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Wenn wie bei diesen Besuchern in der Bornheimer Kinderbücherei das richtige Programm auf dem Bildschirm ist, macht Computerspielen Spaß und klug.

Kinder und Jugendbücherei in Bornheim

Der Computer verführt zum Lesen

In der Zentralen Kinder und Jugendbücherei in Bornheim können Kinder und Jugendliche jetzt zum Tablet-Computer greifen und trotzdem wissen ihre Eltern, dass sie die Bücherwelt entdecken. Dieses Literatur-Angebot gibt es auch in anderen Stadtteilbüchereien.

Von Jannis Gollub

Die elf Vorschulkinder sind aufgeregt, als sie die ,,Zentrale Kinder und Jugendbibliothek“ in der Arnsburger Straße betreten. Dort nehmen sie nämlich am Projekt ,,iPÄD“ teil. Das heißt, sie entdecken mit Hilfe von Tablet-Computer und Apps spielend die Welt der Wörter. Wie nebenbei lernen sie, sich mit Büchern und Texten auseinanderzusetzen.

Birgit Lotz, Leiterin der Zentralen Kinder und Jugendbibliothek, verspricht sich eine Menge Effekte von diesem neuen Angebot. ,,Kinder begeistern sich schon sehr früh für digitale Medien wie das IPad“, sagt sie. Die Faszination der Kinder und Jugendlichen für die animierte Technik mache es besonders einfach, sie an Literatur heranzuführen. Auch ihre Kollegin Sabine Prasch ist davon überzeugt. ,,Das IPad ist ein Transportmittel, das alle Kinder anspricht“, sagt sie. Darüber hinaus könnten auch die Eltern vom Projekt profitieren. ,,Sie sehen die neuen Medien aus einer anderen Perspektive und lernen das Potenzial kennen, das die Technik mit sich bringt“, sagt Prasch. Pädagogin Tanja Schmidt lobt besonders den spielerischen Aspekt, den die 14 verschiedenen Digital-Angebote für Kinder und Jugendliche von zwei bis 16 Jahren mitbringen.

So lernen beispielsweise Kinder ab zwei Jahren via App den Matrosen Fiete kennen, der mit ihnen und den Eltern auf Schatzsuche geht. Den wirklichen Schatz finden die Kinder schließlich im oberen Stockwerk der Bücherei. Auch die Kamerafunktion am Tablet PC wird genutzt. So haben Kinder ab zehn Jahren die Möglichkeit, einen Werbefilm zu einem Buch ihrer Wahl zu erstellen. Dabei können sie selbst aufgenommene Bilder und Videos in den Trailer einfügen und mit zahlreichen Effekten aufwerten. Sogar Hintergrundmusik können die Kinder mit ein paar Fingerbewegungen dem Kurzfilm beifügen.

Die Programme oder Apps, die für diese Angebote zur Anwendung kommen, werden von den Bibliothekarinnen sorgfältig ausgesucht. ,,Die Bandbreite an Apps ist groß“, sagt Birgit Lotz. Deswegen achteten sie und ihre Kollegen darauf, welche Anwendungen eine Art Qualitätssiegel, wie etwa den ,,Pädagogischen Interaktivpreis“ erhalten haben.

Knapp vier Monate sind die Angebote via Tablet von der Stadtbücherei und zahlreichen Stadtteilbibliotheken getestet worden. Als die Aktion schließlich öffentlich angeboten wurde, ließ der Andrang von Schulen und Kindergärten nicht lange auf sich warten. Vielleicht auch wegen des steigenden Beliebtheitsgrades ist das Frankfurter Angebot 2014 für den Deutschen Lesepreis nominiert worden. ,,Auch wenn wir nicht gewonnen haben, sind wir sehr stolz auf die Nominierung“, sagt Birgit Lotz.

Auch die Bornheimer Vorschüler, die an diesem Tag die Bücherei besuchen, haben ihren Spaß an den Abenteuern, die das IPad ihnen aufmacht. Sie haben sich eine App ausgesucht, die sich mit dem Bilderbuch ,,Unsere große Stadt“ befasst. Darin sind allerlei Schauplätze aufgezeichnet und beschrieben, die zu einer Stadt gehören: Flughafen, Bahnhof, Supermarkt. . . Die Bilder aus dem Buch entdecken die Kindern nun auch auf dem Monitor, dazu wird ihnen eine Aufgabe stellt, die sie dazu bringt, ganz genau hinzuschauen. Mit einer virtuellen Kamera sollen die Kinder bestimmte Ausschnitte finden und fotografieren. ,,Das macht Spaß“ freut sich der 5-jährige Tristan. Im Umgang mit dem Tablet-PC ist der Junge, der bald zur Schule kommt, längst geübt. ,,Mein Papa hat auch ein IPad. Deshalb kenne ich mich damit aus.“

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