Die Polizei Frankfurt kontrolliert auf der Friedberger Landstraße die Einhaltung der Ausgangssperre.
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Die Polizei Frankfurt kontrolliert auf der Friedberger Landstraße die Einhaltung der Ausgangssperre.

Eine Nacht unterwegs

Corona-Ausgangssperre in Frankfurt: Polizei kontrolliert Schwangere, Genervte und Berliner

  • VonSabine Schramek
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Die Corona-Ausgangssperre sorgt für Diskussionen. Viele in Frankfurt halten sich daran, es gibt aber auch Ausnahmen. Wir waren bei einer nächtlichen Kontrolle dabei.

Frankfurt – Es sind nach Mitternacht nicht viele Autoscheinwerfer auf der Friedberger Landstraße zu sehen. In der Ferne in Höhe vom verwaisten Matthias-Beltz-Platz blinkt ein Blaulicht. Erst kurz vor der Stelle erkennt man vier Einsatzwagen, die stadteinwärts ohne Licht parken und die zweispurige Straße verengen. „Polizei-Kontrolle“ steht auf einem weißen Schild zwischen orange-weißen Pylonen, die die Fahrspur und eine Haltespur markieren.

Auf beiden Seiten des rechten Fahrstreifens stehen der Dienstleiter und eine junge Kollegin in Uniform. Während die Frau mit den sorgfältig geflochtenen Haaren mit der roten Kelle die Autofahrer zum Bremsen auffordert, leuchtet ihr Kollege mit einer Taschenlampe in die Autoscheiben. „Moment, ich muss noch die Maske aufsetzen“, sagt ein junger Mann am Steuer eines VW, bevor er das Fenster hinunterlässt.

Corona-Ausgangssperre in Frankfurt: Polizei kontrolliert rund 120 Autos

„Sie wissen, dass Ausgangssperre ist“, fragt die Beamtin freundlich. Der Mann nickt. „Darf ich fragen, wo Sie herkommen und wohin Sie fahren?“, geht das Gespräch weiter. Der Mann kramt auf dem Beifahrersitz und hält ihr einen Zettel mit der Bestätigung seines Arbeitgebers entgegen. „Ich hab bis eben gearbeitet“, sagt der Koch müde, „und will nur noch nach Hause ins Bett.“ Von den rund 120 Wagen, die einzeln kontrolliert werden, sind die Fahrer auf dem Weg von der Arbeit zurück nach Hause. Einige im Dienstwagen, andere in Taxis oder Uber-Wagen.

Auch zwei Radfahrer und ein E-Scooter-Fahrer sind dabei. Bei jedem Fahrer fragen die kontrollierenden Polizisten, ob sie ihnen ins Auge leuchten dürften, ob sie etwas getrunken hätten. Einige müssen links ranfahren und einen Alkoholtest machen. Es sind Gastronomie-Mitarbeiter, Lieferanten, Notärzte, Banker und ein Druckereimitarbeiter, die noch unterwegs sind. Ein Notarztwagen fährt mit Blaulicht auf den Straßenbahnschienen Richtung Krankenhaus. Auf der Gegenfahrbahn rast ein Traktor Richtung Innenstadt. Er wird später gestoppt. Wer nicht angeschnallt ist, muss 30 Euro bezahlen. Dreimal kommt das an diesem Abend vor.

Ausgangssperre in Frankfurt: Viele wirken bei Kontrollen nervös

Viele Fahrzeuge, die von den Beamten angehalten werden, haben kein Frankfurter Kennzeichen. „Das heiß nicht viel“, erklärt der Einsatzleiter. „Bei einem Umzug kann man sein altes Kennzeichen seit einigen Jahren mitnehmen“, erklärt der Polizist. Dennoch fallen einige auf. Ein Kombi mit einer Frau auf dem Rücksitz. Wieder fragt die Beamtin, während die Taschenlampe ins Wageninnere leuchtet. „Sind Sie angeschnallt?“, fragt sie die Beifahrerin, die heftig atmend nickt. „Wir müssen ganz schnell in den Kreißsaal“, erklärt der Fahrer aufgeregt. Die Frau ist hochschwanger. Wenige Sekunden später dürfen sie weiterfahren, die Beamten wünschen ihr „alles Gute und eine glückliche Geburt“.

Ein weißer Audi fährt an der Sperre fast auf seinen Vordermann auf. Er wirkt, als wolle der Fahrer Gas geben. Auch er zieht einen Zettel seines Arbeitgebers vom Beifahrersitz und reicht ihn mit niedergeschlagenem Blick aus dem Fenster. Auch er wirkt nervös. Er hat zwar keine hochschwangere Beifahrerin, aber offensichtlich getrunken.

Eine schwarze Nobelkarosse aus Berlin bremst widerwillig. Drei Männer sitzen im Wagen, ihre Blicke sind versteinert und wütend. „Wir kommen gerade aus Berlin und wollen ins Hotel“, herrscht der Fahrer die Beamtin an. Der Beifahrer auf dem Rücksitz ist nicht angeschnallt, die Männer wirken nervös.

Corona in Frankfurt: Nur wenige missachten Ausgangssperre

Der Wagen wird wie viele andere vorher an die linke Straßenseite gebeten. Der Wagen wird von zehn Beamten umringt, Papiere werden geprüft. Einer nach dem anderen muss aussteigen und wird durchsucht. „Hier ist eine 1826 HSOG-Straße“, erklärt der Dienstgruppenleiter. „Das heißt, dass jeder Fahrzeuginsasse überprüft werden kann. So sieht es das Hessisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung vor.“ Die Kollegin stimmt zu und erklärt, dass „auch Schleierfahndung auf solchen größeren Durchgangsstraßen möglich ist“.

Nach den Männern wird das Fahrzeug durchsucht. Es ist leise während der Maßnahmen, der Ton freundlich und bestimmt. Nach einer guten halben Stunde dürfen sie weiterfahren. „Es sind keine Unbekannten“, so der Polizeibeamte. „Im Moment liegt nichts vor.“ Nur zwei Fahrzeuge sind ohne nachweislichen dienstlichen Anlass unterwegs. Sie bekommen Post. (Sabine Schramek)

Die Corona-Inzidenz der Stadt Frankfurt liegt schon seit längerem stabil unter 200. In der Vergangenheit kam es bei einer Polizeikontrolle bei Frankfurt zu gewalttätigen Ausbrüchen.

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