Corona in Hessen: Auch in der Mainmetropole Frankfurt wird das öffentliche Leben drastisch heruntergefahren.
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In vielen Stadtteilen von Frankfurt sind hunderte Flyer in Briefkästen gelandet.

Pandemie

Flyer mit Corona-Fake-News in Frankfurt aufgetaucht - Jetzt äußert sich die Polizei

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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  • Friedrich Reinhardt
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Flugblätter mit falschen Informationen über das Coronavirus fluten Frankfurts Briefkästen. Das sagt die Polizei dazu.

  • Sogenannte Corona-Leugner haben Flyer in Frankfurter Briefkästen verteilt.
  • Auf den Flyern stehen Falschinformationen über Covid-19 und die Corona-Pandemie.
  • Die Inahlte der Flugblätter gelten laut der Polizei als freie Meinungsäußerung.

Update vom Dienstag, 10.11.2020, 15.25 Uhr: Die Flyer gegen die Corona-Maßnahmen, die der Polizei in Frankfurt vorliegen, beinhalten keine strafrechtlich verfolgbaren Äußerungen. Das teilte das Polizeipräsidium Frankfurt auf Anfrage mit. Die Polizei habe Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft gehalten und man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Flugblätter als freie Meinungsäußerung einzuordnen seien.

Falschinformationen über das Coronavirus werden in Frankfurt verteilt

Am Riedberg, im Nordend und in weiteren Stadtteilen von Frankfurt verbreiteten Corona-Leugner die Flyer. Auf ihnen sind Falschinformationen über das Coronavirus abgedruckt. Unter anderem werde die Wirtschaft laut den Flugblättern durch unnötige Einschränkungen abgewürgt.

„Wer einen ähnlichen Flyer erhält und den Verdacht hat, dass die Inhalte strafbar sein könnten, sollte sich mit dem Flyer an die Polizei wenden“, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Frankfurt. Dem Einwurf von Flyern könne man grundsätzlich vorbeugen, indem man beispielsweise ein „Bitte keine Werbung“-Hinweis an dem Briefkasten anbringe.

Corona: Flugblätter landen in Frankfurter Haushalten

Erstmeldung vom Dienstag, 10.11.2020, 10.34 Uhr: Frankfurt - Sie leugnen die Corona-Pandemie. Sie verbreiten die Nachricht, eine Impfpflicht drohe. Sie erfinden Geschichten über Kinder, die wegen des Tragens einer Mund-Nase-Bedeckung gestorben sind. Und all diese falschen Informationen landen nun per Flugblatt, verbreitet von Mitgliedern der "Querdenken"-Initiative, Maskenverweigerern und Corona-Leugnern, in Frankfurter Haushalten. So sind Hunderte Flugblätter schon am Riedberg aufgetaucht, ebenso im Nordend. In Bergen-Enkheim sollen sie "flächendeckend" in den Briefkästen gelandet sein, sagt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). "Es gibt kaum einen Haushalt, in dem so ein Flyer nicht lag."

Auf einem der Flyer wird der Eindruck erzeugt, die Infektionszahlen würden nur steigen, weil mehr Abstriche durchgeführt werden und diese zudem fehlerhaft seien. Richtig ist zwar, dass die Zahl der Abstriche von 1,1 Millionen pro Woche im August auf 1,5 Millionen Tests pro Woche Ende Oktober gestiegen ist. Fakt ist aber auch: Während die Zahl der Tests etwa um ein Drittel gestiegen ist, hat sich die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zu August verdreizehnfacht. Das zeigen die Wochenberichte des Robert-Koch-Instituts.

