Honda-Werkstattleiter Dennis Rainer Kopp (29) im ansonsten wegen Corona menschenleeren Verkaufsraum in Frankfurt.
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Honda-Werkstattleiter Dennis Rainer Kopp (29) im ansonsten wegen Corona menschenleeren Verkaufsraum in Frankfurt.

Corona

Coronavirus in Frankfurt: Wie lange halten die Autohäuser noch durch?

  • vonSabine Schramek
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In Frankfurt hat das Coronavirus Auswirkungen auf Geschäfte, die Autos in der Hanauer Landstraße verkaufen. Der direkte Autoverkauf ist wegen der Coronakrise eingestellt.

  • Das Coronavirus hat Auswirkungen auf Autohäuser in Frankfurt.
  • Diese können wegen des Corona-Kontaktverbots keine Autos in den Läden verkaufen
  • Nur der Werkstattservice geht weiter.

Frankfurt - Schaufenster für Autos sind im wahrsten Sinne des Wortes zu Schaufenstern geworden. Kein Bummel zu den ausgestellten Wagen, kein Probesitzen, keine Vor-Ort-Beratung. Es bleibt der Blick von außen durch die Fenster. An den Türen hängen Schilder, die darauf hinweisen, dass der KfZ-Handel und Zubehörhandel wegen Corona ausgesetzt ist. 

Vor den Tischen der Mitarbeiter sind Absperrungen angebracht, die Abstand garantieren. Der Werkstattservice geht weiter. Bei Porsche halten edle rote Bänder die Distanz. An der Bar sitzt ein Mann, der sich einen Nagel in den Reifen gefahren hat, bei einem Glas Wasser und wartet auf seinen Wagen. "Das ist alles so unwirklich", sagt er zu einer Mitarbeiterin, die ihm lächelnd zustimmt. Interviews werden in der Filiale nicht gegeben. Nur so viel: "Wir haben genug zu tun."

Coronavirus in Frankfurt: Autohäuser nehmen kein Bargeld mehr an

Im Motor-Village in Frankfurt sieht man durch die Fenster ein Steh-Meeting im großen Kreis mit großem Abstand zueinander. Werkstattkunden dürfen wegen Corona nur einzeln eintreten. Bei Opel hängen gelb-schwarze Flatterbänder. Ein Aufsteller weist darauf hin, dass kein Bargeld mehr angenommen wird. Bei Mini ist das Schaufenster dunkel. Weit hinten durch das Fenster erkennt man Silhouetten von Mitarbeitern, die telefonieren. Das Autohaus Glinicke ist hell. Jaguare, Land und Range Rover glitzern um die Wette. 

Die jungen Frauen am Empfang lachen. "Der Verkauf ist eingestellt", so Geschäftsführer Reiner Seidl (56), der seit Januar hier ist. "Nur ein paar Online-Bestellungen laufen noch. Wir haben 80 Prozent Kurzarbeit im Verkauf beantragt und 50 Prozent für die Werkstatt. Es ist ein wirtschaftliches Desaster", sagt er. "Die Mieten werden weiter eingefordert. Es betrifft uns alle bis auf die Azubis. Die laufen ganz normal weiter." Er erzählt wie selbstverständlich, dass die Geschäftsführer aufs Gehalt verzichten und es für die Azubis in einen Pool zahlen. "Ist doch klar. Wir können die doch nicht hängen lassen." 

Coronavirus in Frankfurt: Wie lange halten die Autohäuser noch durch?

Glinicke hat bundesweit 28 Betriebe mit 1600 Mitarbeitern - auch in Frankfurt hat er sich niedergelassen."Wir sind Einzelhändler. Zwei Monate kann man so aushalten. Wohin das führt, weiß niemand. Hoffentlich nicht zum Systemkollaps", sagt er und lächelt trotzdem. Den Service hat Seidl wegen des Coronavirus umgestellt. "Wir rufen alle unsere Kunden an, holen die Wagen zum Reifenwechsel ab und fragen nach, ob sie etwas für ihr Auto brauchen. Wir machen alles, was die Behörden zulassen." Der Ökonom, Wirtschaftspsychologe und Hobby-Kaffeeröster Seidl ist froh, dass es automatische Schiebetüren gibt. „Wir sind ja keine OP-Leute“. 

Der Geschäftsführer vom Autohaus Glinicke, Reiner Seidl.

Desinfektionsspender stehen überall und die Kollegen ziehen alle mit." Schutz für alle sei das Wichtigste jetzt, ist der Vater von fünf Kindern sicher. "In der Werkstatt läuft ja noch was, auch wenn es weniger geworden ist", beruhigt er. Dass Seidl sich um seine Mitarbeiter sorgt und für sie einsetzt, ist deutlich zu spüren. Sie sind motiviert. "Wir kriegen das hin", sind sie sicher.

Auch bei Honda in Frankfurt wirkt die Stimmung trotz Corona positiv. Leise Popmusik klingt durch den menschenleeren Verkaufsraum, in dem die roten Sessel zum Warten für Werkstattkunden weit auseinander gezogen sind. Desinfektionsmittelspender stehen bereit, ein Absperrband hält den Abstand, jeder Schlüssel wird vor der Übergabe desinfiziert.

Coronavirus in Frankfurt: Werkstattleiter möchte ohne Kurzarbeit auskommen

 "Unser Ziel ist es, ohne Kurzarbeit auszukommen", sagt Werkstattleiter Dennis Rainer Kopp (29). "Unsere Außenverkäufer arbeiten jetzt telefonisch und per Mail. Wer ein Auto kauft, kann es kontaktfrei abholen. Es gibt keine Probefahrt mit dem Verkäufer. Für Reifenwechsel oder Werkstatt wird jeder Wagen von uns desinfiziert, bevor ihn der Kunde zurückbekommt." 

Verkäufer werden jetzt anders eingesetzt. "Für Hol- und Bringservice bei Kunden, die nicht aus dem Haus wollen. Man muss jetzt schnell und flexibel sein", sagt Kopp und zeigt auf den hohen Desinfektionsspender für die Kunden. "Den haben wir selbst gebaut. Aus Blech im Lager geschweißt und aus Lackresten in Honda-Farben lackiert. Nach Feierabend." Als Extra zur Werkstatt gibt es jetzt auch Rundumpflege zur Wagenreinigung innen und außen im Angebot. "Flexibilität und Sicherheit von und für Mitarbeiter und Kunden wird uns alle über die Krise bringen", ist Seidl überzeugt.

In den Altenheimen in Frankfurt ist die Corona-Krise noch lange nicht zu Ende. Auch Schutzausrüstung bleibt ein Thema. Eine große Frage ist: Wie kann man Nähe vermitteln, ohne die Senioren in Gefahr zu bringen?

Von Sabine Schramek

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