+
Den Friseur Michael Müller in Frankfurt trifft die Schließung wegen des Coronavirus hart.

Coronavirus

Friseur trifft Schließung wegen Corona hart: „Uns wird das Rückgrat gebrochen“

In Frankfurt rechnet ein Friseur wegen des Coronavirus mit vielen Schließungen. Etliche Geschäfte kommen in Zahlungsschwierigkeiten. 

  • Das Coronavirus trifft den Handel in Frankfurt.
  • Ein Friseur fürchtet wegen Corona um seine Existenz.
  • Viele Läden könnten die Krise nicht überleben.

Frankfurt - Friseur Michael Müller sieht schwarz. Wenn das Geschäftsleben auf der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen nicht bald wieder anlaufen kann, werden die meisten Läden seiner Ansicht nach die Krise nicht überleben. „Der Finanzminister hat gesagt, die kleinen und mittelständischen Unternehmen seien das Rückgrat der Gesellschaft. Uns wird aber gerade das Rückgrat gebrochen“, stellt er fest. Seit Tagen sei er täglich von früh bis spät dabei, sich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten er hat, durchzukommen.

Corona in Frankfurt: Unterstützung vom Bund könnte für Friseur Michael Müller zu spät kommen

Die angekündigte Soforthilfe des Bundes in Höhe von 10.000 Euro für Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern wird der Friseurmeister beantragen. „Der Antrag, für den man gute acht Tage zum Ausfüllen braucht, geht am Montag raus. Aber bis das Geld kommt, ist Mai.“ Das sei reichlich spät. Höchstens vier Wochen könnten die meisten Unternehmen mit dem Hilfsgeld während der Corona-Krise überbrücken, meint er. 

Wenn bis 20. April alles weiter geschlossen bleibt, wie Kanzleramtschef Braun am Samstag verlautbarte, müsse dieselbe Summe deshalb nochmal ausgezahlt werden. „Sonst schaffen wir es nicht. Ein ganz großer Teil der Unternehmer wird das nicht durchhalten.“

Coronavirus in Frankfurt-Sachsenhausen: Für Gastronomen könnte es eng werden

Denn: Miete, Mainova, Gehälter, Umsatzsteuer - all das muss gezahlt werden. Für manch einen Gastronomen auf der Schweizer in Frankfurt, der mehrere Restaurants führt und seine eigene Privatmiete auch noch zahlt, sei das ein Ding der Unmöglichkeit. Er selbst habe noch das Glück, dass seine Vermieterin ihm versichert hat, dass er sich keine Sorgen machen müsse wegen der Miete. Das sei großartig, gebe ihm aber nur eine „Millisekunde Aufschub, denn was kommt danach? Ich muss weiterdenken.“

Enttäuscht ist Müller von der Friseur-Innung, die sich nicht rühre. Am meisten enttäuscht ist er aber von den Banken und Sparkassen: „Die wollen an der Krise auch noch Geld verdienen.“ Die derzeitigen Anforderungen, um einen Kredit wegen Corona zu erhalten, seien eine Farce: Ellenlang sei die Liste von erforderlichen Nachweisen über privates Vermögen, Rücklagen, Möglichkeiten zur Kündigung von Mitarbeitern und ähnliches. "Da wird es mir schwarz vor Augen, wenn ich so etwas lese", regt sich Friseur Müller auf. "Man soll also seine Mitarbeiter eiskalt entlassen, um einen Kredit zu erhalten?"

Restaurants hoffen auf Online-Bestellungen in Zeiten von Corona in Frankfurt

Die Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen sieht derzeit wochentags aus wie an einem extrem ruhigen Sonntag. Außer den Supermärkten, Bäckereien und Metzgern bleiben alle Geschäfte wegen Corona dunkel. Auch viele Restaurants sind geschlossen, darunter das „Gemalte Haus“, der Vietnamese „Nana“, ebenso der Österreicher „Edelweiss“. Bei „Schmidt's Papeterie“ hängt im Schaufenster ein handgeschriebener Zettel. „In Zeiten der Ladenschließung brauchen wir Sie mehr denn je!" steht darauf, und "Unterstützen Sie uns mit einer Online-Bestellung“.

Käufe per Telefon oder E-Mail werden den Einzelhandel jedoch nicht retten können, meint Friseur Müller: „Wer vor der Krise keine professionelle Online-Plattform hatte, wird jetzt keine in kurzer Zeit erstellen können. Das wird nicht reichen.“ Ihm selbst als Dienstleister nutzten Vorauszahlungen und Gutscheine nicht viel, auch wenn er sich sehr freue über die Solidarität vieler Kunden. „Ich muss die Leistung dann ja abarbeiten. Das kann ich nicht mehr aufholen“, erklärt er.

Corona in Frankfurt-Sachsenhausen: AGS hofft, dass Vermieter keine Miete fordern

Ein Online-Angebot könne nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, sagt auch Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße (AGS). „Aber immerhin etwas“. Er plädiert dafür, dass Ladenvermieter jetzt davon absehen, die Miete einzufordern. „Sie sollen in dieser Krise nicht zur Keule der Kündigung greifen, sondern sich solidarisch zeigen“, sagt Schiller. Die AGS ist derweil noch unentschieden, ob das Schweizer Straßenfest wegen des Coronavirus abgesagt wird. „Wir werden demnächst eine Entscheidung treffen“, so Schiller. 

Von Stefanie Wehr


Mittlerweile hat sich Hessen für die ersten Schritte aus dem Lockdown entschieden. In Zeiten von Corona öffnen Friseure wieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Video: Polizei Frankfurt spielt „Circle of Life“ auf der Straße – die Reaktionen sind gespalten

Um sich bei denen zu bedanken, die in der Corona-Krise zu Hause bleiben, spielt die Polizei in Frankfurt Musik für die Anwohner. Ein Video zeigt die Aktion - die Reaktionen sind jedoch gespalten.

Eine interaktive Karte zeigt, welche lokalen Geschäfte in Frankfurt einen Lieferdienst anbieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare