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Was denn nun: Links die Mass für 8,50 Euro, direkt daneben das Alkoholverbotsschild, drumherum die Wirte Olli Thies, Frank Reichenbach, Thomas Winterhof und Mirko Ferenzcy (v.l.) mit Capri-Getränk in Frankfurt-Sachsenhausen. Laut der Corona-Regeln ist anderes in der Gasse nicht erlaubt.

Frankfurt-Sachsenhausen

Seltsame Corona-Hinweisschilder in Frankfurt gesichtet - „Es wird immer wirrer“

  • vonSabine Schramek
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Die Alkoholverbots-Beschilderung im Kneipenviertel in Frankfurt sorgt für Verwirrung. Viele Gäste sind verunsichert, ob in Kneipen noch Alkohol ausgeschenkt wird.

  • Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in Frankfurt weiter rasant an.
  • Die Stadt Frankfurt hat in der Innenstadt ein Alkoholverbot verhängt.
  • Die Beschilderung der Stadt Frankfurt sorgt für Verwirrung.

Frankfurt - Dass seit Montag auf vielen öffentlichen Plätzen wegen Corona Alkoholverbot gilt, ist eine Maßnahme der Stadt Frankfurt, um Ansteckungen zu verhindern. Deswegen wurden am Mittwoch Plakate aufgehängt, die eine Flasche, ein Cocktailglas und ein Weinglas zeigen. Darunter steht „Alkoholverbot 0-24 Uhr“. In Alt-Sachsenhausen sorgt das für Verwirrung, denn die Schilder vermitteln den Eindruck, als ob im gesamten Viertel nicht getrunken werden darf. Die Wirte sind empört.

Als Geschäftsführer Olli Thies am Mittwoch zu seinem Lokal „Klapper 33“ in Frankfurt kommt, traut er seinen Augen nicht. Ebenso geht es Mirko Ferenczy vom „O‘Dwyers Irish Pub“, Lorna O‘Sullivan (Dauth-Schneider), Thomas Winterhof (Ponyhof) und Ortsdiener Frank Reichenbach. Mehr als 20 bis 30 Plakate hängen an Laternenpfählen in den Gassen. Nicht nur an den Eingängen der Sträßchen, in denen Alkoholverbot auf der Straße gilt, sondern auch direkt vor den Lokalen. In Hessen steigen die Coronazahlen rasant an, viele Städte und Landkreise erlassen daher strengere Regeln.

Frankfurt: Alkoholverbot wegen Corona

Nur auf dem einzigen öffentlichen Platz, dem Paradiesplatz, gibt es keine Beschilderung. "Wer hierher kommt, dreht sofort wieder ab, weil die Leute denken, es gäbe nur noch Süßen und Saft im Viertel", schimpft Thieß über die Corona-Schilder in Frankfurt. "Wir Gastronomen klären das Volk auf und kommen uns jetzt richtig doof vor, den Leuten diese Schilder zu erklären."

Auf den Schildern steht kein Hinweis, dass das Alkoholverbot nur auf den Gassen gilt. Der Nachtclub Ponyhof in Frankfurt ist seit März geschlossen. „Es wird immer wirrer“, stellt sein Wirt fest. Ihn selbst und seinen Club betrifft der Schildbürgerstreich zwar nicht, wohl aber seine Kollegen. „Das ist pure Irreführung der Gäste und sorgt für völlige Verunsicherung bei den Leuten.“

Corona in Frankfurt: Hinweisschilder sorgen für Verwirrung

Auf Facebook zeigt Dauth-Schneider ein Foto mit dem Schild „Alkoholverbot von 0 bis 24 Uhr“ und dem Zusatz: „Aber nicht bei uns, liebe Stadt Frankfurt!“ Auch Wirtin O‘Sullivan ist sauer: „Wir sind Teil der Lösung und nicht das Problem“, schreibt sie. Am neuen Wall hängen allein sechs Plakate auf Deutsch und Englisch, die auf die Corona-Regel hinweisen. In der kleinen Rittergasse hängt eins direkt vor der Eingangstür vom Stevedoo. Und am Oberbayern an einem Laternenpfahl neben dem Werbeschild für eine Mass Bier. „Das ist vorbildlich falsch gemacht“, sagt Reichenbach trocken. „Um 13 Uhr wurde ich schon von Spaziergängern gefragt, ob man in Alt-Sachsenhausen jetzt gar nicht mehr trinken darf.“

Seit zwei Jahren versuchen die Wirte, auf die Stadt Frankfurt einzuwirken, dass Gläser auf den Gassen verboten werden. "Mehr als 40 Unterschriften haben wir gesammelt und Schweigen geerntet", sagt Thies frustriert. Die Bitte und die Unterschriftensammlung haben sie an das zuständige 8. Polizeirevier geschickt. Von dort aus sei es an die Stadt gegangen. "Statt Glasflaschen, Gläser und Messer zu verbieten, was die für die Sicherheit aller helfen würde, sieht das Viertel jetzt nach Capri-Sonne aus", sagt er zynisch. "Wir alle leiden unter Corona und den ständig wechselnden Vorschriften. Wie halten sie ein. Wir wollen das Viertel sicher haben. Aber doch nicht mit so einem Schilderwald, der uns noch die letzten Gäste vertreibt."

Corona-Regeln in Frankfurt: Sperrstunde ist erst um 23 Uhr

Aus seiner Sicht sind die Leute, die sich nachts aggressiv verhalten, keine Kneipengäste. "Die kaufen sich ihren Alkohol woanders und hängen rum, bis sie fast umfallen oder eben richtig aggressiv werden", sagt Thies. Die Wirte sind sich einig, dass das Alkoholverbot auf der Straße und auf den Plätzen in Frankfurt, das Teil von strengeren Corona-Regeln ist, gut ist. "Aber nicht so, dass die Leute den Eindruck bekommen, dass Alt-Sachsenhausen keine Bars und Kneipen mehr hat."

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Frankfurt (22.10.2020)5.58382143,7
Quelle: Hessisches Sozialministerium

Derweil bezahlt ein Mann am Affentorplatz in Frankfurt sein Taxi. Er steigt aus und betritt das Kopfsteinpflaster, sieht das Schild, schaut noch einmal und dreht sich wieder um. "Die ganze Welt ist verrückt geworden. Wieso gibt es hier jetzt ein Ausschankverbot?", fragt er. "Es gibt kein Ausschankverbot", erklärt Ferenczy die Corona-Regeln geduldig. "Auf den Straßen darf nicht getrunken werden. In den Lokalen schon. Bis 23 Uhr. Dann ist Sperrstunde." Der Gastronom versucht zu lächeln. Der Mann bleibt doch da, bestellt am Tresen ein Bier und trinkt es kopfschüttelnd. (Sabine Schramek)

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