Ein Radfahrer fährt am frühen Morgen am Mainufer entlang.
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Frankfurt bleibt Corona-Hotspot. Warum die Zahl der Neuinfektionen nicht signifikant sinkt, hat mehrere Gründe.

Fragen und Antworten

Warum Frankfurt ein Hotspot für Corona bleibt: „Es wird ein hohes Maß an Geduld brauchen“

Frankfurt ist ein Hotspot für Corona. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt trotz neuer Verordnungen und „Lockdown Light“ hoch. Das hat mehrere Gründe.

  • Frankfurt bleibt mit einer 7-Tage-Inzidenz von 215,2 (Stand 20.11.2020) ein Corona-Hotspot in Hessen.
  • Die Gründe dafür sind vielfältig – aber auch die Bevölkerung ist schuld, so das Gesundheitsamt.
  • Viele Corona-Neuinfektionen in Frankfurt entstehen im privaten Umfeld.

Frankfurt – Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 215,2 (Stand 20.11.2020) gehört die Stadt Frankfurt zu den Corona-Hotspots in Hessen. Trotz Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen, „Lockdown Light“ und strengeren Kontaktbeschränkungen sinkt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus kaum. Doch warum gibt es in Frankfurt so hohe Infektionszahlen und was kann die Stadt dagegen tun? Antworten aus dem Gesundheitsamt.

Wieso ist die Zahl der Neuinfektionen in Frankfurt trotz der strengen Verordnungen weiterhin so hoch?

„In einer Metropolregion wie Frankfurt – eine Stadt mit der höchsten Einwohnerdichte in Hessen sowie einer wochentags hohen Anzahl an Pendlern treten erwartungsgemäß höhere Corona-Infektionszahlen auf“, sagt Dr. med. Antoni Walczok vom Gesundheitsamt Frankfurt. Dies zeige sich auch in anderen deutschen Großstädten. Zudem besteht „die Akzeptanz und Beachtung der Coronaverordnungen nicht in allen Bereichen unserer Gesellschaft“.

Corona-Neuinfektionen in Frankfurt am Main(Quelle: RKI/Gesundheitsamt)
20.11.2020+268
19.11.2020+331
18.11.2020+228
17.11.2020+99
16.11.2020+204

Corona in Frankfurt: Bürger müssen AHA-Regeln auch weiterhin einhalten

In Frankfurt gilt an fast allen öffentlichen Plätzen eine Maskenpflicht. Wie kontrolliert die Stadt, dass diese auch überall eingehalten wird?

„Selbstverständlich können die Ordnungskräfte nicht jederzeit und nicht überall die Einhaltung der Corona-Maßnahmen überwachen“, sagt Walczok. Daher sei die Bereitschaft in der Bevölkerung, die notwendigen Maßnahmen wie zum Beispiel die AHA-Regeln zu beachten, wesentlich, um die Neuinfektionszahlen zu reduzieren.

Frankfurt: Deutlich mehr Corona-Neuinfektionen als im Frühjahr

Vor zwei Wochen wurde ein Lockdown-Light beschlossen. Wie fällt Ihre Bilanz zur Halbzeit aus? 

„Im Frühjahr dieses Jahres haben die Beschränkungsmaßnahmen im Rahmen von Corona nach einigen Wochen einen ersten messbaren Rückgang der Neuinfektionen gezeigt“, sagt der Mediziner. Die aktuellen Rahmenbedingungen seien aber andere als im Frühjahr. Gerade befände sich die Stadt in der Herbst- und Wintersaison mit üblicherweise gehäuft auftretenden akut respiratorischen Erkrankungen wie Bronchitis, Rachen- oder Lungenentzündungen. Zudem verzeichne Frankfurt aktuell deutlich höhere Covid-19-Fallzahlen als im Frühjahr.

Eine deutliche Reduktion der Neuinfektionen durch die aktuell geltenden Maßnahmen werde daher deutlich mehr Zeit benötigen als dies im Frühjahr der Fall war. Wie gut beschlossene Maßnahmen und deren Umsetzung wirken, zeige sich üblicherweise immer erst zeitverzögert, sagt Antoni Walczok

Die Anzahl der gemeldeten Coronafälle in Frankfurt. Im Vergleich zur Vorwoche ist die Zahl um 11,3 Prozent gesunken.

Corona-Neuinfektionen in Frankfurt schwer lokalisierbar

Wo lassen sich die meisten Corona-Infektionen lokalisieren? Gibt es Bereiche, in denen besonders viele positive Fälle auftreten?

In Frankfurt lasse sich die Zahl der Neuinfektionen auf eine zumeist diffuse Ausbreitung von Corona-Infektionen in der Bevölkerung zurückführen, sagt Walczok. Das genaue Infektionsumfeld sei dadurch häufig nicht eindeutig zu ermitteln. Vor allem komme es aber im privaten Umfeld und privaten Haushalten zu Übertragungen. „Auch Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen treten wieder vermehrt auf.“

Was ist nötig, um die Zahl der Neuinfektionen langfristig wieder zu senken?

„Es wird ein hohes Maß an Geduld brauchen. Unverzichtbar ist die Unterstützung eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin bei der Umsetzung der Maßnahmen. Das konsequente Einhalten der einfachen und von jeder Person gut umsetzbaren AHA-Regeln, also Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen, insbesondere auch im privaten Umfeld, sind ein äußerst wirksames Mittel bei der Bewältigung der Pandemie.“ Damit könne jeder Mensch aktiv Einfluss auf die Zahl der Neuinfektionen nehmen, sagt Walczok.

Neuinfektionen in Frankfurt: Kein Weihnachtsfest wie in Zeiten vor Corona

Glauben sie, dass die Familien in Frankfurt dieses Weihnachten zusammen verbringen können? 

Ein Weihnachten wie in den Zeiten vor der Corona-Pandemie wird es dieses Jahr nicht geben können.“ Selbstverständlich könnten Familien des gleichen Haushaltes Weihnachten feiern, auf großen Familienfeiern mit vielen Personen aus mehreren Haushalten müssten aber verzichtet werden, sagt Walczok. (Joshua Bär)

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