Das Harmonie gehörte zu den Kinos, die gestern rot beleuchtet auf ihre Misere aufmerksam gemacht haben und ihre Öffnung forderten. Zudem zeigte das Kino in Sachsenhausen Filme auf seiner Fassade.
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Das Harmonie gehörte zu den Kinos, die gestern rot beleuchtet auf ihre Misere aufmerksam gemacht haben und ihre Öffnung forderten. Zudem zeigte das Kino in Sachsenhausen Filme auf seiner Fassade.

Kreativer Protest

„Gebt uns grünes Licht“: Frankfurt protestiert mit Leuchtkraft gegen den Corona-Lockdown

  • vonSabine Schramek
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Gastwirte, Handel, Kinos und Veranstalter in Frankfurt verpassen sich Farbe und fordern vor der Länderkonferenz die Öffnung

Frankfurt - Seit diesem Samstagabend (27.02.2021) leuchten viele Lokale, Restaurants und Bars in Grün. Laternen, Scheinwerfer, Leuchtröhren und Lichterketten in der Farbe der Hoffnung symbolisieren rechtzeitig vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch (03.03.2021) ihre Forderung, wieder öffnen zu dürfen. Auch der Handel macht bundesweit mit, er zeigt heute Abend Rot. Frustrierte aus der Veranstaltungsbranche demonstrierten gestern in einem Korso von gut 50 Autos durch Frankfurt gegen verwaiste Bühnen und Konzerthallen, auch sie wählten Rot als Farbe der Botschaft - und machten mit lauter Rockmusik auf sich aufmerksam. Die Kinos setzten gestern Abend ebenfalls rote Zeichen.

Frankfurt leuchtet also. Die „Initiative Gastronomie Frankfurt“ hat dazu aufgerufen, sichtbar zu werden, um „grünes Licht zur Wiedereröffnung“ zu fordern. Dutzende Gastronomen bekennen Farbe. „Wir müssen einfach eine Welle machen, bevor neue Beschlüsse fallen“, sagt Kim Kalisch vom „Apfelwein Dax“ in Sachsenhausen.

Corona-Krise: Lockdown-Protest in Frankfurt-Sachsenhausen: „Ready für den Neustart“

Sie sitzt in tiefem Grün zwischen Dachs-Bildern, Apfelweinkanistern und Telefon, über das sie Bestellungen annimmt. Kaum ein Viertel leuchtet in diesen Tagen grüner als Sachsenhausen. Der Affentorplatz mit „Dauth-Schneider“, „Daheim in der Affentorschänke“ und dem „O‘Dwyer‘s Irish Pub“ strahlt weit. „Wir wollen wieder aufmachen, wir wollen wieder Sachsenhausen-Feeling und vor allem wieder Menschen sehen“, so Ruta Tewelde vom Irish Pub.

Hier werden seit einiger Zeit statt Guinness an der frisch gestrichenen Bar hauptsächlich knackfrische Burger außer Haus verkauft. Das Grün im Dauth Schneider vermischt sich mit den königsblauen Türen. „Wir wollen wieder loslegen und sind ready für den Neustart“, so Lorna O‘Sullivan, während sie Tüten mit „Dauth sagt Danke“ per Hand für Bestellungen beschriftet.

Corona-Lockdown in Frankfurt: „Viele stehen mit dem Rücken zur Wand“

Zu den Geschäften, die heute Abend rot leuchtend auf ihre Lage hinweisen, zählen auch die Einkaufszentren „Hessen-Center“ in Bergen-Enkheim und das „My Zeil“. „Der Handel blutet aus, und die Lebendigkeit der Innenstadt ist in Gefahr! Viele Händler stehen mit dem Rücken zur Wand, der anhaltende Lockdown gefährdet zahlreiche Geschäfte in ihrer Existenz und Arbeitsplätze im Handel. Daher ist eine schnelle Öffnung der Geschäfte dringend erforderlich“, sagt MyZeil-Managerin Andrea Poul und betont: „Das geht nachweislich mit Sicherheit und Verantwortung: Zahlreiche Studien belegen, dass der Einzelhandel kein Infektionstreiber ist. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) bewertet das Infektionsrisiko im Einzelhandel ausdrücklich als niedrig.“

Die Marktstubb in der Kleinmarkthalle unweit der Zeil strahlt ihre Schaukästen grün an, obwohl sie wegen Corona geschlossen ist. Vor dem „Kiwi‘s“ warten Leute geduldig in grün getauchtem Licht auf ihre Bestellungen. „Gut, dass die Lokale Farbe bekennen“, findet Melanie (26). „Ich will auch wieder gemütlich essen gehen oder etwas trinken gehen. Es fehlt mir so sehr.“

Im „Pino‘s“ um die Ecke von der Freßgass‘ sind die mittlerweile bekannten 150 „Pandamie-Pandas“ grün angestrahlt. „Wir alle haben alles gemacht, um unter strikten Hygienebedingungen zu öffnen. Luftfilter, Abstände, Desinfektionsmittel, Listen - einfach alles“, sagt Pino Fichera. Seit Monaten zaubert er To-Go-Gästen und Spaziergängern ein Lächeln ins Gesicht, weil jeder Platz in seinem Lokal mit riesigen Pandas besetzt ist und jedermann hineinsehen kann. „Jetzt sind die Pandas grün vor Hoffnung“, erklärt der Betreiber, der extra für die Aktion alle Scheinwerfer im Lokal grün foliert hat. Ob Lohrbergschänke, Apfelwein-Solzer in Bornheim, das „Rad“ in Seckbach, „Apfelwein Wagner“ auf der Schweizer Straße oder der „Homburger Hof“ in Eckenheim: Alles grün. Im Bahnhofsviertel ist es die „Incantina Enoteca“ in der Taunusstraße, die das To-Go- und Liefergeschäft verringern und wieder „wie früher als Restaurant“ arbeiten will.

Corona-Politik: Gastronomie, Handel und Kultur in Frankfurt fordern grünes Licht

„Gebt uns Gastronomen und unseren Mitarbeitern grünes Licht, wir brauchen eine Perspektive! Natürlich mit Hygienekonzept und dem nötigen Abstand. Wir sind bereit mit Herz und Verstand für unsere Gäste“ lauten die Forderungen und Hoffnungen der Gastronomen. Sie hoffen darauf, dass ihr Zeichen auch in Berlin und Wiesbaden ankommt.

Auch der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen unterstützt die Aktion der Initiative. Er fordert mit Videos und dem Logo einer grünen Glühbirne und den Worten „Wir können. Wir wollen. Wann kriegen wir grünes Licht?“ ebenfalls Perspektiven.

Darum geht es natürlich auch den Kinobetreibern, die sich mittlerweile sogar schon in der Debatte um geschlossene Kultureinrichtungen weitgehend ignoriert fühlen. Das Deutsche Filmmuseum am Sachsenhäuser Mainufer zeigte gestern Abend Filme auf seiner Fassade, das Filmforum Höchst hinter seiner verriegelten Glastür. (Sabine Schramek)

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