Nur ein schmuckloses Schild erinnert an Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg mehr als 1200 Juden vor dem sicheren Tod rettete. Claudia Korenke setzt sich für die Benennung des Bahnhofvorplatzes nach Schindler ein. foto: Menzel
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Nur ein schmuckloses Schild erinnert an Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg mehr als 1200 Juden vor dem sicheren Tod rettete. Claudia Korenke setzt sich für die Benennung des Bahnhofvorplatzes nach Schindler ein.

Porträt

Claudia Korenke: Frankfurter CDU ist "ein Wohlfühlfaktor"

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Mit 68 Jahren kam Claudia Korenke neu ins Stadtparlament. Ehrenamtlich ist sie schon lange aktiv, zum Beispiel als Vorsitzende der Deutsch-isrealischen Gesellschaft.

Frankfurt -Claudia Korenke sieht sich in ihrer vierten Lebensphase: In der Alterskarriere. Die 68-Jährige ist neu im Stadtparlament, gleichwohl versiert im Ehrenamt. Sie ist seit fast 20 Jahren Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Seit März 2020 ist sie auch noch Schatzmeisterin der Frankfurter CDU. In der ersten Sitzung des Stadtparlaments wurde sie zur stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteherin gewählt.

Von der Frankfurter Neuen Presse zum Park-Hotel

Begonnen hat Korenkes berufliche Laufbahn bei der FNP. Dort macht sie nach dem Abitur an der Elisabethenschule eine Ausbildung zur Redakteurin und bleibt sechs Jahre. Nach den FNP-Jahren wird sie Pressechefin des Park-Hotels. 1979 verlässt sie Frankfurt und geht nach Neustadt in der Pfalz, zum Weinwirtschaftsverlag. Als Chefredakteurin der "Weinzeitung" und der "Getränke-Revue" lernt sie Hersteller und Winzer kennen, Gastronomen und Reiseveranstalter. "Ich war in allen Weinländern", sagt sie. Und fügt hinzu: "Die Weltkarte ist groß unter alkoholischen Gesichtspunkten." Später macht sie sich mit einer PR-Agentur selbstständig, die bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Frankfurterin macht "Rotkäppchen"-Sekt im Westen salonfähig

PR-Aufträge für die Alkohol-Branche werden ein wichtiges Standbein ihrer Agentur. Hauptkunde war schließlich "Rotkäppchen", der Sekt aus dem Osten, den ihre Agentur auch im Westen salonfähig machte. Mit dem früheren geschäftsführenden Gesellschafter Gunter Heise und dessen Frau feierte sie ihren 65. Geburtstag. Heise übernahm mit vier Mitstreitern den einstigen "Volkseigenen Betrieb (VEB) Rotkäppchen-Sektkellerei" als einer der wenigen ostdeutschen Unternehmer von der Treuhand, Heute ist das Unternehmen mit einem Anteil von 50 Prozent Marktführer im deutschen Sektmarkt. Ihre Agentur hat Korenke 2019 aufgelöst.

Sie lässt sich keinem Parteiflügel zuordnen

Als einstmals selbstständige Unternehmerin würde man Korenke beim Wirtschaftsflügel der Union vermuten. Doch sie lässt sich keinem Flügel zuordnen, hält die Zeiten, in denen die beiden Flügel eine Rolle spielten, für überholt. Ihr Engagement für die CDU hängt für sie mit "dem Wohlfühlfaktor" zusammen. Die CDU stehe für Wertebindung und Aussöhnung mit Israel. Außerdem: "Ich kenne die meisten Menschen in der CDU."

Ihr Lebensgefährte Bernhard Mertens war früher CDU-Stadtverordneter. Als weitere Namen nennt sie den früheren Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Bürgermeister Uwe Becker. Er ist in der Frankfurter DIG ihr Stellvertreter ist und auf Bundesebene Präsident der DIG. Dort ist sie Vizepräsidentin.

Von Erika Pfreundschuh ist sie in die Seniorenunion eingeführt worden. "Das hat mir gefallen. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, die Leute wollen nichts mehr werden und reden nicht, um sich bekannt zu machen."

Ihr Vater unterschrieb Freundschaftsvertrag

Ihr Engagement für die CDU und für Israel hat familiäre Wurzeln: Ihr Vater Hans-Ulrich Korenke hat als Stadtverordnetenvorsteher zusammen mit Walter Wallmann den Freundschaftsvertrag Frankfurt-Tel Aviv unterzeichnet und die Frankfurter DIG gegründet. Am vergangenen Samstag hat Claudia Korenke die Jugendorganisation der DIG bei der Demonstration pro Israel und gegen Antisemitismus unterstützt. Ein Anliegen ist ihr auch die Benennung eines Teils des Bahnhofsvorplatzes nach Oskar Schindler. In der Nähe lebte Schindler von 1965 bis zu seinem Tode 1974. Berühmt wurde der sudetendeutsche Fabrikant durch Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste". Schindler rettete im Zweiten Weltkrieg mehr als 1200 Juden vor dem Holocaust, darunter die Eltern von Michel Friedmann. In Israel wird Oskar Schindler als "Gerechter unter den Völkern" verehrt. Dass Oskar Schindler fast ein Jahrzehnt in Frankfurt wohnte, ist indes nur Wenigen bekannt. Daran hat auch die Gedenktafel nichts geändert, die seit 1996 an dem schmucklosen Haus "Am Hauptbahnhof 4" hängt.

Kontakte zu vielen Frankfurtern

Die neue Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt entscheidet nun, welche Ausschüsse gebildet werden sollen. Als Opposition hat die CDU dabei nichts zu melden. Korenke hat Interesse am Integrationsausschuss. Erfahrungen hat sie. So hat sie in ihren Jugendjahren als Dolmetscherin für die Missione Cattolica Italiana in Frankfurt gearbeitet und die Gastarbeiterzeitung Corriere d'Italia herausgegeben. Auch zu anderen Gemeinschaften wie den Bulgaren und den Türken hat sie enge Kontakte. Sie setzt sich für eine "aufsuchende Integrationsarbeit" ein, denn: "52 Prozent aller Frankfurter haben einen Migrationshintergrund. Die sollen uns wählen."

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