„Querdenker“ demonstrieren in Frankfurt gegen die Corona-Maßnahmen.
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„Querdenker“ demonstrieren in Frankfurt gegen die Corona-Maßnahmen.

Corona-Pandemie

Maskenpflicht gilt nicht für alle Frankfurter

  • vonSabine Schramek
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In Frankfurt protestieren rund 600 Menschen ohne Maske gegen die Corona-Maßnahmen. Zur gleichen Zeit beschließt der Krisenstab neue Regeln.

  • Auf den Frankfurter Rathenauplatz demonstrieren „Querdenker“ gegen die Corona-Regeln der Politik.
  • Die meisten Protestler tragen dabei keine Maske.
  • Der Krisenstab von Frankfurt beschließt neue Corona-Maßnahmen.

Frankfurt – Der Samstag (24.10.2020) auf der Freßgass‘ bietet ein anderes Bild als vor den Verschärfungen der Stadt in Sachen Corona. Fast jeder trägt Mundnasenschutz. Die wenigen, die sich nicht an die Auflage halten, werden von Stadtpolizisten gestoppt. Die meisten zeigen sofort Einsicht, manche suchen Ausreden und einige beginnen zu diskutieren. Sie werden zur Kasse gebeten. Das gleiche Bild auf dem Opernplatz. Masken fast überall. Bei Passanten, die von der Goethestraße mit teuren Tüten kommen, bei Besuchern der Jahrmarktsstände und des Karussells und bei denen, die die Lokale besuchen wollen. Nur eine Gruppe von etwa 30 Personen neben der Alten Oper steht nah beieinander mit lauter Musik und einigen Transparenten. Maske trägt niemand. „Die sind sehr laut“, bemerken die Stadtpolizisten und telefonieren.

Corona in Frankfurt: „Querdenker“ demonstrieren auf dem Rathenauplatz

Während die Stadt Frankfurt ihre Sitzung des Krisen-Verwaltungsstabes, die für Dienstag angesetzt war, wegen der massiv gestiegenen Infektionszahlen plötzlich auf den späten Samstagnachmittag verlegt, beginnen die „Querdenker“ ihre Kundgebung auf dem Rathenauplatz. Von der Freßgass‘ und aus Richtung Hauptwache kommen Teilnehmer in weißen Schutzanzügen und blauen Kitteln. Sie tragen wenige Plakate, aber Maske. Am Rathenauplatz angekommen, ziehen sie die Masken ab. Von der Bühne aus wird darum gebeten Abstand zu halten, wenn man nicht aus einem gemeinsamen Haushalt käme.

Der Redner verkündet, dass die Stadt Frankfurt zugestanden habe, dass unter Einhaltung der Abstandsregeln für die Besucher der Veranstaltung die Maskenpflicht aufgehoben sei. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort ist, bestätigt das. "Viele haben Atteste dabei und die Stadt Frankfurt hat keine Maskenpflicht auf der angemeldeten Veranstaltungsfläche angeordnet", so ein Polizeibeamter. Drei Stunden lang erzählen Redner zu ihrem Motto "Nicht unsere Normalität". Sie lehnen die Maskenpflicht ebenso ab, wie sie jegliche Regelungen zum Schutz vor einem weiteren Anstieg der Corona-Infektionen nicht akzeptieren.

Proteste in Frankfurt: Abstände werden nicht immer eingehalten

Immer wieder werden Abstände nicht eingehalten, Polizisten reagieren prompt und weisen die Teilnehmer auf die Auflagen hin. Die Beamten ernten genervte Blicke, die angesprochenen Zuhörer gehen einen Schritt zur Seite und bleiben friedlich. Es ist eine skurrile Situation. Direkt gegenüber auf dem Goetheplatz registrieren sich alle Besucher, die zu den Karussells und Ständen hinter einem Zaun mit ihren Kindern möchten. Sie desinfizieren ihre Hände, jeder trägt ohne Murren Maske. Nur wer auf den Bierbänken sitzt, nimmt die Maske ab, um in eine Bratwurst zu beißen. Sowohl Standbetreiber, als auch Besucher verstehen die Veranstaltung auf der anderen Seite des Platzes nicht. „Warum gelten nicht die gleichen Maßnahmen für alle?“, fragt eine Zuckerwatte-Verkäuferin.

Corona-Demo in Frankfurt: Polizei überprüft Personalien

„Keine Maske bei den jetzigen Zahlen kann doch einfach nicht wahr sein“, schimpft ein junger Vater, der seiner siebenjährigen Tochter eine Zuckerwatte spendiert. Die Veranstalter der Kundgebung kümmert das nicht. Erst als die Veranstaltung beendet ist, werden einzelne beim Überqueren der Straße ohne Maske aufgehalten. „Hier gilt Maskenpflicht“, sagt die Polizei und überprüft Personalien. Ebenso, wie Stadtpolizisten es an anderen Stellen der Stadt tun.

Die Sitzung des Krisenstabs der Stadt endet am Abend kurz vor 20 Uhr mit einer Pressemeldung mit der Überschrift „Frankfurt trägt Maske“. Im Großen und Ganzen hat das am Samstag ohnehin fast jeder gemacht. Bis auf die Querdenker - mit Genehmigung. (Sabine Schramek)

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