Hkh_bahnnied2_250720_4c_041
+
Mitglieder der Nieder CDU haben an verschiedenen Tagen zu Vergleichszeiträumen gestoppt, wie lange die Schranken am Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt unten waren. Die Werte lassen vermuten, dass die Bahn zum Aktionstag der BI etwas nachgeholfen hat.

CDU Nied legt Zahlen vor

Vorwürfe an der „Todesschranke“ in Frankfurt: Hat die Bahn getrickst?

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
    schließen

Eine Bürgerinitiative in Frankfurt kündigt einen Aktionstag gegen die „Todesschranke“ in Nied an. Ausgerechnet an diesem Tag sind die Staus kürzer als sonst.

Frankfurt – Die CDU Nied hat den Vorwurf der Nieder Bürgerinitiative (BI) „Die Schranke muss weg“ aufgegriffen und nun mit Datenmaterial unterlegt. Die BI hatte bei ihrer ersten öffentlich angekündigten Aktion am 22. Oktober, bei der sie Süßes an wartende Autofahrer verteilt hatte („Wenn‘s mal wieder länger dauert...“), den Verdacht geäußert, die Bahn könnte in Kenntnis der Aktion Züge umgeleitet haben, um die Schließzeiten zu beeinflussen: Die Schranken waren ausgerechnet an diesem Tag deutlich häufiger und länger als sonst geöffnet.

„Wir haben am 22.10. sofort gemerkt, dass etwas anders ist. Keine Staus in der Rush-Hour - ein Wunder war geschehen“, sagt auch Tobias Fechler, der Vorsitzende der CDU Nied. „Darum haben wir sofort angefangen, die Zeiten zu messen. Dies haben wir einen Tag später und genau eine Woche darauf am unangekündigten Aktionstag der BI wiederholt und die Zahlen ausgewertet.“

Schließzeit der Schranke in Frankfurt-Nied weniger als die Hälfte

Laut Fechler beweisen die dabei gewonnenen Daten eindeutig, dass die Frequenz des Zugverkehrs am 22. Oktober deutlich von allen anderen Tagen abweicht. So seien die Schranken am ersten Aktionstag der Bürgerinitiative zwischen 16 und 18 Uhr nur 46 Prozent der Zeit geschlossen gewesen. „Normalerweise sind um diese Tageszeit die Schranken zu 70 bis 85 Prozent der Zeit zu“, verweist der CDU-Vorsitzende auf seine Erfahrungswerte seit März 2020.

Die durchschnittliche Dauer einer jeden Schließung sei laut CDU-Analyse am 22. Oktober mehr als 50 Prozent geringer gewesen als an den anderen Tagen. Die Schrankenbäume seien im Schnitt nach nur 2 Minuten 57 Sekunden wieder geöffnet worden. Die längste Schließzeit habe 5 Minuten 35 Sekunden gedauert; in dieser Zeit hätten drei Züge den Bahnübergang passiert. Zum Vergleich: An anderen Tagen seien sechs bis acht Züge pro Schrankenschließung durchgefahren, und die Wartezeit vor geschlossenen Schranken habe 15 bis 20 Minuten betragen.

Vorwurf der CDU in Frankfurt Nied: Bahn hat in Schranke eingegriffen

Auch beim sogenannten „Stunden-Index“ falle der 22. Oktober auf, sagt Fechler: Bei diesem Index wird aus einem Zeitraum die Stunde ausgesucht, in welcher die Schranken in Summe die meiste Zeit geschlossen sind. Am angekündigten BI-Aktionstag waren das laut Fechler nur 32,5 von 60 Minuten. An den anderen in der Analyse verglichenen Tagen waren die Schranken im gleichen Zeitraum 45, 48 oder sogar fast 52 von 60 Minuten geschlossen.

