Containersiedlung in Preungesheim

Containersiedlung: Ein neues Leben auf 14 Quadratmetern

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Wohnraum ist knapp in Frankfurt – und teuer. Auch das Sozialamt sucht Wohnraum, unter anderem für Flüchtlinge. Gestern wurde in Preungesheim eine neue Notunterkunft eröffnet.

Für 80 Flüchtlinge werden sie bald ein neues Zuhause sein: 40 Container im Normmaß von 20 Fuß Länge. Gestern wurde die Anlage im Apfel-Carré in Preungesheim eröffnet. Zum Tag der offenen Tür haben sich bis in den Abend hinein viele Nachbarn die weißen Container-Zimmer angeschaut. Auf 13,9 Quadratmetern Fläche sollen je zwei Erwachsene aus Ländern wie Eritrea, Afghanistan und Syrien wohnen.

Sie schlafen in neuen Betten und haben je einen Schrank in ihrem Container. Die beiden Bewohner teilen sich einen Kühlschrank. Es gibt Duschen, eine Waschmaschine, einen Trockner und zwei Gemeinschaftsküchen, in denen jeder sein eigenes Essen kochen kann. Es gibt Gemeinschaftsräume, und 24 Stunden am Tag stehen Ansprechpartner zur Verfügung. Auch Sicherheitsleute zum Schutz der Bewohner sind vorgesehen. Die ersten zehn von diesen sind schon eingezogen. Drei Brüder aus Syrien kamen vorgestern, sieben weitere Asylbewerber gestern.

Weitere Container geplant

Daniela Birkenfeld (CDU), Sozialdezernentin der Stadt, erläuterte bei der Eröffnung der neuen Unterkunft, dass die Container im Frankfurter Bogen wohl nicht die letzten sein werden, die die Stadt einrichtet: „Wir müssen pro Woche 40 Asylbewerber und Kontingentflüchtlinge unterbringen.“ Am besten in eigenen Wohnungen, in Gemeinschaftsunterkünften, notfalls aber auch in Hotels oder eben auch Containern.

Im Apfel-Carré mussten die Container nicht eigens aufgestellt werden. Sie standen schon, dienten bis vor kurzem als Kindergarten. Michael Frase, Leiter des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe, der die Unterkunft betreibt, sagte, die Container seien zwar keine optimale Lösung, „aber immer noch besser als eine Turnhalle“.

Für Birkenfeld ist ebenfalls klar, dass Menschen nicht dauerhaft in Containern untergebracht werden können. In spätestens zwei, drei Jahren wird dieses „Dorf“ auf jeden Fall wieder geräumt. Denn dann bebaut die Wohnheim GmbH das Grundstück.

Nachbarn öffnen die Arme

Im Apfel-Carré werden die 80 Asylbewerber und Kontingentflüchtlinge mit offenen Armen empfangen. „Wir sollten gut mit den neuen Nachbarn zusammenleben“, meinte etwa Gerit Frasch, eine Nachbarin. Gaby Deubert-Dam, eine Mitarbeiterin der Kirche, sagte: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Leute zu begleiten.“ Dafür wurden viele Vorbereitungen getroffen.

Allein über die evangelische Kirche haben sich 60 Freiwillige gefunden, die den Bewohnern des Containerdorfs Unterstützung anbieten wollen. Birkenfeld schlug vor, die Flüchtlinge nach Hause einzuladen, zum Kirchenchor mitzunehmen oder in den Sportverein. Die Stadt unterstützt die Bewohner gleichfalls und bietet neben dem Frankfurt-Pass auch Bildungsgutscheine für Deutschkurse in der Volkshochschule.

(tjs)

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