Haben das Programmieren schon raus und dem kleinen Käfer beigebracht, wohin er auf dem Spielfeld laufen soll (v.l.): Ali Sadi, Yousra, Tibelia, Hannah und Nela. FOTO: leonhard hamerski
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Haben das Programmieren schon raus und dem kleinen Käfer beigebracht, wohin er auf dem Spielfeld laufen soll (v.l.): Ali Sadi, Yousra, Tibelia, Hannah und Nela.

Frankfurt macht Schule

Computer-Käfer als Klassenkamerad

  • VonAlexandra Flieth
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Wie die Liesel-Oestreicher-Grundschule in Preungesheim die MINT-Fächer fördert

Der kleine Roboter, den Kinder der Klasse 3b der Liesel-Oestreicher-Schule in ihren Händen halten, schaut aus wie ein Käfer aus einem Kinderbuch mit einem freundlich dreinblickenden Gesicht und großen Kulleraugen. Und er lässt sich programmieren. Das sollen die Mädchen und Jungen an diesem Vormittag selbst ausprobieren. Ihre Aufgabe lautet, den Roboter in Bewegung zu setzen - er soll sich von einem Ausgangspunkt zu einem Zielort fortbewegen, die beide zuvor festgelegt wurden.

Vor kurzem zertifiziert

Die Grundschule am Frankfurter Bogen ist vor kurzem als "MINT-freundliche Schule" zertifiziert worden (siehe Box). Das bedeutet, dass die Mädchen und Jungen schon früh und vor allem durch praktische Anwendungen an Fragestellungen zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, kurz MINT, herangeführt werden - im Unterricht, durch Projekttage oder auch Arbeitsgemeinschaften (AG) in der Erweiterten Schulischen Betreuung (ESB).

In der aktuellen Woche gibt es für die dritte Jahrgangsstufe Projekttage mit täglich wechselnden Aufgabestellungen aus den Gebieten Programmierung und Konstruktion. Den kleinen Roboter möchten die Mädchen und Jungen der 3b, die in Gruppen eingeteilt in ihrem Klassenraum arbeiten, über eine Art selbstgestaltetes Spielfeld laufen lassen. Ähnlich wie bei einem Brettspiel haben sie auf einem großen Bogen Papier schon Felder aufgezeichnet und Orte eingetragen.

"Zu den Projekttagen bieten wir zwei Werkstätten mit Robotern an und zwei weitere, in denen einmal mit einem Stecksystem und einmal mit Bauklötzen zum Beispiel stabile Brücken oder auch Schiffe konstruiert werden können", sagt die Klassenlehrerin Marie Menje. Sie ist die MINT-Koordinatorin an der Grundschule, hat dort die Fachschaftsleitung Mathematik und ist die treibende Kraft hinter dem Zertifizierungsprozess.

Die einzige ihrer Art

Das Besondere dabei ist, dass die Liesel-Oestreicher-Schule derzeit die einzige reine Grundschule in Frankfurt ist, die sich nun "MINT-freundliche Schule" nennen darf - zumindest für den Zertifizierungszeitraum von drei Jahren. Bei den anderen neun Schulen aus der Stadt, die ebenfalls zertifiziert sind, handelt es sich um Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen oder um die private Anna-Schmidt-Schule.

"Uns geht es darum, die natürliche Neugier der Kinder für das Forschen und Experimentieren zu fördern und MINT-Themen in den Schulalltag stärker mit zu integrieren", bringt Marie Menje die Motivation dahinter auf den Punkt. Zu den aktuellen Projekttagen würden alle Klassen der dritten Jahrgangsstufe jede der angebotenen Werkstätten an einem Tag aufsuchen, fügt sie hinzu. Künftig soll es in allen Jahrgangsstufen MINT-spezifische Projekttage geben.

Grünes

Klassenzimmer

An der Grundschule selbst gebe es bereits verschiedene Projekte, die in der Vergangenheit entstanden sind und die MINT-Themen aufgreifen. Die Kinder würden zum Beispiel am internationalen Mathematikwettbewerb "Bolyai" teilnehmen, es gebe eine Naturschutz-, Nist- und Garten-AG und ein grünes Klassenzimmer, das erweitert werden soll, zählt sie einige Angebote an der Schule auf.

"Wo wir noch einen großen Bedarf sehen, ist die technische Ausstattung. Wir haben vor allem noch kein Wlan an der Schule und werden dies nach Auskunft der Stadt auch erst 2023 bekommen", so Menje, die auch Mitglied der erweiterten Schulleitung ist. Grundsätzlich sei geplant, die MINT-Angebote an der Liesel-Oestreicher-Schule stetig zu erweitern.

Für die Mädchen und Jungen der Klasse 3b geht der Schultag mit dem kleinen Roboter nun zu Ende. Und er macht genau das, was sie ihm zuvor einprogrammiert hatten. Da bleibt die Begeisterung natürlich nicht aus. Alexandra Flieth

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