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Welches Schilderl hätten?s denn gerne? In der Koblenzer Straße herrschte fast eineinhalb Jahre freie Auswahl. Links standen sieben, rechts vier der Hinweise. Gültig waren nur wenige.

Baufirma hat elf Halteverbote über Monate stehen lassen

Chaos im Frankfurter Schilderwald

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Schilderwirrwarr gibt es an vielen Stellen in Frankfurt. Manchmal so schlimm, dass nur noch das Ignorieren den Autofahrern hilft. Wie in der Koblenzer Straße im Gallusviertel. Trotz Halteverbots wurden hier nie Knöllchen geschrieben. Die Halteverbote waren ausnahmslos außer Kraft gesetzt, die Schilder vergessen worden. Gestern wurden sie abgeräumt.

Hunderte Baustellen gibt es in der Stadt. Einige beeinflussen den Straßenverkehr, nahezu alle sind mit Halteverbotsschildern gesichert. Es dürften Tausende Schilder sein, die Autofahrern die Suche nach dem Parkplatz erschweren.

Um so schlimmer, wenn die Schilder längst wieder abgeräumt hätten werden müssen, aber immer noch stehen – und das über Monate hinweg niemandem auffällt. Auch nicht den Ordnungskräften, die fast täglich im Viertel unterwegs sind und jeden Falschparker aufschreiben.

Elf Halteverbotsschilder haben bis gestern das letzte Stück der Koblenzer Straße im Gallusviertel gesäumt. Erst durch Recherchen der Frankfurter Neuen Presse ist es aufgefallen. Gestern wurden die Schilder abgeräumt, endlich.

Zwischen der Hellerhof- und der Günderrodestraße ist im Lauf der Jahre 2015 und 2016 ein Mehrfamilienhaus errichtet worden. Es ist fertig, einige Wohnungen sind schon bezogen. Was fehlt, sind die Kacheln am Sockelgeschoss und die Absenkung des Bordsteins hin zur Zufahrt zur Tiefgarage. An den Klingeln sind die Namen der Bewohner zu lesen.

Trotzdem: Halteverbote überall, ein völliges Wirrwarr. Manche galten nur einen Tag („1.10.2015 wegen Baukranmontage“), andere – auch auf der gegenüber liegenden Straßenseite im Anwohnerparken – bis zuletzt. „Ab 24.8.2015“ stand, ausgedruckt auf Papier und mit Kunststofffolien eingepackt, unter den Schildern. Noch gestern, am 31. Januar 2017.

Die Genehmigung für diese Halteverbote lief nur bis Juli, weiß Boris Stanic, Juniorchef der Firma Baustellen-Komplett-Service (BKS) in Frankfurt, nach einem Blick in die Akten. Offenbar war es ein Versehen seines Unternehmens, die Schilder nicht wieder abzuholen. BKS verleiht an jährlich rund 400 bis 500 Baustellen im Rhein-Main-Gebiet die Halteverbotsschilder. Und manchmal – wie in diesem Fall – geschehen Fehler.

Aufgefallen ist das der Bauleiterin schon lange. „Ich habe die Firma BKS mehrmals informiert“, sagte die Mitarbeiterin von Jüttemann Architekten, die das Haus in der Koblenzer 45-47 errichtet haben. Doch erst die Nachfragen der Frankfurter Neuen Presse brachten Bewegung in die Sache.

Vor allem beim Straßenverkehrsamt. Auf unsere Nachfrage schickte der Leiter Gert Stahnke am Montag einen Mitarbeiter hinaus. Dieser hat die Bauleitung kontaktiert, diese wiederum die BKS. Dort bestätigte Boris Stanic, dass die Schilder nun endlich entfernt werden sollten. Stahnke kündigte an, dass das Stehenlassen der Schilder eine Anzeige zur Folge haben werde.

Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit im Straßenverkehrsamt, erläutert: „In den Stadtteilen sind immer wechselnde Kräfte unterwegs. Da ist niemandem etwas aufgefallen.“ Interessant jedoch: Offenbar gab es im vergangenen Jahr auch keinerlei Anzeigen, wenn Anwohner im Halteverbot standen. Michaelis kann sich das auch nicht erklären. Aber: „Grundsätzlich gilt, wer im Halteverbot steht und einen Strafzettel bekommt, muss zahlen oder einen Widerspruch einlegen.“

Im Anhörungsbogen könne man ja schreiben „Ich verstehe das Haltverbot nicht, da ist keine Baustelle“, und dann werde es geprüft, überflüssige Schilder könnten dann auch entfernt werden. „Wir sind auf Hinweise angewiesen, um so etwas zu bemerken“, so Michaelis. Angesichts der vielen Baustellen kontrollieren seine Mitarbeiter vornehmlich die Punkte, bei denen der Verkehr behindert werde. Allerdings: Wenn man bezahlt hat, ist der Vorgang abgeschlossen. Es gibt kein Geld zurück.

Im vorliegenden Fall wundert Michaelis sich am meisten darüber, dass es keinerlei Hinweise der Anwohner gegeben hat. „Die hätten sich doch wundern können, dass sie immer noch nicht im Bewohnerparken stehen dürfen, obwohl keine Baufahrzeuge mehr kommen.“

Seine Behörde werde nach Hinweisen schon öfter mal aktiv, räume auch vergessene Schilder ab, die auf einem Bauhof gelagert werden. „Das ist Alltag. Es kommt vor, dass

Schilder vergessen

werden.“ Doch selten sind die Fälle so eklatant wie jetzt in der Koblenzer Straße.

Grundsätzlich gilt, dass jeder, der ein berechtigtes Interesse hat, ein Halteverbot auf Zeit beantragen kann. Dabei fällt eine Gebühr an, in der die Schilder selbst und das ordnungsgemäße Aufstellen noch nicht inbegriffen sind. Die Gebühr für ein Halteverbot für maximal eine Woche, beispielsweise wegen Umzugs, beträgt 30 Euro. Wer eine Baustelle einrichtet, muss tiefer in die Tasche greifen. Es kostet 50 Euro pro Monat, für maximal zwölf Monate.

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