Wohnungsbau in Frankfurt

Chef der Frankfurter Hausbesitzer fordert: Pfingstberg bebauen und nachverdichten

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Der Vorsitzende der Frankfurter Eigentümervereinigung „Haus und Grund Frankfurt“, Jürgen Conzelmann, fordert eine Wohnungsbaupolitik ohne Tabus. Er spricht sich für eine Bebauung des Pfingstbergs aus und will eine Nachverdichtung in den Wohnsiedlungen. Auch in Landschaftsschutzgebieten soll gebaut werden.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat als einer der ersten den Wohnungsmangel in Frankfurt thematisiert. Gleichwohl gestaltet sich die Suche nach Bauland in Frankfurt schwierig (siehe „Die Woche im Römer“). Jürgen Conzelmann vertritt als Vorsitzender von „Haus und Grund Frankfurt“ die Eigentümer-Interessen. Er kennt beim Wohnungsbau keine Tabus. Die Politik dürfe bei der Frage nach neuen Wohnungsstandort nicht gucken, „welches Wählerklientel wo wohnt“, sagt er zum heutigen „Tag des privaten Eigentums“. Die Bebauung des Pfingstbergs sei ein Thema mit Priorität, wie die gesamte Außenentwicklung. Auch bei der Bebauung des Riedbergs habe es „ein böses Gezerre gegeben, bis es zu einem großartigen Wohnquartier wurde“, erinnert der Immobilienfachmann.

Die Entwicklung innerstädtischer Grundstücke sei nämlich nur „ein Pflaster auf die blutende Wunde“. Gleichwohl fordert Conzelmann „dort, wo man nachverdichten kann, schnelle Lösungen“. Und dafür sieht er jede Menge Möglichkeiten. Denn die Siedlungen der 50er Jahre zeichneten sich durch einen großzügigen Flächenverbrauch aus, zumal sie damals in Außenlagen des Stadtgebietes lagen. Als Beispiele nennt er die Walter-Kolb-Siedlung in Preungesheim und die Kuhwaldsiedlung. Die Altbestände müssten aufgestockt und modernisiert werden. „Die Politik verhindert eine weitere Nachverdichtung in allen großen Wohnsiedlungen“, kritisiert Conzelmann. „Die inzwischen privatisierten alten Eisenbahnersiedlungen sind alle weiterentwickelt worden“, nennt der Immobilienexperte ein positives Beispiel.

Neben der Bebauung des Pfingstbergs sieht Conzelmann Flächen-Potenzial zwischen der Frankfurter Kernstadt und Bergen-Enkheim, beispielsweise rund um den Lohrberg sowie im Bereich Heiligenstock. Auch Landschaftsschutzgebiete sind für Conzelmann nicht unantastbar. Man könne für diese dann neue Ausgleichsflächen am Stadtrand suchen. Ähnliches gelte auch für die Verlagerung von Kleingärten, denn: „Die Politik sollte auch an die Menschen denken, die in die Stadt wollen. Wir können nicht nur den Bestand erhalten, wir brauchen neue Wohnungen.“

Der Hausbesitzer fordert die Politik zu Entscheidungen auf, „auch wenn es manchmal unbequem ist“. Keine Chance sieht der Immobilienfachmann für eine Nachverdichtung in den alten Ernst-May-Siedlungen. „Ernst May ist in Frankfurt ein Säulenheiliger“, sagt er. Kritik übt Conzelmann auch an einem aus seiner Sicht überzogenen Denkmalschutz. Beim Umbau des ehemaligen Bundesrechnungshofes sei eine drittklassige 50er-Jahre-Fassade in Teilen erhalten geblieben, was das Bauprojekt enorm verteuerte. Das sei zweitklassiger Denkmalschutz.

Das Belegrecht für eine Sozialwohnung sollte laut Conzelmann zeitlich begrenzt werden. Dann käme es nicht zu Festsubventionen, wenn sich die Eigentümerverhältnisse der Mieter verbesserten. Die Fehlbelegungsabgabe gleiche das nicht aus.

Die Eigentümergemeinschaft „Haus und Grund“ vertritt rund 10 000 Mitglieder. Diese besitzen rund 130 000 der etwa 360 000 Wohnungen in Frankfurt. Für heute lädt der Verein ab 9 Uhr zum „Tag des privaten Eigentums“, einem Informationstag, in die Vereinsräume, Grüneburgweg 64, ein.

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