Die CDU Nied stellt nun die Frage: War der geringe Zugverkehr am angekündigten Aktionstag der BI wirklich Zufall oder hat die Bahn in Kenntnis der Aktion der BI reagiert und „eingegriffen“? Züge seien wohl eher nicht umgeleitet worden, meint Tobias Fechler, es hätten am Aktionstag nur unwesentlich weniger Züge als sonst den Bahnübergang Oeserstraße passiert. Doch offensichtlich sei an diesem Tag die Durchfahrt der Züge „anders“ und vor allem „effizienter“ organisiert worden. Wurde vielleicht mehr Personal für die Schranke eingeteilt? „Wenn das Zufall war, dann hätten wir gern mehr solcher Zufälle hier“, sagt Fechler. „Aufgrund unserer Erfahrungen mit der Bahn können wir nicht wirklich an einen Zufall glauben. Wenn aber die Bahn aufgrund der BI-Aktion wirklich eingegriffen hat, dann ist das ein Skandal.“

Schnellstmöglich Antworten von der Bahn zur Schranke in Frankfurt-Nied

Die CDU Nied möchte daher schnellstmöglich Antworten von der Deutschen Bahn erhalten, was am 22. Oktober an der Bahnschranke anders war - und warum. Heute sollte der Bahnübergang Thema in der Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung sein, doch die fällt aus; auch die Fraktionen des Ortsbeirats haben nach den Beobachtungen der Bürgerinitiative zu verlängerten Schließzeiten Fragen formuliert. Da die Antworten von der Bahn und nicht vom Magistrat kommen müssen, ist allerdings nicht mit einer umgehenden Klärung über die politischen Gremien zu rechnen.

Der Nieder CDU-Vorsitzende Tobias Fechler hat darum gestern den Konzernbevollmächtigen der Deutschen Bahn für Hessen, Klaus Vornhusen, direkt angeschrieben. Und er wird deutlich: „Herr Vornhusen, sollte an diesem Tag die Bahn bewusst in den normalen Zugverkehr eingegriffen haben, wäre das ein Skandal, das muss ich Ihnen mal so sagen. Das würde zeigen, dass die Bahn uns Bürger in Nied immer noch nicht ernst nimmt und ,Spiele spielt‘. Das ist hier aber kein Spiel und nicht lustig angesichts der aktuellen Gefahrenlage und des furchtbaren Unglücks vom 7. Mai.“ Vornhusen soll, fordert Fechler, konkret benennen, was am 22. Oktober anders gewesen ist oder aber bestätigen, dass das ein Zufall gewesen ist.

Bahn weist die Schuld für kürzere Schießzeiten der Schranke in Nied von sich

Nach Angaben eines Bahnsprechers sei die Anzahl der Zugfahrten aufgrund der angekündigten Protestaktion nicht reduziert worden. Die Schließzeiten würden alleine durch das Zugaufkommen und die Zugfolge bestimmt. Sofern die Zugfolge es zulasse, seien Bahnmitarbeiter angehalten, den Bahnübergang offen zu halten. Beim Zugaufkommen sei zu beachten, dass im zweigleisigen Betrieb sich begegnende Fahrten unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Schließzeiten haben können. „Das Zugaufkommen ist an diesem Tag nicht unwesentlich vom üblichen Aufkommen abgewichen. Daher können wir uns die angegebenen Daten nur durch günstige Zugfolgen erklären“, so der Bahnsprecher.

Vornhusen hatte am 6. Oktober bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative in Nied bekanntgegeben, dass der Bahnübergang bis Ende 2021 mit neuer Sicherheitstechnik samt Ampel ausgestattet werde, dass der Bau einer getrennten Fußgängerunterführung vorgezogen und bis 2023 / 24 umgesetzt werden solle und dass es das Ziel der Bahn sei, eine Unterführung bis 2027 fertigzustellen. Dieser Zeitplan ist sehr optimistisch: Im östlichen Bereich der Oeserstraße ist mit Klagen von Haus- und Grundbesitzern zu rechnen, deren Eigentum von den Plänen eines Tunnelbaus betroffen sein wird. (Holger Vonhof)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare