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Corona in Frankfurt: Friseurin Silke Schnir hat am ersten Tag nach der Corona-bedingten Zwangsschließung ihres Salons direkt wieder gut zu tun.

Waschen, schneiden, Abstand halten

Corona in Frankfurt: Friseure öffnen unter Auflagen – Betriebe wochenlang ausgebucht

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Endlich gehören rausgewachsene Haaransätze, Struwwelkopf und lange Ponys wieder der Vergangenheit an. Friseure in Frankfurt öffnen in der Corona-Krise wieder.

  • In der Coronavirus-Krise hatten die Friseure lange geschlossen
  • Der Grund: das Kontaktverbot
  • Unter strengen Auflagen öffnen sie nun wieder 

Frankfurt – Einfach so hineinspazieren geht nicht. Haare trocken schneiden lassen auch nicht. Zeitschriften sind tabu, ebenso wie die Tasse Kaffee im Salon. Mundschutz ist für Kunden und Friseure Pflicht. Abstand sowieso. Und ohne sich die Hän kurz vorher noch Stühle auf Abstand gerückt, ein Wagen voller Desinfektionsmittel aufgestellt und Einmalumhänge vorbereitet wurden, ist kaum zu merken.

Friseure in Frankfurt öffnen in der Corona-Pandemie wieder: Bis Ende Mai ausgebucht

Das Team besteht aus fünf Mitarbeitern, die im Schichtbetrieb arbeiten. "Damit nicht zu viele Leute im Laden sind", erklärt Angelov. Darum gibt es jetzt nur zwei statt drei Plätze. Das Telefon klingelt ununterbrochen. Ganz Frankfurt will sich die Mähne bändigen lassen. "Bis Ende Mai sind wir schon ausgebucht."

In den Salon von Silke Schnir (52) kommt nur rein, wer klingelt. "Das war immer schon so bei mir", sagt sie. "Ich bin sehr, sehr froh, dass ich wieder arbeiten darf." Um sich auf alle Sicherheitsmaßnahmen einstellen zu können, hat sie ein zweistündiges Webinar der Handwerkskammer mitgemacht. Ihr erster Kunde am Montagmorgen war ein Mann, der als einer der letzten vor dem Lockdown bei ihr war.

"Da galten Friseure noch als systemrelevant", erinnert sie sich. Dass ich ihn nicht trocken schneiden darf, damit keine Viren rumfliegen können, hat er sofort akzeptiert. Und auch, dass ich Buch darüber führen muss, wer wann hier ist. Sogar, dass ich ihm nichts zu trinken oder zu lesen anbieten konnte. Er war einfach glücklich, als er mit frischem Haarschnitt ging." Die ersten Kunden seien sehr verständnisvoll gewesen.

Corona in Frankfurt: Friseure müssen Daten der Kunden wochenlang aufheben

Wegen der neuen Auflagen müssen Friseure die Daten der Kunden drei Wochen lang aufheben, um bei eventuellen Covid-19-Fällen die Infektionsketten zurückverfolgen zu können. Für Schnir selbst gibt es nur wenige Änderungen. "Ich arbeite seit neun Jahren alleine und habe ohnehin jeweils nur einen Kunden hier. Die Stühle stehen weit auseinander und ich habe schon immer fast allen die Haare vor dem Schnitt gewaschen. Mit den Masken ist es nicht so einfach. Ich muss mich wirklich dran gewöhnen, weil das Atmen schwerer fällt. Bei Kunden ebenfalls, weil die Bänder an den Ohren stören."

Ein Tischchen mit Desinfektionsmittel für ihre Kunden hat sie neu aufgestellt. Während des Lockdowns wurde sie von einer ihrer letzten Kundinnen angerufen. "Sie meinte, sie sei die einzige Frau in Frankfurt, die noch mit schönen Haaren rumläuft", erzählt Schnir lachend.

Frankfurt: Friseure in der Corona-Krise – „Die Freizeit hat auch gut getan“

Ganz in Gelb gekleidet steht Zach (35) vor einer ebenso gelben Wand in seinem Salon. Auch er hat zum ersten Mal seit sechs Wochen seinen Salon wieder offen. Den Laden hatte er im November eröffnet. "Die Freizeit hat auch gut getan", sagt der vollbärtige Mann, der seit 15 Jahren als Friseur arbeitet. "Ich habe Freunde und Familie gesehen und bin Motorrad gefahren. Mental musste ich mich erst mal vorbereiten, heute wieder anzufangen. Die Zahl der Anfragen ist enorm", sagt er strahlend.

Auf der großen Holzwerkbank hinter einem schicken 50er Jahre Friseursessel sind Kämme, Bürsten und Desinfektionsmittel aufgereiht. "Dass alles nach jedem Kunden desinfiziert wird, ist doch auch ohne Corona selbstverständlich", sagt er. "Das einzig Schwierige sind die Masken beim Kunden. An den Ohren und bei Koteletten sind die eine echte Herausforderung."

In Frankfurt werden wieder Spielplätze, Museen und der Zoo geöffnet. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt allerdings weiter. Alle Entwicklungen zum Coronavirus in Frankfurt gibt es im News-Ticker für die Stadt.

Die Clubs in Frankfurt stehen wegen der Corona-Krise am Abgrund. Es drohen Insolvenzen, die Soforthilfen sind längst aufgebraucht.

Von Sabine Schramek

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