Viele Frankfurter Eltern wünschen sich Luftfiltergeräte für die Klassenzimmer ihrer Kinder, um sie besser vor Corona zu schützen.
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Wie in dieser Schule in Oldenburg wünschen sich auch viele Frankfurter Eltern Luftfiltergeräte für die Klassenzimmer ihrer Kinder, um die Corona-Gefahr zu minimieren.

Corona-Pandemie

„Für mich unbegreiflich“: Eltern empört Umgang mit Corona im Klassenzimmer

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Corona verbreitet viel Chaos an den Schulen: Frankfurter Eltern sind sauer, weil die Stadt das Aufstellen privater Luftfiltergeräte nur schleppend genehmigt.

Frankfurt – Wenn Andreas Göpfert über das Stadtschulamt und die dortige Arbeitsweise spricht, dann ist ihm sein Ärger anzuhören. Gut vier Monate ist es nun schon her, dass der Rechtsanwalt und Vater bei der Stadt beantragt hat, ein Luftfiltergerät in einem Klassenzimmer der Ziehenschule, die seine Tochter besucht, aufstellen zu dürfen. Doch bis heute wartet Andreas Göpfert auf die Genehmigung.

"Das ist einfach unglaublich", sagt der Vater. "Wir wollen unseren Kindern doch nur einen zusätzlichen Schutz bieten, um sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren." Aber das Stadtschulamt lasse jeglichen Respekt gegenüber Eltern, Schülern und Lehrern vermissen. "Ansonsten würde man doch dafür sorgen, dass die Zusage, private Geräte aufstellen zu dürfen, schnellstens umgesetzt wird statt Spielchen zu treiben."

Corona sorgt für verschiedene Regelungen an den Schulen

Zunächst hatte sich die Stadt gegen die privat finanzierten Luftfiltergeräte ausgesprochen, erlaubte sie dann Mitte November doch - unter bestimmten Voraussetzungen. So muss etwa eine fachgerechte Reinigung und Wartung sichergestellt werden. Auch müssen die von Fördervereinen oder Elterninitiativen organisierten Anlagen bestimmte Standards erfüllen, vorgeschrieben sind Hepa-Filter H 13 oder H 14, ein Luftfluss von 1000 Kubikmetern je Stunde und der Schallpegel soll auf maximal 35 Dezibel eingestellt werden können.

Ob das Luftreinigungsgerät, das Göpfert beschaffen wollte, diesen Kriterien entspricht, ist noch nicht klar. "Dass das so lange dauert, ist für mich unbegreiflich", sagt er. "Hier wird gezielt die Genehmigung von Elterngeräten torpediert, um deren Aufstellung entgegen der Zusage zu verhindern." In zahlreichen E-Mails an das Stadtschulamt hat er versucht, seinen Unmut kundzutun. Auch Dienstaufsichtsbeschwerden gegen städtische Mitarbeiter hat er verfasst. Alles vergeblich. Die Schüler müssen darunter leiden.

Schulen kämpfen mit den Behörden unter Corona

Immerhin haben jetzt acht Schulen die Genehmigung vom Stadtschulamt vorliegen, privat organisierte Luftfiltergeräte in ihren Klassenräumen aufzustellen. Dazu zählen das Elisabethen- und Lessing-Gymnasium, die Elsa-Brändström-, Francke-, Merian-, Zentgrafen-, Martin-Buber- sowie die Max-Beckmann-Schule. Das hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) auf Nachfrage mitgeteilt. Sieben Schulen hingegen warten noch auf die Genehmigung. "Teilweise hat es Unsicherheit gegeben, weil aus den vorgelegten Unterlagen nicht ersichtlich war, ob die Anlagen unseren Kriterien entsprechen", sagt Weber. Da hätten dann technische Datenblätter des Herstellers angefragt werden müssen. Oft hätte man aber bei Unklarheiten auch noch mal Kontakt mit den Schulen aufnehmen müssen. "Das alles dauert." Im Fall der Ziehenschule beispielsweise sei der Hersteller mehrfach auf Deutsch und Englisch angeschrieben worden, habe bisher aber noch nicht geantwortet.

"Es gab aber auch Fälle, da war klar, dass die beantragten Anlagen zu laut für einen Klassenraum sind", sagt Weber. "Die Schüler müssen den Lehrer aber noch verstehen." Deshalb sei es am besten, wenn die Geräte stufenweise einstellbar seien oder wenn mehrere, leisere Anlagen aufgestellt würden, die zusammen aber die erforderliche Menge an Luft reinigen können. "Das Stadtschulamt hat sich viel Mühe gegeben", so Weber.

Die Eltern der Schüler werden in Corona-Zeiten initiativ

Auch die Wöhlerschule wartet noch auf die Genehmigung ihrer Luftfiltergeräte. 100 Stück stehen dort in der Schule ungenutzt. "Diese hat ein Vater unserer Schule auf eigene Kosten und eigenes Risiko gekauft", sagt Elternbeirätin Susanne Rosenfeld. Schüler, Lehrer, Eltern - alle würden darauf warten, dass die Anlagen endlich aufgestellt werden können. "Aber niemand teilt uns mit, woran die lange Wartezeit liegt. Das ärgert uns."

Astrid Bissinger vom Stadtelternbeirat kann die Verärgerung der Mütter und Väter verstehen. "Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel, ohne das wir nicht existieren können", sagt sie. "Deshalb ist es den Eltern so wichtig, ihren Kindern mit den Luftfiltergeräten etwas Gutes zu tun. Sie sollen gesund aufwachsen." Eine zeitnahe Genehmigung sei zugesagt, aber nicht eingehalten worden.

"Es ist kein Versäumnis zu sehen", sagt jedoch die Bildungsdezernentin. Der Schulträger trage die Verantwortung für die aufgestellten Anlagen und dafür, dass alles funktioniert. "Deshalb müssen wir sorgfältig prüfen. Und das braucht Zeit." Das Klima in den Schulen bleibt angespannt. Das Thema Sicherheit in Corona-Zeiten beschäftigt die Frankfurter Eltern derzeit sehr. (Julia Lorenz)

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