Die Frankfurter Skyline mit Wohnblocks in der Fahrgasse im Vordergrund: Für Normalverdiener sind Wohnungen nicht nur in der Innenstadt kaum noch zu finanzieren.
+
Die Frankfurter Skyline mit Wohnblocks in der Fahrgasse im Vordergrund: Für Normalverdiener sind Wohnungen nicht nur in der Innenstadt kaum noch zu finanzieren.

Leben in Frankfurt

Entwicklung gibt Hoffnung: Stoppt Corona den Mietwahnsinn in Frankfurt?

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

Viele Kündigungen, vor allem bei größeren Wohnungen, könnten den Preisanstieg in Frankfurt bremsen.

Der Wohnungsmarkt in Frankfurt scheint sich leicht zu entspannen, offenbar als Folge der Corona-Pandemie. Denn die Mieten sind zuletzt nicht mehr angestiegen, sondern stagnieren. Allerdings betrifft das wohl vor allem eine bestimmte Wohnungsgröße. Und ob der Trend auch nach Corona anhält, ist offen.

In den Wahlkampfwochen war das Thema omnipräsent: Mietenwahnsinn, horrende Preise für Mietwohnungen, viel zu hohe Mieten - so plakatierten es viele Parteien. Allein: „Die Diskussion entspricht nicht mehr dem Markt“, ärgert sich Jürgen Conzelmann, Vorsitzender des Eigentümerverbands Haus & Grund. Es gebe eine „durchaus veränderte Marktsituation“ - wegen Corona.

Dabei ist das Niveau in der Stadt zweifellos sehr hoch: Mit 15,53 Euro pro Quadratmeter Neubaumiete in 2020 war Frankfurt weiterhin die zweitteuerste Stadt bundesweit nach München mit 18,61 Euro, wie das Onlinedatenbankportal Statista ermittelt hat. Corona allerdings hat den Mietmarkt offenbar eingebremst.

Corona in Frankfurt: Veränderungen auf dem Miet-Markt

So haben die Statista-Experten bei ihrer langfristigen Auswertung der Immobilien-Angebote festgestellt, dass das Niveau ihrer Vergleichskurve im zweiten Halbjahr 2020 bei knapp 13,50 Euro verharrte. Es liegt damit zwar zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Preise für Eigentumswohnungen zogen im Jahresvergleich jedoch deutlich stärker an: um knapp fünf Prozent.

„Da findet ein Veränderungsprozess statt“, schätzt Haus & Grund-Chef Conzelmann. Allerdings betreffe das nur einen Teil des Marktes. So sei die Nachfrage nach Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen weiter „sehr rege“, besonders in zentraler Lage - was kein Wunder sei in der Single-Stadt Frankfurt mit mehr als 50 Prozent Alleinlebenden. Neu sei, dass die Nachfrage mit zunehmender Wohnungsgröße geringer werde, erklärt Conzelmann. Vor allem aus großen Wohnungen zögen Menschen, oftmals Familien, aus.

Corone-Homeoffice in Frankfurt: Lieber ein Häuschen im Umland

Bei Haus &Grund geht man davon aus, dass Homeoffice die Ursache ist. Familien suchten sich für die Mietsumme, die sie für ihre große Wohnung in Frankfurt bezahlten, nun lieber ein Häuschen im Umland zum Kauf, so Conzelmann. Wenn man durchs Arbeiten im Homeoffice nur noch zwei- oder dreimal pro Woche zur Arbeitsstelle in der Stadt pendeln müsse, „ist das nicht so schlimm“.

Diesen Trend bestätigt der Mieterschutzverein Frankfurt. Geschäftsführer Rolf Janßen ermahnt aber Betroffene, die Kosten real gegenzurechnen. Zwar seien große Wohnungen in der Stadt sehr teuer. Angesichts weniger guter Infrastruktur kämen im Umland dann aber andere Kosten auf die Menschen zu, etwa wenn ein Haushalt plötzlich ein zweites Auto anschaffen müsse.

In ihrer Einschätzung der Lage sind sich Mieterschützer und Vermieterverband hingegen uneins. Es gebe „keine erkennbare Veränderung“, sagt Janßen. Durch Corona sei der angespannte Markt „noch problematischer geworden“. Viele Menschen müssten 40 bis 50 Prozent ihres Einkommens allein fürs Wohnen ausgeben. Steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit erschwerten die Lage vieler Mieter. Auch sei die Wohnungssuche weiterhin schwierig. Mit gut sieben Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Frankfurt aktuell rund zwei Prozent höher als noch vor Corona.

„Deutlich entspannter“: Corona verändert den Miet-Markt in Frankfurt

Von Conzelmann kommt Widerspruch: Es gebe eine „durchaus veränderte Marktsituation“, der Wohnungsmarkt sei „ganz klar deutlich entspannter“ - und zwar bei den größeren und großen Wohnungen. Da in den vergangenen Jahren in diesem Segment auch viel gebaut worden sei, sei der Markt durch die aktuell stärkeren Kündigungen „sehr entspannt“. So entspannt, dass Conzelmann bereits „einen immer größeren Überhang“ sieht: „Die Stadt hat mehr als 50 Prozent Singles. Diese wollen keine Vier-Zimmer-Wohnung.“

Angebot groß, Nachfrage niedrig: Drückt das die Preise? Die Situation komme natürlich „eher Mietern zugute, weil sie in Relation für große Wohnungen weniger zahlen“, räumt der Haus & Grund-Chef ein. „Schon länger an einem oberen Punkt angekommen“ sei das Potenzial für Mietsteigerungen. „Die Menschen haben keine Lohnsteigerungen mehr, um mehr zu bezahlen - das ist den Vermietern schon länger klar.“

Mieterschützer Janßen warnt aber davor, mit einer Entspannung zu rechnen. Natürlich könne man problemlos eine Wohnung zu 14 Euro pro Quadratmeter finden. „Aber die wirklich günstigen Wohnungen sind weiterhin rar.“ Viele Menschen könnten sich nicht mehr als sieben oder acht Euro leisten. Insgesamt steige das Mietniveau auch weiter an, mahnt Rolf Janßen. „Es ist vielleicht nicht mehr eine so starke Steigerung.“ (dpg)

Durch komplizierte Förderregeln der Stadt stehen derzeit mindestens 120 nagelneue Mietwohnungen in Frankfurt leer und finden keine Mieter - trotz Wohnungsnot.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare