Wie eine Collage wirkt die Sammlung von Fotos der Sänger des Projektchors "GeMainsam", die das Lied "Wie Sand" neu interpretiert haben. Chorleiterin Ana Batistic ist ganz oben in der Mitte zu sehen. Die Premiere ist am 25. April online zu erleben.
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Wie eine Collage wirkt die Sammlung von Fotos der Sänger des Projektchors "GeMainsam", die das Lied "Wie Sand" neu interpretiert haben. Chorleiterin Ana Batistic ist ganz oben in der Mitte zu sehen. Die Premiere ist am 25. April online zu erleben.

Musikalisches Nordend

Chor "Ge-Mainsam" singt Mutmacher

  • vonGernot Gottwals
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50 junge Sänger interpretieren "Wie Sand" von Namika und Leontina Klein.

Lockdown hin, Lockdown her - die Welt steht niemals still. Schon gar nicht in Frankfurt, wo der Projektchor "Ge-Mainsam" virtuell vor der Skyline auftritt. "Denn die Zeit ist wie Sand, sie rinnt durch meine Hände", performen die jungen Menschen frei nach dem Lied "Wie Sand", das Leontina Klein und Namika 2016 in der Sendung "Dein Song" in ZDFTivi sangen.

Etwa 50 Sängerinnen und Sänger haben diesen Song jetzt online in 14 Sprachen neu eingesungen und eingespielt, um in der Corona-Krise ein weiteres Zeichen der Hoffnung und Motivation zu setzen: Nutze den Moment, nichts bleibt, wie es war. "Das Herz schlägt" singt der Chor - und das tut es derzeit wohl noch schneller, denn die Premiere steht unmittelbar bevor. Am Sonntag, 25. April, sind alle Interessierten ab 17.30 Uhr unter gemainsam@terzchor.de zum gemeinsamen "Get Together" eingeladen, bevor der Song um 18 Uhr auf Youtube hochgeladen wird.

Zielgruppe ist multikulturell

Arrangiert hat das Stück Ana Batistic, Komponistin, Stimmtrainerin und Leiterin des Terz-Chors, die ihr Heimstudio in der Martin-Luther-Straße unterhält. Im Song wirken elf Angehörige des Terz-Chors zusammen mit 39 Externen mit. "Das Lied erreicht mit seiner Botschaft seine Zielgruppe in unserer multikulturellen Stadtgesellschaft", betont Zia Ashgari vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten (AmkA), das das Projekt mit 2000 Euro unterstützt. Auch eine Aufführung bei späteren Veranstaltungen im "Stadt-Raum" sei vorstellbar, wenn der Chor nach der Corona-Krise auch Liveauftritte plant.

"Eine eigene Komposition wäre natürlich auch reizvoll gewesen. Da aber auch das viel Zeit braucht, haben wir uns für dieses schöne Lied über die Gefühlswelt junger Menschen von Leontina und Namika entschieden. Zumal Namika aus Frankfurt kommt und mit ihren marokkanischen Wurzeln für das multiethnische Flair in unserer Stadt steht", erklärt Batistic.

In dem Lied erzählen die beiden Sängerinnen von jungen Menschen, die an ihrem Scheideweg stehen und nach dem Glück suchen in einer Welt, die sich auch dann schnell verändert, wenn scheinbar vieles stillsteht. "Die Zeit scheint nur so zu rasen zwischen Homeschooling, Homeoffice, hartem Lockdown und Quarantäne", findet denn auch Mareike Beckmann, Vorsitzende des Terz-Chors. "In Zeiten der Distanz wollen wir die Menschen deshalb mit Musik und einer tollen, gemeinsamen Erfahrung zusammenbringen."

Für ihre Online-Proben arrangierte Batistic das Stück für einen vierstimmigen Chor. Die Sängerinnen und Sänger schickten dann ihre jeweilige Tonaufnahme und ein Video mit individuellen "Identifikationsorten" - etwa den heimischen Balkon, das Mainufer, die Zeil mit Blick auf die Hochhäuser oder die Altstadt. Freiwillige Übersetzer und Muttersprachler halfen, den Text in möglichst viele Sprachen zu übersetzen, darunter sind nun unter anderem auch Arabisch, Kanton-Chinesisch und Hindi. Die Videos hat der Regisseur Jochen Hasmanis bearbeitet und geschnitten, die Tonaufnahmen fügte Vojkan Runjaic, der zusätzlich Gitarre und Schlagzeug einspielte, mit Hilfe einer Software zusammen.

Ein Höhepunkt war am 23. Januar: Leontina nahm als "Special Guest" an einer Online-Probe teil. "Das Gefühl, wenn ein ganzer Chor das eigene Lied singt, das ist wirklich toll!", schwärmt sie. Vor allem die Erfahrung, dass der Projektchor die arrangierte Variante nach einigen Proben sogar fast besser konnte als sie selbst. "Es ist eine Ehre, meinen Song bald auf Italienisch, Chinesisch oder Türkisch zu hören. In solche professionellen Hände gebe ich ihn gerne!" Sie selbst sang übrigens auf Bulgarisch - und fand das gar nicht so einfach.

Apropos einfach: Sicher wird diese schwierige Zeit der Corona-Pandemie gerade auch für junge Menschen noch einige Herausforderungen bereithalten. Doch der Chor versteht es, seine Zuhörerschaft zu motivieren: "Endspurt! Los, ich weiß, dass du's schaffen kannst!" Gernot Gottwals

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