Corona bedroht die Existenz von Clubs in Frankfurt wie Batschkapp, Chinaski und Das Bett.
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Corona bedroht die Existenz von Clubs in Frankfurt wie Batschkapp, Chinaski und Das Bett.

Insolvenzen drohen

Batschkapp, Chinaski, Das Bett: Corona-Krise bringt die Clubs in Frankfurt an den Abgrund

Die Clubs in Frankfurt stehen wegen der Corona-Krise am Abgrund. Es drohen Insolvenzen, die Soforthilfen sind längst aufgebraucht.

  • Die Coronavirus-Pandemie bedroht die Clubs in Frankfurt massiv.
  • Die Corona-Soforthilfen sind bereits aufgebraucht.
  • Es drohen Insolvenzen.

Frankfurt – Wie es bei ihm läuft? Um diese Frage zu beantworten, braucht Julian Smith nur ein einziges Wort: „Desaströs.“ Smith ist einer der Geschäftsführer des Clubs Chinaski in Bockenheim, der wegen der Corona-Pandemie Mitte März seine Pforten schließen musste. Die gleichnamige Tagesbar, die er ebenfalls betreibt, hält sich mit Essen zum Abholen und Lieferservice über Wasser. „Das läuft sogar besser als gedacht“, sagt Smith. Dennoch seien die Einnahmen überschaubar: „Das ist so, als würde man mit einer Wasserpistole auf einen Flächenbrand schießen.“

Corona-Krise in Frankfurt bedroht Clubs: Soforthilfen längst aufgebraucht

35 Mitarbeiter beschäftigt er in normalen Zeiten in beiden Betrieben, ein Fünftel davon Festangestellte, die momentan alle in Kurzarbeit sind. Zwar habe er 30.000 Euro als Soforthilfe erhalten, erklärt Smith. „Dafür bin ich auch sehr dankbar. Trotzdem ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Auf 30.000 Euro beläuft sich sein Umsatz normalerweise pro Woche, während er die monatlichen Fixkosten auf 50.000 bis 60.000 Euro beziffert. „Das ist ein knappes Höschen“, sagt Julian Smith, „sobald der Kundenstrom abreißt, haben Sie Probleme.“

Zumal Besserung nicht in Sicht ist: Keiner weiß, wann Restaurants und Clubs wieder normal öffnen dürfen. "Es macht mir Angst, dass wir keine echte Planbarkeit haben", sagt der Clubbetreiber, der auch als DJ arbeitet, was momentan ebenfalls nicht möglich ist. "Man hat das Gefühl, dass man am langen Arm verhungert." Wenn sich nichts ändere, halte er höchstens noch bis Ende Mai durch, schätzt er: "Anfang Juni müsste ich dann in die geregelte Insolvenz."

Clubs in Frankfurt vom Coronavirus bedroht: Fixkosten extrem hoch

Solche Details will Ralf Scheffler, Geschäftsführer der "Batschkapp" sowie des "Nachtleben", nicht verraten. "Bescheiden" sei die Situation, sagt er nur. Zwar habe er für das "Nachtleben" Soforthilfe erhalten, doch damit komme er nicht weit. Natürlich habe er die Fixkosten von 80.000 bis 100.000 Euro im Monat reduziert, auf etwa die Hälfte. "Aber das fällt uns irgendwann auf die Füße, denn das ist zum Teil nur gestundet."

"Die Situation ist bescheiden", sagt Batschkapp-Chef Ralf Scheffler. Die wochenlange Zwangsschließung treibt die Clubs in der Stadt an den Abgrund - denn Tanzen mit Mindestabstand, wie Scheffler ihn mit Musikmanagerin Julia Frank zeigt, ist unmöglich.

Keine staatliche Unterstützung kam bisher im Musik- und Konzertclub "Das Bett" im Gallus an. "Wir stehen relativ nackt da, wir greifen nach jedem Strohhalm", sagt Geschäftsführerin Missy Motown. Weder Soforthilfe noch Kurzarbeitergeld für die sechs Festangestellten im "Bett" gibt es bisher. Zwar habe sie noch niemanden entlassen, sagt Missy Motown: "Aber bei null Einnahmen im zweiten Monat ist das hart. Im dritten Monat wäre das nicht mehr möglich."

Club-Gäste in Frankfurt helfen in der Corona-Krise mit Spenden

Momentan konzentrieren sie und ihre Mitarbeiter sich auf ihr neues Projekt: einen Online-Shop, in dem sie seit einigen Tagen witzig bedruckte Merchandising-Artikel wie Shirts, Pullis, Mützen und Taschen anbieten - damit sich Gäste zuhause wie "Bett-Man" oder "Bett-Woman" fühlen können.

"Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern den Club retten", sagt Missy Motown. Ein kleiner Trost für sie: "Wir haben tolle Gäste. Da liegt schon mal ein Umschlag mit 50 Euro im Briefkasten. Oder eine Tüte Gummibärchen mit einer Karte, auf der steht: ,Halte durch'."

Eines ist ihr im Hinblick auf die Corona-Krise wichtig: "Wir können das nur zusammen schaffen. Jeder steht am Abgrund, aber die Clubkultur muss da gemeinsam durch. Es nützt nichts, wenn nur ich unterstützt werde, und die Agentur, mit der ich seit Jahren zusammenarbeite, den Bach runtergeht." Und sie verweist auf das Beispiel Köln. Dort habe die Stadt drei Millionen Euro für die Clubszene zur Verfügung gestellt. "So etwas wünsche ich mir auch für Frankfurt", sagt Missy Motown.

Auch Julian Smith stellt heraus, dass Clubs und Restaurants eine Stadt erst lebenswert machten. Betroffenen könne man beispielsweise mit günstigen Krediten helfen, die zügig genehmigt werden, schlägt er vor. Und mit steuerlichen Erleichterungen: "Wenn wir ein Jahr lang keine Mehrwertsteuer bezahlen müssten, würde uns das schon helfen."

Clubs in Frankfurt stark vom Coronavirus bedroht: Kann eine Internet-Plattform helfen?

Klaus Bossert vom Verein "Clubs am Main" blickt mit Sorge auf die Situation der Frankfurter Clubszene. Um ihr zu helfen, baue man gerade eine gemeinsame Internet-Plattform unter dem Titel "United we stream" für Clubs aus der gesamten Rhein-Main-Region auf, mit der man demnächst an den Start gehen wolle.

Unter einem gemeinsamen Dach sollen die Clubs dort Programm machen, als Live-Stream. "Damit wollen wir für Sichtbarkeit sorgen, den Kontakt zum Publikum halten und Spendengelder akquirieren", erläutert Bossert.

In Berlin läuft das bereits seit einigen Wochen, in Stuttgart und München gibt es ähnliche Projekte. Und vielleicht, hofft er, gebe es noch weitere Hilfen, sodass die Clubs irgendwie erhalten werden können - ohne dass ihre Räume vom Immobilienmarkt aufgesogen werden. "Die Erfahrung lehrt, dass ein Ort verloren ist, wenn er mal weggefallen ist", sagt Bossert.

Von Brigitte Degelmann

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