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Viele Pflegekräfte in Frankfurt gehen nicht in Corona-Quarantäne - obwohl sie müssten.

Corona-Krise

Trotz Corona: Quarantäne-Pflicht für Pflegekräfte wird ignoriert

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Ausländische Mitarbeiter müssen in der Corona-Pandemie nach Einreise zwei Wochen in Isolation. Im Pflegebereich in Frankfurt bleibt die Regel unbeachtet.

  • Pflegekräfte in Frankfurt kommen oft aus Osteuropa
  • Nur die wenigsten Pflegekräfte gehen in Corona-Quarantäne
  • In vielen Bereichen herrscht Unwissenheit

Frankfurt - Die Sachlage ist klar: Jeder, der derzeit aus dem Ausland einreist, muss für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Das gilt auch für Pflegekräfte aus Osteuropa, die zur 24-Stunden-Pflege bei Senioren in deren Wohnung wohnen. Allerdings: Die Regel wird nicht beachtet. Und niemanden schert es.

Keine Online-Informationen bei der Stadt Frankfurt zu Corona-Quarantäne

Der Stadtverordnete Rainer Krug (CDU) wunderte sich darüber, dass er diesbezügliche Informationen nicht auf der Webseite der Stadt Frankfurt findet. Telefonisch habe er niemanden erreicht, schrieb er auf Facebook. Mirco Overländer vom Presse- und Informationsamt der Stadt bestätigt: "Da speziell ältere Menschen, also exakt die beschriebene Zielgruppe, weiterhin verstärkt auf Telefonberatung oder klassischen Schriftverkehr setzen, war eine Online-Information zunächst nachrangig." Dies solle in den nächsten Tagen nachgeholt werden, telefonisch werde man jedoch auf Fachleute im Gesundheitsamt verwiesen.

Keine Kontrolle zu Corona-Qurantäne bei Pflegekräften durch Stadt Frankfurt

Die Regel lautet: Jeder, der aus dem Ausland kommt, muss sich bei seinem Gesundheitsamt melden und eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einhalten. Arbeitskräfte aus dem Ausland müssen dies am Arbeitsort tun. Der Arbeitgeber kann beantragen, dass auf die Quarantäne verzichtet wird. Allerdings gibt es keine Kontrolle darüber, wie viele Pflegekräfte, die aus Osteuropa kommen, ihrer Pflicht folgen und sich beim Gesundheitsamt melden. Die Agenturen, bei denen die Pflegerinnen angestellt sind, könnten beim Gesundheitsamt eine Freistellung von der Quarantäne beantragen. Doch da herrscht noch Unwissenheit.

So berichtet der Standortleiter eines bundesweit tätigen Hamburger Unternehmens: "Wir betreuen in Frankfurt 40 bis 50 Familien und haben noch keinen Mangel an Pflegerinnen." Diese bräuchten nicht in Quarantäne: "Sie steigen in den Bus. Zweimal wird die Temperatur gemessen, beim Einsteigen und beim Aussteigen. Alle haben Papiere und können sofort arbeiten."

Pflegekräfte in Frankfurt - „Niemand war wegen Corona in Quarantäne“

Ein Mitglied der Geschäftsführung eines Unternehmens mit Sitz ganz in der Nähe von Frankfurt berichtet: "An der Grenze gibt es kaum noch Kontrollen. Es hieß ja auch, die Busfahrer müssten in Polen in Quarantäne, weswegen der Preis für die Busfahrten steigen würden. Das ist aber nicht der Fall." Die Preise seien gestiegen, weil die Frauen Abstand halten müssten, die Busse nur noch halb besetzt sind.

Von rund 100 Betreuerinnen in Frankfurt und Rhein-Main, die bei seiner Firma beschäftigt sind, war noch keine in Quarantäne. "Ich wüsste nicht, dass es dazu eine Pflicht gibt. Auch die polnischen Agenturen, die dann ja dafür zuständig wären, haben uns noch nichts gesagt."

Vielfach Unwissenheit zum Thema Corona und Quarantäne bei Pflegekräften in Frankfurt

Nun kommt hinzu, räumt er ein, dass es seit Beginn der Quarantänepflicht am 10. April noch gar nicht so viele Wechsel gegeben habe und viele Frauen, die derzeit in Deutschland sind, ihren Aufenthalt verlängern. Normalerweise wechseln sich immer zwei Frauen in einem Haushalt ab. Trotzdem: Bis jetzt gibt es nicht einmal ein Wissen um die Quarantänepflicht.

Im April war noch die Sorge groß, dass die älteren Menschen nicht mehr betreut würden, weil die Grenzen geschlossen sind. Doch die Kontrollen sind lasch geworden, und das Mitglied der Geschäftsführung mit den rund 100 Seniorenbetreuerinnen berichtet: "Wir spüren eine leicht gestiegene Nachfrage, aber längst nicht so stark, wie wir befürchtet haben."

Ein Branchenexperte vertritt die Auffassung, dass es sich um einen "berufsbedingten und für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland zwingend notwendigen Grenzübertritt einer Pflege- und Betreuungsperson (handelt), die als systemrelevant von einer Quarantänepflicht ausgenommen ist". Mirco Overländer widerspricht: "Es gibt keine automatische Freistellung von der Quarantänepflicht. Die Freistellung kann erfolgen, wenn die Pflegerin Maske, Handschuhe etc. trägt. Dies muss der Arbeitgeber sicherstellen."

Von Thomas J. Schmidt

Wegen der Corona-Pandemie mussten in Frankfurt bereits zwei Pflegeheime unter Quarantäne gestellt werden. Auch dort waren Beschäftigte infiziert gewesen.

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