Zunächst war wenig los, am Ende zogen am Samstag (20.11.2021) hunderte Querdenker durch die Innenstadt von Frankfurt.
+
Zunächst war wenig los, am Ende zogen am Samstag (20.11.2021) hunderte Querdenker durch die Innenstadt von Frankfurt.

Querdenker mit Einhorn

Als „Kinderschutz“-Demo ziehen gut 1000 Impfgegner durch Frankfurt – Fotograf angegriffen

  • VonSabine Schramek
    schließen

Am Samstag hatten sich zwei Querdenker-Demos in Frankfurt angemeldet. Das ursprüngliche Motto „Kinderschutz“ wurde rückwirkend in „Konsulats-Protest“ geändert. 

Frankfurt – Die 7-Tage-Inzidenz lag am Samstag (20.11.2021) in Frankfurt laut RKI bei 323,6. Die Krankenhäuser erreichen ihre Belastungsgrenzen vor allem auf Intensivstationen mit zum überwiegenden Teil nicht oder nicht vollständig geimpfter Corona-Patienten. Vor den Impfzentren an der Messe stehen Menschen Schlange. Für Querdenker, die zum größten Teil nicht aus Frankfurt kommen, macht das vor dem Konsulat nichts aus.

Sie wünschen sich „Grundrechte statt Biontech“, behaupten ohne Belege, dass wegen der Impfung täglich Frauen steril würden, Kinder und Schwangere an der Impfung stürben und schwenken vor dem Österreichischen Konsulat die schwedische, die Österreichische, die australische Flagge und eine deutsche Fahne mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“. Die schwedische Fahne wird schnell wieder weggepackt und Plakate mit der Aufschrift „Es ÖsterReicht“ unter Trillerpfeifenlärm hochgehalten.

Corona-Impfgegner ziehen durch Frankfurt: Pressefotograf angegriffen

Rund 60 Querdenker hatten sich bereits zwei Stunden vorher am Willy-Brandt-Platz versammelt. Eine Teilnehmerin in rotem Anorak greift einen Pressefotografen an, will ihm die Kamera aus der Hand schlagen. Polizisten gehen dazwischen. Die Demo zieht nach Sachsenhausen, sorgt für Kopfschütteln bei Fußgängern mit Masken und für wütendes Hupen genervter Autofahrer, bevor die Teilnehmer ebenfalls zum Reuterweg kommen und sich der zweiten Querdenker-Demo vor dem österreichischen Konsulat anschließen. Dass der Honorarkonsul und auch keiner der Mitarbeiter nicht da ist, stört sie nicht. Auch nicht, dass sie wegen des massiven Polizeiaufgebots nicht einmal den Eingang des Konsulats sehen können.

Die Durchsagen der Polizei zur Einhaltung von Abständen und Maskenpflicht für Ordner und im Falle des Nicht-Einhaltens schon. Auf der Fahrbahn steht mit Kreide „Gehirn gewaschen, gefügig, geimpft, geboostert, genötigt, getötigt!“. Zwei junge Leute, die es zufällig sehen, nehmen ihre Thermoskanne mit Tee und ihre Bierflasche, schütten es wortlos über der Kreide aus und verwischen die Schrift.

Querdenker-Demonstration in Frankfurt: Mittendrin ein Einhorn

Nach einigen Ansprachen der Polizei ziehen die noch etwa 400 Teilnehmer los über den Opernplatz Richtung Maintower. Es werden mehr. Die Abstände werden weitgehend eingehalten, wenn nicht, meldet sich die Polizei zu Wort. Der Einsatzleiter spricht von „geschätzt gut 1000 Leuten“.

Eine Person als Einhorn verkleidet dreht sich zwischen Flaggen und einem Laken, auf dem die österreichische, die schweizerische, ein Herz und die deutsche Flagge gemalt sind, Schildern mit der Aufschrift „Freiheit“, „Demokratie“ und „Mutig in die neuen Zeiten! Land der Hämmer zukunftsreich! Einig lass in Bruderchören, Deutschland uns mit Österreich verbinden!“, „Gleiches Recht für alle! Keine 2G Regelung!“, „GG Grundgesetz“ und anderen Parolen. Kaum jemand trägt Maske. Dafür haben viele einen Hund dabei.

Querdenker-Demo in Frankfurt: „Och nee, nicht sie schon wieder“

Vor dem 200 Meter hohen Maintower ist eine lange Schlange von Leuten, die zum großen Teil Masken tragen und darauf warten, auf die Aussichts-Plattform zu kommen. Polizisten stellen sich zwischen die kopfschüttelnden Wartenden und den Demo-Zug, der nicht anhalten darf. Eigentlich wollten die Querdenker hier eine Kundgebung abhalten, da im 28. Stock des Maintowers das australische Generalkonsulat sitzt. „Es ist niemand vom Generalkonsulat da “, weiß ein Polizeibeamter.

Autofahrer steigen aus, weil sie nicht wissen, was los ist und nur Stau und Blaulicht sehen. „Eine Demo der Querdenker“, sagen Passanten auf Nachfrage. „Oh nee, nicht sie schon wieder“, „das kann doch nicht wahr sein. Noch mehr Coronatreiber“ lauten die kopfschüttelnden Kommentare. Gleichzeitig behaupten Demonstranten via Megaphon, dass Australien eine Gefängnisinsel sei, auf der Lager gebaut würden. Eine Frau ruft laut „Bullshit!“. Nach zweieinhalb Stunden ist der Spuk vorbei, die Teilnehmer werden immer weniger und die Demonstration endet wieder am Reuterweg. Die Inzidenzen steigen weiter, das Krankenhauspersonal arbeitet weiter an der Belastungsgrenze. (Sabine Schramek)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare