Vermüllung

Frankfurt: Chaoten versenken „dutzende“ E-Scooter im Main

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Dutzende batteriebetriebene Tretroller sind mittlerweile achtlos im Main gelandet. Die Verleihfirmen wollen sich jetzt darum kümmern.

Frankfurt – Im Main versenkte E-Scooter sollen im Frankfurter Stadtzentrum aus dem Fluss geborgen werden. Das kündigen die Verleihfirmen der Tretroller an. Die Aufräumaktion scheint dringend nötig zu sein: Fachleute vermuten, dass eine bis zu dreistellige Zahl an Schrott-Rollern im Wasser liegt.

Sie stehen kreuz und quer auf Gehwegen und Plätzen, liegen in Blumenrabatten und Gebüschen. Überall in der Stadt sind die elektrischen Miet-Tretroller ein Ärgernis. Auch in Bächen und Flüssen landen die E-Scooter, von Chaoten hineingeworfen. Neben der Nidda ist vor allem der Main betroffen. "Dutzende E-Scooter liegen im Innenstadtbereich im Fluss", erklärt Daniel Göz, der Vorsitzende der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft von 945.

Frankfurt: E-Scooter landen im Main

Ihn haben die Nachrichten aus Köln dieser Tage aufhorchen lassen. Mehrere hundert Schrott-Roller liegen dort auf dem Grund des Rheins. "Krasse Zahlen", sagt Göz. Zumal alle Fahrzeuge ja mutwillig in den Fluss geworfen wurden. Und in Frankfurt? "Das haben wir hier von der Quantität her nicht so wie in Köln." Anlass für Entwarnung sei das aber nicht: Zwar könne man nicht exakt sagen, wie viele der batteriebetriebenen Gefährte im Fluss lägen. "Aber es wird knapp eine dreistellige Zahl sein", sagt Daniel Göz.

In Frankfurt sind bereits mehrere E-Scooter auf dem Grund des Mains gelandet. (Symbolfoto)

Ihre Schätzung greifen die Fischer nicht aus der Luft. Im Frühjahr, als das Wasser vor den Mai-Niederschlägen noch klarer war, hätten sie in einer Nacht mit einem Scheinwerfer von der Oberfläche aus zum Flussgrund geleuchtet. Ergebnis: E-Scooter lägen am südlichen und nördlichen Ufer zwischen Flößer- und Untermainbrücke im Main. Ebenso fänden sich die Tretroller beiderseits der Brücken. "Ein Hotspot ist am Eisernen Steg", erläutert Göz.

Frankfurter Brücken sind „Hotspots“ für E-Scooter im Main

Die Fundorte seien logisch: Die Fahrzeuge "werden vom Ufer oder von den Brücken aus in den Main geworfen". Immerhin: Dort sei eine Bergung ohne großen Aufwand möglich, da viele Tretroller nur ein bis zwei Meter vom Ufer entfernt im knie- bis brusthohen Wasser lägen. An den Brücken sei die Bergung aufwendiger. "Da muss man tauchen", weiß der Chef der Fischerzunft.

Wichtig sei, dass die E-Scooter schnell aus dem Fluss geholt würden, drängt Göz. "Da muss man handeln, denn die Batterien können irgendwann korrodieren." Das sei auch der Unterschied zu den vielen Schrottfahrrädern und Einkaufswagen im Wasser, von denen eine solche Gefahr nicht ausgehen könne.

Die Akkus seien auf Wasserdichtigkeit getestet, betont Christoph Engels, Sprecher der Facharbeitsgruppe Mikromobilität der Plattform Shared Mobility. In Köln sind allerdings Berichten zufolge Tretroller im Fluss gesichtet worden, bei denen Substanzen austreten. Von behördlicher Seite scheint sich trotzdem bislang niemand so recht verantwortlich zu fühlen.

E-Scooter müssen schnell aus dem Main gefischt werden

Das städtische Umweltdezernat bittet auf Anfrage darum, beim Verkehrsdezernat nachzufragen. Bei der Städtischen Verkehrspolizei wiederum heißt es, das sei Sache des Bundes, da der Main eine Bundeswasserstraße ist. Beim Bund, also dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Main, sagt Stephan Momper: Die Schrott-Scooter seien "kein Problem, da sie die Schifffahrt nicht stören".

Frankfurt: Fahrzeugschrott im Main "ist eine Umweltgefahr"

Der stellvertretende Leiter des in Aschaffenburg ansässigen und für Frankfurt zuständigen Amts erklärt: "Wir würden nur tätig werden, wenn die Schifffahrt beeinträchtigt würde." Immerhin räumt Momper ein: Der Scooter-Müll im Fluss "ist natürlich eine Umweltgefahr". Dazu verweist der Vize-Amtsleiter aber zurück an die städtischen Behörden.

Geborgen werden sollen die E-Scooter aus dem Main in jedem Fall - so wie kommende Woche in Köln. Das kündigt die Plattform Shared Mobility, ein Zusammenschluss der E-Scooter-Verleihfirmen, an. Für die Räumung der Fahrzeuge aus dem Rhein hat sie eine Spezialfirma aus den Niederlanden beauftragt. Sie soll die Roller per Sonar aufspüren und mit einem Greifarm aus dem Wasser holen, erklärt Christoph Engels. Reinigungsarbeiten würden zukünftig auch in Frankfurt durchgeführt, kündigt der Sprecher an. Einen Termin für die Aktion im Main kann er noch nicht nennen.

E-Scooter im Main bei Frankfurt: Verleiher in der Verantwortung

Die Fischerzunft wartet aber bereits darauf. "Ich bin gespannt, wie das technisch gemacht wird", sagt Daniel Göz. "Das ist schon eine größere Sache." Wichtig sei aber, dass auch die Verleiher gezielter verhinderten, dass die Tretroller überhaupt in den Fluss geworfen werden. Sie sollten an die Nutzer appellieren, fordert der Chef der Fischerzunft. Auch müssten die Anbieter unterbinden, dass die Tretroller in Flussnähe abgestellt werden könnten.

Mit Voi hat mindestens ein Anbieter bereits erklärt, dass er es technisch so eingeschränkt habe, dass Nutzer die E-Scooter-Mieten nicht in der Nähe der Ufer beenden könnten. Daniel Göz ist dennoch skeptisch, ob das ausreicht: "Technische Lösungen und Appelle helfen nicht, wenn Alkohol und Übermut im Spiel sind." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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