Frankfurt am Main
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Sobald die Sonne herauskommt, strömen Menschen in Frankfurt an den Main – wie auf dieser Aufnahme, im Sommer 2020. (Archivfoto)

Pandemie

Verschärfte Corona-Regeln: Mainz macht dicht, Frankfurt nicht

  • vonSarah Bernhard
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In Frankfurt hält das Gesundheitsamt die Corona-Maßnahmen für ausreichend. In Mainz dagegen sind die Regeln drastisch verschärft worden.

Frankfurt – Weil die Inzidenz in Mainz in den vergangenen Tagen von unter 100 auf, Stand Freitag (16.04.2021), 199 gestiegen ist, hat die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt ihre Corona-Maßnahmen deutlich ausgeweitet. Frankfurt hat mittlerweile bereits seit 32 Tagen eine Inzidenz von über 100 – hält eine Verschärfung der Regelungen aber nicht für notwendig.

Zwar lägen die Zahlen auf einem hohen Niveau. „Einen exponentiellen Anstieg, wie in manchen umliegenden Kommunen, gibt es in Frankfurt derzeit nicht“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Stattdessen schwankte die Inzidenz in den vergangenen vier Wochen immer wieder zwischen 120 und 160, genauso wie die Zahl der aktiven Fälle (zwischen 1600 und 1700) und der Intensivpatienten (zwischen 72 und 88). „Gerade deshalb müssen alle Maßnahmen, die die Freiheiten der Bürger weiter einschränken, verhältnismäßig sein.“

Frankfurt: Maskenpflicht und Alkoholverbot „wirksamste Mittel“ gegen Corona

Eine andere Zahl hingegen steige seit Anfang März kontinuierlich: die der Ansteckungen in Privathaushalten. „Wir können die privaten Lebensbereiche nicht allumfassend kontrollieren – und wir wollen das auch nicht“, sagt Majer. Er appelliert deshalb an die Frankfurter, „sich verantwortungsbewusst und solidarisch zu verhalten und die Regeln einzuhalten“.

Sobald die Sonne rauskommt, ist es am Main in Frankfurt proppenvoll – auch in der Corona-Pandemie.

Das Problem, das ganz Deutschland im Moment habe, sei die höhere Ansteckungswahrscheinlichkeit bei der britischen Corona-Variante B.1.1.7. „Punktuelle Nachlässigkeiten“, zum Beispiel jemanden doch schnell zum Kaffee in die Wohnung einzuladen, „fallen jetzt viel mehr ins Gewicht“, sagt der Gesundheitsdezernent.

Außerhalb der privaten Bereiche seien die zwei „wirksamsten Mittel“ gegen Corona in Frankfurt bereits seit langem in Kraft: Maskenpflicht und Alkoholverbot. Ihre Einhaltung werde „durch die Stadt- und die Landespolizei durchgehend kontrolliert“.

Gesundheitsdezernent gegen Ausgangssperre in Frankfurt vor Corona-Notbremse

Davon, noch vor der bundesweiten „Notbremse“ Ausgangssperren zu verhängen, hält Majer nichts: In den vergangenen Wochen habe sich gezeigt, „dass Verwaltungsgerichte Entscheidungen von Kommunen für Ausgangssperren wieder außer Kraft gesetzt haben“. Führe man sie nun ein, und sie würden gekippt, „wäre das Wasser auf die Mühlen der Corona-Leugner“, fürchtet der Gesundheitsdezernent. Dann lieber warten, bis Bund und Länder eine rechtssichere Variante beschließen.

Der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer stimmt Majer zu – aus anderen Gründen. „Es ist kontraproduktiv, wenn jede Kommune ihre eigenen Maßstäbe anlegt, und die eine zumacht und die andere nicht. Das Virus ist überall das gleiche.“ Auch er plädiert deshalb für ein bundeseinheitliches Konzept. „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen das dann auch besser nachvollziehen könnten.“

Die Ärztlichen Direktoren des Uniklinikums und des Klinikums Höchst, Jürgen Graf und Carsten Dalchow, hatten Mitte der Woche für verschärfte Maßnahmen plädiert, bevor die Zahl der Corona-Patienten zu stark steige und eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden könne. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hält sich aus der Diskussion heraus. Es gebe „klare Zuständigkeiten“, für Corona-Maßnahmen sei allein Gesundheitsdezernent Majer zuständig, sagt Feldmanns Sprecher Olaf Schiel. „Das ist eine eingespielte Zusammenarbeit, auf die wir sehr viel Wert legen.“

Zahl der Corona-Ausbrüche in Kitas und Schulen in Frankfurt nimmt nicht zu

Auf einem anderen Feld scheint sich der Kurs des Gesundheitsamts zu bestätigen: Die Zahl der Corona-Ausbrüche in Kitas und Schulen hat in den vergangenen Monaten nicht zugenommen, sagt Dr. Katrin Steul, die im Amt für die Überwachung des Infektionsgeschehens in Kitas und Schulen zuständig ist. Zudem sei die Übertragungswahrscheinlichkeit weiterhin gering: „Bei mehr als 60 Prozent der Fälle in Kitas wurden keine weiteren Fälle gefunden, obwohl ein ungeschützter Kontakt stattgefunden hat“, so Steul.

In den Schulen sei es seit Weihnachten in etwa zwei Dritteln der Fälle trotz ungeschützter Kontakte zu keinen weiteren positiven Fällen gekommen. Der Frankfurter Weg habe sich bestätigt, die Daten aus Schulen und Kitas stünden „im Einklang mit vielen Publikationen aus aller Welt“, sagt Majer. „Mit Einhaltung der Hygieneregeln, insbesondere durch den Einsatz von Masken, können diese Einrichtungen ohne besonderes Risiko betrieben werden.“ (Sarah Bernhard)

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