Corona-Pandemie

Haben die Hessen nichts gelernt? Hamsterkäufe nehmen drastisch zu

  • Marcel Richters
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Leere Klopapier-Regale sind aktuell wieder in vielen Supermärkten Alltag - mit dem Anstieg der Corona-Neuinfektionen sind auch die Hamsterkäufe in Hessen wieder gestartet.

  • In sozialen Netzwerken mehren sich unter dem Hashtag #klopapier Bilder von leeren Regalen.
  • Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes bestätigt jetzt die Hamsterkäufe.
  • Politik und Wirtschaftsverbände haben bereits zu dem Thema Stellung bezogen.

Update vom 22.10.2020, 10.53 Uhr: Eine „Sonderauswertung“ von Kaufverhalten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt, dass Käufe bei Klopapier, Mehl, Hefe, Desinfektionsmitteln und Seife wieder stark zunehmen. Bei Toilettenpapier verdoppelte sich der Umsatz beinahe. Ganze 89,9 Prozent mehr wurde in der Woche vom 12. bis 17. Oktober im Vergleich zum Durchschnitt der Monate August 2019 bis Januar 2020 gekauft. Bei Desinfektionsmittel gab es ein Plus von 72,5 Prozent, bei Seife von 62,3 Prozent. Teigwaren wie Nudeln wurden dagegen zu 0,2 Prozent weniger nachgefragt.

Verkaufe von Klopapier fast verdoppelt

Allerdings herrschen noch keine Verhältnisse wie zur großen Klopapier-Krise im März dieses Jahres. Zu deren Höhepunkt, in der Woche vom 16.03. bis 22.03.2020 hatte sich der Absatz von Toilettenpapier zeitweise mehr als verdreifacht. Seife wurde sogar viermal so oft gekauft, wie sonst. Daneben betonen Politik und Wirtschaftsverbände, dass die Versorgung mit „Gütern des täglichen Bedarfs“ weiterhin gesichert ist. Ein Klopapier-Mangel ist vorerst also nicht zu fürchten, leere Regale deuten vielmehr auf die vielfach kritisierten Hamsterkäufe und temporäre Lieferknappheit hin.

Für seine Statistik hatte das Statistische Bundesamt Daten von Supermärkten im gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Das Amt betont, dass die Daten „experimentellen Charakter“ haben und nur eingeschränkt repräsentativ sind.

Erste Bilder zeigen wieder leere Supermarkt-Regale - auch beim Klopapier

Erstmeldung vom 20.10.2020,11.20 Uhr: Frankfurt – Es klingt ein bisschen wie ein Déjà-vu: die Meldung von Hamsterkäufen aus Angst vor einem erneuten „Lockdown“ wie im Frühjahr. Damals war zeitweise kein Produkt so beliebt, wie Toilettenpapier, auch Nudeln, Mehl und Hefe waren sehr gefragt. Verzweifelte Menschen klapperten die Einkaufsläden ab, in der Hoffnung auf ein Päckchen Toilettenpapier.

Nun häufen sich erneut Meldungen, dass einige Produkte des täglichen Bedarfs wieder knapp würden – auch befeuert durch soziale Netzwerke.

Bilder in sozialen Netzwerken hatten Hamsterkäufe angeregt

In sozialen Netzwerken hatten sich unter dem Hashtag #klopapier zuletzt Bilder gehäuft, die leere Klopapier-Regale zeigten. Hierdurch war die Sorge angeheizt worden, dass bald wieder eine Knappheit bei dem beliebten Alltagsprodukt ausbrechen könnte. Das hatte einige Menschen offenbar wieder zu Hamsterkäufen animiert - in einigen Supermärkten waren die Regale erneut leer.

So unter anderem das Klopapier-Regal in einer Rewe-Filiale in Frankfurt-Rödelheim, das am Montag wie leer gefegt war, wie ein Leser berichtet. Ein anderer Leser sendete ein Bild aus einem Supermarkt in Rodgau (Kreis Offenbach), in dem ein letztes Päckchen Toilettenpapier lag.

Wird Klopapier bald wieder Mangelware? Das Gerücht hält sich derzeit hartnäckig.

Hamsterkäufe wegen Corona: Neben Toilettenpapier auch H-Milch begehrt

Auch in Nordhessen mehren sich Meldungen über Hamsterkäufe*, wie hna.de* berichtet. In Zierenberg (Wolfhager Land im Landkreis Kassel) berichtet ein Edeka-Filialleiter, dass er erneut ein Schild aufstellen musste, dass nur noch zwei Päckchen Klopapier pro Haushalt verkauft werden. „Bei uns haben die Kunden zum Wochenende hin wieder angefangen, mehr auf Vorrat zu kaufen“, sagte er. Auch die Leiterin einer Rossmann-Filiale in Wolfhagen (Kreis Kassel) hat so ein Schild wieder aufstellen müssen: „Montagmorgen haben wir die gelieferte Ware in die Regale eingeräumt, bereits nach zwei Stunden war das komplette Toilettenpapier ausverkauft“.

Politik und Verbände beschwichtigen: „Es gibt genügend Klopapier für alle“

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) verkündet zu den neuesten Hamsterkäufen eine einfache Wahrheit: „Es gibt genügend Klopapier für alle und jeden - und das an jedem Tag.“ Es bestehe keine Gefahr eines Mangels, auch im Frühjahr habe es diesen nicht gegeben, sagte sie gegenüber dem Radiosender hr3. Hamsterkäufe seien daher nicht notwendig.

Ähnlich sieht es der Einzelhandelsverband in Hessen. „Derzeit beobachten wir keine flächendeckenden Veränderungen des Einkaufsverhaltens der Kundinnen und Kunden“, so Verbandspräsident Jochen Ruths. Die Nachfrage gehe nicht über den normalen Bedarf hinaus. Ruths stellte auch klar, dass es trotz steigender Corona-Zahlen keinen Grund für Hamsterkäufe wie im Frühjahr gebe. Denn die Warenversorgung sei stabil. Sorgen um einen Mangel an Nudeln oder Desinfektionsmittel braucht sich demnach niemand machen. (Marcel Richters)

Rubriklistenbild: © Damian Robota

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