Eine Krankenschwester in Schutzausrüstung wird vor einem Krankenhaus, in dem Corona-Patienten behandelt werden, mit Desinfektionsmittel besprüht.
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Nein, so wie Desinfektionsmittel wie auf diesem Symbolfoto wird das Spray, das gegen Corona helfen könnte, vermutlich nicht angewandt. Forscher der Uni Frankfurt setzen dennoch Hoffnung in den Wirkstoff Aprotinin, der bereits gegen Grippe zum Einsatz kommt.

Forschung

Spray gegen Corona: Forscher aus Frankfurt entdecken vielversprechenden Wirkstoff

  • vonTobias Ketter
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Der Wirkstoff Aprotinin könnte im Kampf gegen Corona nützlich sein, wie ein Experiment der Uni Frankfurt zeigt. Ein Spray gegen Grippe könnte auch gegen Covid-19 helfen.

  • Durch den Wirkstoff Aprotinin kann das Coronavirus nicht mehr in die Wirtszellen der Menschen eindringen.
  • Das finden Forscher der Goethe-Universität in Frankfurt heraus.
  • Ein Spray mit dem Wirkstoff wird bereits in Russland im Kampf gegen die Grippe eingesetzt.

Frankfurt – Viele Neuinfektionen, hohe 7-Tage-Inzidenzen und zahlreiche Todesfälle. Das Coronavirus hat Hessen weiterhin fest im Griff. Die neuesten Meldungen des Unternehmens Biontech aus Mainz machen jedoch Hoffnung, dass bald ein Impfstoff gegen Covid-19 eingesetzt werden kann. Nun gibt es weitere gute Neuigkeiten aus der Corona-Forschung. Ein Hemmstoff könnte verhindern, dass Coronaviren an die menschlichen Zellen andocken, wie Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität in Frankfurt herausgefunden haben.

Corona-Forschung in Frankfurt: Virus dockt durch Protein an Wirtszelle an

Das sogenannte „Spike“-Protein, das sich auf der Oberfläche des Coronavirus befindet, wird benötigt, um an Proteine auf der Oberfläche der Wirtszellen der Menschen anzudocken. Bevor ein solches Andocken möglich ist, müssen Teile des „Spike“-Proteins durch Enzyme der Wirtszellen, die Proteasen, abgetrennt werden. So teilt es die Goethe-Universität Frankfurt mit.

Durch ein Zellkultur-Experiment konnte demnach nun nachgewiesen werden, dass der Protease-Hemmstoff Aprotinin die Virusvermehrung in den Zellen stoppen kann, weil Sars-CoV2 dann nicht mehr in die Wirtszellen eindringen kann. Da das Coronavirus nach der Infektion die Bildung von Protease-Hemmern mindere, den sogenannten Inhibitoren, sei Aprotinin offenbar in der Lage, dies zu kompensieren, wie in der Meldung der Frankfurter Goethe-Universität zu lesen ist.

An dem Zellkultur-Experiment war ein internationales Forschungs-Team beteiligt. Geleitet wurde es von Prof. Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt. Außerdem hatten Prof. Martin Michaelis und Dr. Mark Wess, die beide an der University of Kent arbeiten, die Leitung inne. Mitbeteiligt waren zudem Forschende der Medizinischen Hochschule in Hannover.

Corona in Frankfurt: Aprotinin-Spray wird gegen Grippe eingesetzt

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Aprotinin in Konzentrationen gegen Sars-CoV2 wirkt, die wir auch in Patienten erreichen könnten“, sagt Prof. Jindrich Cinatl vom Universitätsklinikum in Frankfurt. Mit Aprotinin habe man einen für eine andere Indikation bereits zugelassenen Wirkstoff-Kandidaten zur Corona-Behandlung, der daher schnell an Patienten getestet werden könne.

AprotininPolypeptid und Proteaseinhibitor
CAS-Nummer: 9087-70-1
Klassifikation: Peptid

Das Aprotinin-Spray ist bereits in Russland zugelassen. Dort wird es laut der Goethe-Universität in Frankfurt zur Behandlung von Influenza-Infektionen eingesetzt. Denn auch Grippe-Viren benötigen Proteasen der Wirtszellen, um in sie einzudringen. (Tobias Ketter)

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