Auch an der Linnéschule hat der erste Unterrichtstag begonnen, an dem Vorgaben der Bundes-Notbremse gelten. Frankfurt hatte dreimal in Folge die Corona-Inzidenz von 165 überschritten.
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Auch an der Linnéschule hat der erste Unterrichtstag begonnen, an dem Vorgaben der Bundes-Notbremse gelten. Frankfurt hatte dreimal in Folge die Corona-Inzidenz von 165 überschritten.

Bundes-Notbremse

Chaos an Schulen bleibt in Frankfurt aus

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Nach den Verwirrungen am Wochenende sind die meisten Schüler am Montag zu Hause geblieben. Bildungsdezernentin Sylvia Weber entschuldigt sich bei Eltern.

"Ich bin etwas aufgeregt in diese Woche gestartet, aber jetzt bin ich zufrieden", sagte Michael Haas, Schulleiter des Gymnasiums Nord in Westhausen, am Montag. "Es hat alles wunderbar problemlos funktioniert." Noch am Sonntag hätte Michael Haas, sofern man ihn gefragt hätte, nicht damit gerechnet.

Frankfurts Schulleiter haben ein bewegtes und arbeitsintensives Wochenende hinter sich. Pausenlos klingelte bei ihnen das Telefon, gingen E-Mails bei ihnen ein. Eltern, Schüler, Lehrer und Direktoren, alle waren gleichermaßen verwirrt, niemand wusste so recht, was zu tun ist. Seit Samstag nämlich ist das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft. Dieses besagt, dass bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 oder mehr an drei Tagen in Folge kein Präsenzunterricht mehr erlaubt ist. Ausnahmen sind nur für Abschlussklassen und Förderschulen möglich. In Frankfurt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit Donnerstag über dem vom Bund festgelegten Wert. Gestern war er sogar auf 191,1 geklettert.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) jedoch hatte am Freitagabend zunächst angekündigt, dass in Frankfurt auch in dieser Woche noch die Schulen geöffnet bleiben sollen - "unabhängig von der Inzidenz". Am Samstag verkündete sie dann, dass die Präsenzpflicht für diese Woche aufgehoben werde, aber alle Kinder in die Notbetreuung gehen können. Erst ab kommender Woche solle die Notbetreuung "entsprechend den Vorgaben des Landes" gelten. Sprich: Für Kinder von Alleinerziehenden, für Kinder von Familien, wo beide Elternteile arbeiten müssen, aus Gründen des Kindeswohls oder wegen eines Härtefalls.

"Wir haben uns über diese Nachrichten schon sehr gewundert", sagte Michael Haas in der Rückschau. "Die Bundes-Notbremse gibt klare Vorgaben. Wir Schulleiter hatten uns aufgrund der steigenden Neuinfektionen auf die Schulschließungen vorbereitet. Die Konzepte liegen doch in unseren Schubladen. Dafür brauchen wir keine Vorlaufzeit. Mit Distanzunterricht kennen wir uns mittlerweile aus."

Die Verwirrung unter den Schulleitern war aber weiterhin groß. Erst nach einer E-Mail seitens des Staatlichen Schulamtes am Sonntag, dass Präsenzunterricht untersagt sei, konnten die Eltern informiert werden - Unsicherheiten gab es dennoch. In einem Brief des Leiters der Liesel-Oestreicher-Schule an die Eltern heißt es: "Ich befürchte, dass wir als Schulgemeinde die Angelegenheit vorerst selbst und möglichst pragmatisch regeln müssen." Die Präsenzpflicht sei ausgesetzt, Schüler der Grundschule dürften noch kommen, würden aber nur beaufsichtigt, nicht unterrichtet.

Immerhin setzte sich das Chaos vom Wochenende am Montag in den Schulen nicht fort. Fazit: Die meisten Schüler sind zu Hause geblieben - und wenn sie doch in die Schule kamen, dann meist nur, um Arbeitshefte oder Bücher zu holen. Das Gymnasium Nord etwa musste sich nur um einen Schüler kümmern, der eigentlich keinen Anspruch auf Notbetreuung hat. Er durfte aber bleiben, hat den Digitalunterricht vom Klassenzimmer aus verfolgt. "Ich gehe jetzt beruhigt in diese Woche", sagte Haas.

Auch andere Schulleiter sind wieder entspannt. "Wir hatten so wenig Schüler wie noch nie in der Notbetreuung", sagte Mathias Koepsell, Leiter des Adorno-Gymnasiums. Die Eltern seien sehr verantwortungsbewusst. Dem Bildungsdezernat und dem Staatlichen Schulamt jedoch stellt er kein gutes Zeugnis aus. "Beide Institutionen haben ein schwaches Bild abgegeben."

Die CDU Frankfurt forderte Bildungsdezernentin Weber dazu auf, "offen mit ihren Fehlern vom Wochenende" umzugehen und für die Zukunft zu lernen. Sie müsse jetzt schnellstmöglich mit den Schulen und Kita-Trägern die Konsequenzen, die aus der Bundesnotbremse entstehen, besprechen. "Frau Weber ist nicht Pippi Langstrumpf, die sich die Welt machen kann, wie sie ihr gefällt", teilte die CDU-Stadtverordnete Sara Steinhardt in einer Presseerklärung mit. "Einrichtungen und Eltern brauchen vor allem Verlässlichkeit und kein Hin und Her wegen persönlicher Alleingänge."

Weber entschuldigte sich am Montag in einem Brief bei den Eltern für die Verwirrungen. "Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht", heißt es darin.

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