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City-Trees-Hersteller verärgert über Rückzieher der Stadt

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Von: Brigitte Degelmann

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City-Trees sollen die Luft filtern und Feinstaub reduzieren.
City-Trees sollen die Luft filtern und Feinstaub reduzieren. © Green Solutions

Der Etat-Antrag der Frankfurter Römer-Koalition beruhte auf falschen Annahmen.

Simon Dierks ist hörbar verärgert. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagt der Sprecher des Unternehmens „Green City Solutions“ in Brandenburg. Damit meint er das Vorgehen der Stadt Frankfurt in Sachen „City-Trees“. Diese „Stadt-Bäume“ sind mit Moos versehene Holzkonstruktionen, die unter anderem Feinstaub aus der Luft filtern. Fünf solcher „City-Trees“ sollten nach dem Willen der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt aufgestellt werden, dafür wurden 150 000 Euro genehmigt. Kürzlich aber gab der Magistrat bekannt, dass er am Nutzen dieser von „Green City Solutions“ hergestellten Bio-Luftfilter zweifelt und stattdessen auf „Grüne Säulen“ beziehungsweise die Pflanzung klimaangepasster Baumarten setzen möchte.

Allerdings habe bisher nie ein Vertreter der Stadt Frankfurt oder der Stadtverordnetenversammlung mit dem Unternehmen gesprochen, betont Dierks. Dabei habe das Unternehmen „Dutzende Male“ das Gespräch gesucht. Vergeblich. Und: In dem Etatantrag, den die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt im vergangenen Mai zur Beschaffung der „City-Trees“ gestellt hatten - und aus dem auch unsere Zeitung ausführlich zitiert hatte -, wimmle es nur so von Fehlern. Die Folge: „Die Kaufabsicht beruhte auf falschen Annahmen, die Rückabwicklung ebenfalls. Das kann doch nicht sein“, ärgert sich der Sprecher. Er vermutet, dass sich die vier Parteien möglicherweise auf die erste Version des Stadt-Baums bezogen haben. Diese stamme aus dem Jahr 2016, habe mit der jetzigen aber nicht mehr viel gemeinsam. Die Bio-Luftfilter der neuen Generation, die beispielsweise in London, Berlin, Bonn und Braunschweig zu finden sind, ragen etwa 3,6 Meter in die Höhe und stehen auf einer sechseckigen Plattform. Nach Angaben von Dierks können die Anlagen, die in der günstigsten Variante 36 490 Euro kosten, bis zu 82 Prozent Feinstaub aus der Luft filtern. Das hätten Messungen von zwei unabhängigen Instituten ergeben.

Spürbare Verbesserung des Lokalklimas

Eingesetzt würden die „City-Trees“ insbesondere dort, wo die Luftqualität schlecht ist, wo es Hitzeinseln gibt und wo sich viele Menschen aufhalten. „So wollen wir einen Beitrag zu sauberer und erfrischender Luft leisten, der die Stadt lebenswerter macht“, sagt der Sprecher. „Unsere Lösung ist nicht das Allheilmittel, allerdings in Kombination mit anderen Maßnahmen ein wichtiger Baustein zur nachweislichen Verbesserung des Lokalklimas.“

Und noch ein Punkt ist Dierks wichtig: „Wir ersetzen keine Bäume. Bäume sind großartig, und wir kombinieren jedes neue Projekt mit Baumpflanzungen.“ Allerdings bräuchten gesunde Bäume viel Platz, gibt er zu bedenken: „Als Faustregel gilt, dass ein Baum in etwa so viel Wurzelraum benötigt wie seine Krone groß wird. Für eine Winterlinde bedeutet das 225 Quadratmeter, die unterirdisch nötig sind, um ein gesundes Wachstum zu ermöglichen.“

Eine solche Fläche sei innerhalb von Städten jedoch kaum vorhanden. Zudem bräuchten Jungbäume Jahre, ehe sie wirklich leistungsstark seien und das Mikroklima positiv beeinflussten. Die „City-Trees“ hingegen könnten vom ersten Tag an die Luft säubern, betont der Sprecher. Darüber hinaus belaufe sich ihre Kühlleistung auf bis zu 6500 Watt. „Das entspricht der Kühlleistung von drei ausgewachsenen Winterlinden, die 675 Quadratmeter Raum benötigen würden statt der nur 6,8 Quadratmeter des ,City-Trees’“, rechnet Dierks vor.

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