Neue Serie: Das Frankfurter Bahnhofsviertel

Das Changó: Karibische Nächte am Hauptbahnhof

Frankfurts lebendigstes Viertel ist das Bahnhofsviertel – zwar gehört es von der Einwohnerzahl zu den kleinsten der Stadt, vom Unterhaltungswert allerdings ist es ein ganz großer Spieler. Der Fotograf und Szenekenner Ulrich Mattner streifte durch den Kiez und verrät in dieser Woche hier seine Geheimtipps. Teil 1: Das Changó

Der Latin Palace Changó in der Münchener Straße 57 ist einer der größten Salsa-Clubs Europas. Wo heute Salsa-, Merengue- und Bachata-Stars den Ton angeben, residierte früher „Maier Gustl’s Oberbayern“, ein Telefon-Flirt-Lokal, das in keinem Reiseführer über Frankfurt fehlte.

Vom Frankfurter Hauptbahnhof ist es nur ein Katzensprung – und schon steht man mitten in der Karibik. Wer daran zweifelt, braucht nur am Freitag- oder Samstagabend in den Latin Palace Changó zu kommen. Es ist wie Magie: Kaum schwingen die ersten Salsa-Rhythmen im Ohr, beginnen selbst bei weniger eingefleischten Salsa-Liebhabern wie von selbst die Hüften zu wiegen und ein entspanntes Lächeln formt ihre Lippen.

Mehr als tausend Partygäste durchfeiern im Changó die Nacht. Unermüdliche spukt der bunte Tanzpalast erst nach 8 Uhr morgens wieder aus. Anfangs bestand das Publikum fast ausschließlich aus Latinos. Seit dem Wandel des Bahnhofsviertels zum Szenestadtteil begeistern sich immer mehr deutsche Gäste für das ausgelassene Tanzvergnügen. Auf der riesigen, von roten Balkonen gesäumten Tanzfläche geben Salsa-, Merengue- und Bachata-Klänge den Ton an.

Jeden Freitag gibt Tanzlehrerin Pina dort von 21.30 bis 23 Uhr einen kostenlosen Salsa-Tanzkurs. Im zweiten Dancefloor oben heizen Black Beats und Reggaeton ein. Wer bei einem Mojito oder einer kubanischen Zigarre wieder zu Atem kommen will, sammelt neue Kräfte in der beheizten Outdoor-Lounge mit Südsee-Bar und Großleinwand. Sie hält über das Party-Geschehen im Inneren auf dem Laufenden.

Seele des Changó ist Inhaber Ferdinand Hartmann, ein breitschultriger und gutmütiger Hüne mit Faible für südliches Lebensgefühl und großem Herz. Seit einigen Monaten stellt er das Changó jeden Freitag der Frankfurter Tafel für die Lebensmittelausgabe an Bedürftige zur Verfügung. Mit viel Liebe hat er die unter einem Nachkriegs-Mietblock liegenden Lokalitäten in ein Tanzparadies mit drei Cocktails-Bars und einem Restaurant für südamerikanische Spezialitäten verwandelt. Der jüngste Lohn für seinen Einsatz: Vor einigen Monaten wurde er zum Ehrenbotschafter der lateinamerikanischen Kultur ernannt.

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