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Dr. Ingo Gabriel ist Hausarzt in Frankfurt und muss wegen des Versorgungsengpasses während der Corona-Krise womöglich seine Praxis schließen. Seine Sprechstundenhilfen Britta Ragge und Silvia Friedrich (von links) würde das auch hart treffen.

Coronavirus

Corona in Frankfurt: Arzt am Rande der Verzweiflung - Seiner Praxis droht die Schließung

Corona hat auch Frankfurt erreicht. Ein Hausarzt ist deshalb verzweifelt. Seine Schutzausrüstung gegen das Coronavirus geht zur Neige. Die Praxisschließung droht. 

  • Corona verbreitet sich weiter in Frankfurt
  • Ein Hausarzt ist in Sorge, da seine Schutzkleidung zu Neige geht
  • Seiner Praxis droht dann die Schließung

Frankfurt - Hausarzt Dr. Ingo Gabriel ist in Sorge, weil die Schutzkleidung gegen das Coronavirus zu Ende geht. Dann droht eine Schließung der Praxis. Die kassenärztliche Vereinigung Hessen kann ihm nicht sagen, wann und ob überhaupt eine Zuteilung erfolgen wird.

„Ich will in der jetzigen Situation meine Patienten nicht im Stich lassen“, sagt Dr. Ingo Gabriel (70), der seit 1986 Hausarzt am Frankfurter Berg ist. Es macht den erfahrenen Mediziner unruhig und sauer, dass er sein Mitarbeiterteam und sich selber nicht schützen kann gegen eine mögliche Infektion. Er sieht außerdem die Gefahr, dass sie selber den Virus weitergeben an Patienten. Deswegen trägt Gabriel in der ärztlichen Sprechstunde eine Schutzmaske, was er in den Zeiten vor Corona in der Regel nicht getan hatte.

Doch schon nächste Woche wird er keine Schutzmasken vom Typ FFP 2 mehr haben. Dass eine Patientin ihm ihre Masken, die sie aus einem Handwerksbetrieb erübrigen konnte, gegeben hat, rührte den Hausarzt zutiefst. Das Problem lösen konnte diese hilfreiche Aktion allerdings nicht.

Corona in Frankfurt: Arzt wartet auf neue Schutzkleidung

In seiner Not hat er sich Gabriel an die kassenärztliche Vereinigung gewandt und gefragt, wann er mit der angekündigten Lieferung von Schutzkleidung gegen das Coronavirus rechnen kann. Doch ihm wurde geraten, sich in Geduld zu üben. Es sei überdies nicht sicher, wann und ob überhaupt mit einer Zuteilung zu rechnen sei. Überdies sei es Aufgabe der Praxen selber, sich um die Schutzausrüstung zu kümmern.

Das hat den Hausarzt in Rage gebracht. „Ich habe überall rumtelefoniert. Nirgendwo sind Schutzmasken zu erhalten. An wen sollen wir uns denn wenden in dieser Situation als die Kassenärztliche Vereinigung Hessen?“ Schließlich habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass zehn Millionen Masken auf dem Weg seien und über die Kassenärzlichen Vereinigunge verteilt werden sollen. Er habe den üblichen Vorrat an Schutzkleidung in der Praxis gehabt. Der Ausbruch der Pandemie habe ihn ebenso wie andere Akteure auf dem Gesundheitsmarkt überrollt.

Corona: Bisher sind wenige Schutzmasken in Hessen bei den Ärzten angekommen

In einer Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen heißt es, dass bislang die von der Bundesregierung versprochenen Mengen in der Corona-Krise nicht geliefert worden seien, sondern erst einiges angekommen sei wie Einmalhandschuhe, wenige Schutzmasken, kaum Schutzkleidung. „Wir werden das, was wir haben, zunächst an die Covid19-Schwerpunktpraxen verteilen, die wir derzeit hessenweit etablieren. Und danach die sonstigen Primärversorger (unter anderem Hausärzte) ausstatten, falls noch Material übrig ist. Wir können nur das verteilen, was uns zur Verfügung gestellt wird“, heißt es bedauernd.

„Normalerweise müsste ich mich jetzt einigeln und selber schützen“, sagt Gabriel, denn mit seinen 70 Jahren und einer Vorerkrankung zählt der Hausarzt auch zu den Risikopersonen. Aber er will nicht „kneifen“, sondern die gesundheitliche Versorgung im Stadtteil aufrechterhalten. „Ich habe viele ältere Patienten“, erklärt er. Die würden zwar sehr vernünftig reagieren, die routinemäßigen Gesundheitschecks verschieben und anrufen, statt in die Praxis zu kommen.

Corona in Frankfurt: Arzt hat den Praxisbetrieb umgestellt

Durch die gute Zusammenarbeit mit den Hausapotheken würden außerdem viele Wege außer Haus für Patienten vermieden. Er habe wegen des Coronavirus den Praxisbetrieb umgestellt, viel werde jetzt durchs Telefon geregelt, die Sprechstundenhilfen fragten die Krankheitssymptome ab. Doch nicht jeder Patient will nur ein neues Rezept oder eine Krankschreibung, die jetzt in erleichterter Form ohne persönliche Vorstellung möglich ist. 

„Wenn ein Patient sagt, er fühle sich nicht wohl, kann ich ihn weder abweisen noch auf der Straße behandeln“, konstatiert Gabriel. Er könne aber nicht hundertprozentig sicher sein, dass nicht doch ein ansteckender Patient vor ihm sitze. „Bislang hatten wir noch keinen Corona-Fall“, sagt der Hausarzt. Abstriche in Verdachtsfällen habe er aber vor allem in den ersten beiden Märzwochen genommen, als die Testzentren in Frankfurt noch nicht installiert waren.

Hausärzte in Frankfurt sind wegen Coronavirus überfordert

Gabriel merkt im Praxisalltag, wie sehr die aktuelle Situation seinen Patienten zusetzt und Angst macht. „Die Hausärzte sind stark gefordert, aufzuklären über die Corona-Symptome und den Verlauf der Krankheit“, sagt er. Selbst wenn er dasselbe sage, was sie überall schon gehört hätten, komme das ganz anders an. Einfach deshalb, weil die Patienten dem Hausarzt vertrauen. „Sie sind beruhigt und folgen unseren Ratschlägen“, ist Gabriels Erfahrung.

Von Anne-Rose Dostalek

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