Chaos auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Taxis haben kaum noch Platz, klemmen neben einer Containerburg, die den größten Teil des Vorplatzes belegt. Die Fahrer müssen ständig rangieren, erst recht, wenn dann noch ein Baustellenfahrzeug kommt.
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Chaos auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Taxis haben kaum noch Platz, klemmen neben einer Containerburg, die den größten Teil des Vorplatzes belegt. Die Fahrer müssen ständig rangieren, erst recht, wenn dann noch ein Baustellenfahrzeug kommt.

Auf dem Bahnhofsvorplatz

Frankfurt Hauptbahnhof: Containerburg sorgt für Taxi-Chaos

  • VonMichelle Spillner
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Am Hauptbahnhof Frankfurt sind die Taxifahrer die Leidtragenden der Bauarbeiten in der B-Ebene.

Frankfurt - Am Hauptbahnhof Frankfurt wird zurzeit nirgends so viel rangiert wie auf dem Vorplatz. Die Taxifahrer müssen mit ihren Fahrzeugen Tetris spielen - das ist dieses Computerspiel, bei dem man versuchen muss, geometrische Formen so ineinander zu puzzeln, dass keine Lücken entstehen, damit sie möglichst wenig Platz wegnehmen. Wer es ist nicht schafft, für den ist das Spiel zu Ende und der ist raus: Game Over - Spiel vorbei.

Die Taxifahrer am Hauptbahnhof haben Sorge, dass sie in eine Game-Over-Situation geraten. "Viele sind schon wegen Corona Pleite gegangen, und jetzt auch noch das hier", sagt einer der Fahrer. "Schauen Sie, dieser Mann hat Frau und zwei Kinder. Wir können vielleicht noch drei oder vier Fahrten am Tag machen. Und davon soll er leben?", deutet ein Taxifahrer verzweifelt auf einen Kollegen.

Hauptbahnhof Franfurt: Riesige Umwege für Fußgänger

Ursache für das Dilemma ist die mehrstöckige Containerburg, die seit einiger Zeit einen Großteil des Bahnhofsvorplatzes belegt. Es handelt sich um Baucontainer, die im Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs aufgestellt wurden. Während es im Gebäude einen abgetretenen Bodenhinweis gibt, dass die Treppenaufgänge Taunus-, Karl- und Poststraße gesperrt sind und man durch die Haupthalle gehen soll, gibt es aber keine Empfehlung, statt der Ausgänge im nördlichen Teil des Gebäudes den Haupteingang zu nutzen. Wer aus dem nördlichen Teil des Bahnhofs kommend in Richtung Stadtmitte will, läuft vor eine Bauzaun-Wand, hinter der die Container stehen. Rechts herum, am Bahnhofsgebäude entlang, geht man mehr als 200 Schritte, bis man hinter der Containerburg wieder zum Vorschein kommt und den direkten Weg in Richtung Stadtzentrum nehmen kann. Wer links herum geht, findet sich auf der Fahrbahn wieder und muss eine mindestens ebenso weite Strecke neben den Autos laufen, bis er die Mini-Container-Stadt umrundet hat.

Für die Taxifahrer ist nur noch ein Bruchteil des Platzes vorhanden. 60 bis 80 Taxis hätten vorher dort stehen können, jetzt sind es noch etwa 30 bis 40. Und die drängen sich dicht an dicht. Sie haben nur einen kleinen Abschnitt am Einstiegsplatz vorm Haupteingang, auf dem sie sich mit maximal drei Fahrzeugen hintereinander aufreihen können. In die zweite Reihe daneben passen zwei Autos. Der Rest klemmt in zwei Reihen zwischen den Containern und der Fahrbahn, mit Blick auf einen Werbespruch der Bahn am Bauzaun: "Flächen, die neue Perspektiven schaffen." Auf die Taxifahrer in der Klemme wirkt das fast schon zynisch. "Wir müssen ständig rangieren", schildert ein Fahrer. Und die Umstellaktionen gelingen auch nur, wenn die Fahrer über Bordsteine und Gehwege fahren.

Hauptbahnhof Frankfurt: Kaum noch Platz für die Taxis

Richtig brenzlig wird es, wenn dann auch noch ein Baustellenlastwagen kommt, der ausgerechnet durch den Taxiwartebereich über den Bahnhofsvorpatz in die Containerburg muss oder wieder hinaus. Ein bis zwei Mal am Tag passiere das, sagen die Taxifahrer. Dann müssen alle wartenden Taxis von der Einstiegsstelle weg auf die Straße fahren, um dem Laster Platz zu machen, und anschließend wieder zurückrangieren, "dann werden wir von den anderen angehupt, und die Gäste stehen da und warten. Das ist ein Riesenchaos".

Teilweise stellen sich die Taxis zusätzlich auf der linken Fahrspur der Straße auf. Dort dürfen sie nicht stehen, "aber was sollen wir machen? Dann kommt Polizei, schickt uns weg und es gibt Strafzettel". Wer von der Polizei weggeschickt wird, der muss sich wieder neu anstellen, weil es räumlich schon nicht anders geht - vorausgesetzt allerdings, es ist noch Platz zum Anstellen.

Einen abgetretenen Hinweis auf die gesperrten Treppenaufgänge gibt es, aber keine Empfehlung, die Ausgänge im nördlichen Bereich zu meiden.

Es sei eine "große Katastrophe". "Erst Corona, wo wir sowieso nichts verdient haben, und jetzt das", schimpft einer. Es sei nach wie vor schwierig für die Taxibetriebe, weil die Touristen ausbleiben. Dann kämen auch noch die vom Flughafen hierher, weil sie nichts zu tun haben dort. "Diese Baustelle hat mein Geschäft sehr beeinträchtigt", ergänzt ein Mann. 1100 selbstständige Taxiunternehmen gibt es laut der Taxivereinigung Frankfurt in der Stadt, 800 von ihnen betreiben Einzeltaxis.

Wie lange die Container dort stehen und die schwierige Situation anhalten wird, wissen die Taxifahrer nicht. "Zwei Jahre" fürchtet einer, fünf ein anderer. Eine Stellungnahme der Deutschen Bahn zu den Problemen ist bis gestern ausgeblieben. (Michelle Spillner)

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