Frankfurt

Chaos bei der Frankfurter Zulassung

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Großer Unmut der Autohalter - Langes Warte auf Termin - Kaum Durchkommen am Telefon

Frankfurt -Sie habe sich ihren Traumwagen gekauft, wollen ihn möglichst schnell zulassen und dann das: Um sein Auto an-, um- oder abzumelden, braucht man in Coronazeiten viel Geduld. Wer richtig Pech hat, wartet bis zu drei, vier Wochen auf einen Termin. Denn anders als Jahrzehnte lang geübt, kann man die Zulassungsstelle am Römerhof nicht mehr einfach so ansteuern. Man muss zuvor einen Termin vereinbaren. Telefonisch oder per Mail.

"Ich habe es 40 bis 50 Mal per Telefon probiert. Ohne Erfolg", sagt ein 38 Jahre alter kaufmännischer Angestellter. Der Frankfurter, der seinen Namen nicht nennen möchte, hat dennoch einen Termin für diesen Morgen bekommen, um seinen schwarzen Range Rover anzumelden. Auch seine erste E-Mail sei nicht beantwortet worden. "Ich habe absolutes Verständnis für die Hygienemaßnahmen, aber ich kann wirklich nicht verstehen, warum man nicht zusätzliche Telefone besetzen oder E-Mails zeitnah beantworten kann", sagt der Mann und entschwindet Richtung Halle. Dort prüft am Eingang ein Sicherheitsmitarbeiter zunächst, ob der Antragsteller überhaupt einen Termin hat.

Manche Bürger werden richtig sauer

Nicht immer verläuft das so reibungslos, wie in diesem Fall. "Etwa 20 Prozent der Leute, die hier vorfahren, wissen noch gar nichts von der neuen Regelung", sagt Mehmet Karabalic von der Stadtpolizei. Gemeinsam mit dem Kollegen Christian Reis stoppt er schon an der Zufahrt jeden Wagen, kontrolliert auf einer Liste, ob der Fahrer eine Termin hat. "Wir haben hier aber auch Leute, die es auf gut Glück versuchen, nachdem sie anders nicht durchgekommen sind. Die sind, wenn wir sie abweisen müssen, richtig sauer", sagt der junge Mann in der schwarzen Uniform. Vor einigen Tagen habe man gegen einen Randalierer ein Hausverbot aussprechen müssen.

Karin Müller, erst seit Anfang Mai die Leiterin des Ordnungsamtes und die erste Frau an dessen Spitze, kann den Unmut vieler Bürger verstehen, bittet aber um Verständnis.

"Auch wir waren von dem totalen Shutdown zwischen dem 17. März und dem 14. April betroffen, versuchen die Rückstände aufzuarbeiten." Inzwischen sei man fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Das bedeute 200 Vorgänge am Tag, etwa 1100 in der Woche. "Durch die neuen Regelungen sind aber die telefonischen Anfragen enorm gestiegen", sagt sie. Von 6200 im Januar auf aktuell 63 000. "Aber wir haben nicht zehnmal so viele Mitarbeiter." Auch die technische Anlage stoße da an ihre Grenze. Die gute Nachricht: Von Montag an sollen sich sechs zusätzliche Personen speziell um die Anfragen und Terminvergaben per E-Mail kümmern.

Auch Vorteilefür die Bürger

"Wenn der Rückstau abgebaut ist, hoffen wir, Termine binnen einer Woche vergeben zu können", so Müller. Ob und wie lange man bei diesem System bleiben werde, sei noch völlig offen. "Aber es hat doch auch für die Bürger Vorteile, wenn sie wissen, wann genau sie an der Reihe sind und nicht schon früh morgens bei noch geschlossenen Türen anstehen", so die Amtsleiterin (58). Die Zulassungsstelle hat jetzt übrigens täglich von 8 Uhr an geöffnet.

Nutznießer, wenn damit auch nicht glücklich, sind professionelle Zulassungsdienste, die meist von Firmen oder Händlern beauftragt werden. "Zu uns kommen jetzt auch ganz viele Privatkunden, weil es schneller geht", sagt ein Anbieter aus dem Main-Taunus-Kreis, der seit 30 Jahren im Geschäft ist. Auch er will seinen Namen nicht nennen. Ein gutes Verhältnis zum Ordnungsamt ist sein Kapital. Dennoch ist er nach eigener Aussage mit seinen Aufträgen "zehn Tage im Rückstand". Je nach Anbieter kostet der Service in der Regel zwischen 25 und 40 Euro. Hinzu kommen die Schilder (12 Euro pro Stück) und die Gebühren (30 bis 50 Euro).

Frank Strack und Sohn Dominik (8) haben die Kennzeichen schon unter dem Arm. Sie sind da, um für die Tochter des Hauses, die gerade ihnen Führerschein gemacht hat, einen kleinen Chevrolet Kalos anzumelden. Er habe zwar einige Male angerufen, dann aber einen Termin gleich für die nächste Woche bekommen, sagt Frank. "Als ich das meinem Kumpel erzählt habe, wollte er mir das nicht glauben." Oscar Unger

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