nicht die starre Flügelarithmetik auflösen?

BECKER: Es gehört zu einer Partei, dass sie auf starken Säulen stehen muss. Es ist immer wichtig, dass man die starken Säulen hat und sie nicht einreißt.

Die Oberbürgermeisterkandidatin Bernadette Weyland versucht ja bei Veranstaltungen neue Formate zu finden und neue Wege zu gehen. Kann Sie dabei auf die Unterstützung der Partei rechnen?

BECKER: Auf jeden Fall. Wir haben schon den Nominierungsparteitag bewusst mit anderen Akzenten versehen.

Sie ziehen sich jetzt aus der Parteiführung zurück. Welche politischen Ziele streben Sie als nächstes an?

BECKER: Das große Ziel hier ist, Frankfurt in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Das ist eine Hauptaufgabe, die ich als Bürgermeister und Kämmerer habe.

Werden Sie in die Landespolitik gehen?

BECKER: Die Absicht habe ich nicht.

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