Frankfurt: Hunderte Flyer von Corona-Leugner in Briefkästen - Organisation per Chat

Auch die Aussage, eine Impfpflicht droht, hat keinerlei Substanz. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) betonen stets, dass es keine Impfpflicht geben wird. Und der Ethikrat des Bundestages stellt klar: "Impfungen setzen eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus. Deswegen ist eine allgemeine Impfpflicht auszuschließen." Im Kleingedruckten eines Flugblattes taucht der Name des umstrittenen Arztes und Querdenkers Bodo Schiffmann auf. Ein anderer Flyer ist von der Organisation „Ärzte für Aufklärung“, die die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung als „überzogen“ betrachten.

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) bezeichnet die verbreiteten Informationen der Corona-Leugner und Maskenverweigerer als "hanebüchen". Er selbst habe kürzlich einen Blick in eine Broschüre der "Querdenken"-Initiative werfen können. "Natürlich muss niemand Spaß daran haben, eine Maske zu tragen", sagt Majer. Auch kontroverse Diskussionen seien erlaubt, das gehöre zu einer Demokratie dazu. "Das Allerletzte, was wir jetzt aber gebrauchen können, sind solche Fake News", so Majer. Das Virus schätze solche Verschwörungshypothesen, um sich besonders gut ausbreiten zu können. "Deshalb ist die klare Ansage der Stadt: Wenn die Frankfurterinnen und Frankfurter die Kraft haben, einen Monat konsequent einen richtig guten Mund-Nase-Schutz zu tragen, kann das Virus beherrschbar gemacht werden."

Flyer wie dieser landen zur Zeit in zahlreichen Briefkästen der Stadt.

Nach Recherchen dieser Zeitung organisieren sich die Verteiler der Flugblätter in Chatgruppen des Nachrichtendienstes "Telegram". Sie teilen sich auf, wer in welchem Stadtteil die Flyer in die Briefkästen wirft. So schreibt etwa ein Nutzer einer dieser Chatgruppen, die mehr als 320 Mitglieder hat: "Hätte auch großes Interesse, was auszuteilen, gerade in Oberrad sehe ich nur Schafe stehen." Unter Verschwörungstheoretikern steht das Wort "Schaf" für einen Menschen, der die vermeintliche Wahrheit noch nicht erkannt hat. Ein anderer Nutzer würde gerne vor einer Schule Flyer verteilen und sucht jemanden, der ihn begleitet. Er habe aber kein Geld, um die Flugblätter selbst auszudrucken.

Corona-Flugblätter in Frankfurt verteilt: Kinder sollen gezielt angesprochen werden

Für gestern war ursprünglich eine bundesweite Aktion von den Querdenkern angekündigt. Dabei sollten gezielt Kinder auf ihrem Weg zur Schule angesprochen werden, um sie davon zu überzeugen, die Maske abzulegen. Die Ankündigung war zwar offenbar nur ein Fake, verunsicherte Eltern und Schüler dennoch, zumal jüngst vor Schulen in Darmstadt* und im Kreis Groß-Gerau solche Flugblätter verteilt wurden.

"In Frankfurt hat es bisher aber noch keine solcher Aktionen gegeben", sagt eine Polizeisprecherin. Die Behörde hatte im Vorfeld die Schulen sensibilisiert, wachsam zu sein. "Die Schulen können sich jederzeit an uns wenden, wenn dort Flyer verteilt und Kinder angesprochen werden", so die Sprecherin.

Frankfurt: Corona-Leugner verteilen Flyer - Geschäftsführer des Kinderschutzbundes fassungslos

Vor einer Grundschule in Niederrad wurden am Wochenende allerdings zahlreiche Flugblätter der Maskenverweigerer und Corona-Leugner von einer Spaziergängerin entdeckt. Vorsorglich hatte sie alle eingesammelt und später vernichtet.

Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Frankfurt, machen solche Flugblattaktionen fassungslos: "Die Instrumentalisierung von Kindern ist nicht zu akzeptieren", sagt er und rät Eltern, ihre Kinder über die Sinnhaftigkeit der Masken gut aufzuklären. (Friedrich Reinhardt, Julia Lorenz)

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