Rundschreiben veröffentlicht

Demo in Frankfurt: Schulstreik startet – Schüler stellen klare Forderung in Corona-Pandemie

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
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Angesichts der kritischen Corona-Lage in Frankfurt fühlen sich Schülerinnen und Schüler in den Schulen nicht mehr sicher. Sie stellen auf einer Demo klare Forderungen.

  • Der „StadtschülerInnenrat Frankfurt am Main“ fordert eine Verschärfung der Hygieneregeln an Schulen.
  • Frankfurter Schülerinnen und Schüler streiken am Montag (30.11.2020) für mehr Corona-Sicherheit.
  • Sie fordern bei der Demo in Frankfurt unter anderem die Einführung eines Wechselmodells im Unterricht.

Update von Montag, 30.11.2020, 13.20 Uhr: Heute ist es so weit. Schülerinnen und Schüler in Frankfurt gehen auf die Straße, um für bessere Corona-Hygieneregeln an ihren Schulen zu demonstrieren. Bereits um 11 Uhr war ein Treffen der Schüler vor dem Frankfurter Gesundheitsamt geplant. Auf der Demo riefen die Schüler „kalt, kälter, Klassenzimmer“, berichtet die „Hessenschau“. Die Schüler fordern bei dem Schulstreik unter anderem die Einführung eines Wechselmodells im Unterricht, sodass immer nur ein Teil der Klasse vor Ort unterrichtet wird und der andere Teil online von Zuhause am Unterricht teilnimmt.

Wie die Hessenschau weiter berichtet, sollen zwischen 300 und 400 Schüler an der Demo in Frankfurt teilgenommen haben. Während der StadtschülerInnenrat von 400 Teilnehmern spreche, gehe die Polizei von 300 aus.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen in Frankfurt stellen die Schüler bei ihrem Schulstreik die Forderung nach einem Wechselmodell im Unterricht. (Symbolbild)

Schulstreik in Frankfurt: Demo am Montag für bessere Corona-Hygieneregeln an Schulen

+++ 17.25 Uhr: Nassira Benguerich ist Schulsprecherin der Neue Gymnasiale Oberstufe (NGO) Frankfurt. Mit neun anderen Schülerinnen und Schülern aus Frankfurt organisiert sie die Demo, die am Montag (30.11.2020) stattfinden wird. „Wir treffen uns um 11 Uhr am Gesundheitsamt“ berichtet sie. Von dort werde der Zug in Richtung Römer gegen 12 Uhr starten. Etwa 100 bis 200 Teilnehmende erwarten sie und das Organisatorenteam bei der Veranstaltung, die gegen 14 Uhr enden soll.

Unterstützt werde das Team von einem Teil der Schülerschaft, die bei der Demo darauf achten, dass Corona-Abstände eingehalten werden und alle eine Maske tragen, so Benguerich. Auch die Elternvertretung der NGO hilft aus und stellt Lautsprecher und Warnwesten zu Verfügung.

Schüler in Frankfurt demonstrieren für bessere Hygienemaßnahmen

Mit der Demo erhoffen sich die Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt auf die Missstände aufmerksam zu machen und eine Lösung des Problems zu finden. „Wir sind bereits im Gespräch mit Schülern aus anderen Städten um uns zu vernetzen“, das passiere hauptsächlich über das soziale Netzwerk Instagram.

Narissa Benguerich erklärt, wieso die Demo so wichtig ist: „In meinem größten Kurs sitze ich mit 27 weiteren Schülerinnen und Schülern, wir haben keine 30 Zentimeter Abstand zueinander“. Zwar herrsche Maskenpflicht im Unterricht und im Schulgebäude, doch „ziehen wir die Masken zum Essen und Trinken ja trotzdem ab“. In genau diesem Kurs habe es sogar bereits einen Corona-Fall gegeben, erzählt die Schulsprecherin. „Es mussten nicht mal alle ihre Kontaktdaten irgendwo hinterlassen“, ärgert sie sich.

Frankfurts Schülervertretung fordert wegen Corona die Verschärfung der Hygienemaßnahmen an Schulen. (Symbolbild)

Auf Unterstützung der Schulleitung hofft sie vergebens, sagt sie. „Unsere Schulleitung wartet auf Instruktionen des Kultusministeriums. Aber das ist ein Problem, denn die aktuellen Maßnahmen reichen einfach nicht aus“. Dabei dürften Schulen in Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 200 individuell die Hygienemaßnahmen anpassen. „Das passiert bei uns leider nicht“. Ebenso müssten alle, die an der Demo teilnehmen, mit einer unentschuldigten Fehlstunde im Zeugnis rechnen.

Corona in Frankfurt: Schüler fühlen sich nicht sicher

Update vom Freitag, 27.11.2020, 06.44 Uhr: Am Montag (30.11.2020) ist Schulstreik: Das kündigt der „StadtschülerInnenrat Frankfurt“ an. „Wir unterstützen den Aufruf von mittlerweile sieben Schülervertretungen Frankfurts für Wechselunterricht und ein neues Infektionsschutzkonzept an den Schulen.“

In einem offenen Brief an die zuständigen Stellen und einer Rundmail an diverse Medienhäuser hatte das Organisationsteam am Mittwoch auf die Aktion aufmerksam gemacht. (tli)

In einem Rundschreiben an verschiedene Medienvertreter hatte die Schülerschaft ihren Wunsch nach verschärften Hygieneregeln und Unterricht im Wechselmodell an Frankfurts Schulen geäußert. Derweil will die erste Schule in Frankfurt wegen Corona Wechselunterricht beantragen.

Schülerinnen und Schüler in Frankfurt fühlen sich wegen Corona nicht sicher. Deshalb kündigen sie einen Schulstreik an. (Symbolbild)

Schüler in Frankfurt drohen wegen Corona mit Streik

Erstmeldung vom Mittwoch, 25.11.2020, 14.08 Uhr: Frankfurt – Die Schülervertreter von sechs weiterführenden Schulen in Frankfurt drohen, in Hinblick auf die steigenden Corona-Zahlen in Hessen, mit einem Streik „da der Mindestabstand zurzeit an den meisten Schulen nicht einhaltbar ist und wir uns von Masken alleine nicht genug geschützt fühlen“. So heißt es in ihrer Rundmail an zahlreiche Medien. Der Streik am Montag (30.11.2020) soll mit einer Demo vor dem Frankfurter Gesundheitsamt verstärkt werden.

Die Schülerschaft fühle sich durch die derzeit geltenden Hygienevorschriften zur Sicherheit vor Corona für Hessens Schulen nicht sicher, habe Angst selbst infiziert zu werden und unkontrolliert andere anzustecken. Es sei „ein psychischer Druck, mit dieser Angst zu leben, vor allem für diejenigen, die einer Risikogruppe angehören“, heißt es in dem Rundschreiben.

Frankfurts Schülervertretung fordert wegen Corona die Verschärfung der Hygienemaßnahmen an Schulen. (Symbolbild)

Corona in Frankfurt: Schülervertreter rufen zu Streik auf

Weiter schreiben Frankfurts Schülervertreter: „Trotz des neuen Lockdowns sind die Infektionszahlen nicht deutlich gesunken und das besorgt uns, denn die Schule stellt für viele Schüler*innen das größte Sicherheitsrisiko dar. Wir fühlen uns mit den jetzt getroffenen Maßnahmen in den Schulen nicht mehr geschützt. Sollten Sie unsere Forderungen nicht erhören und die momentane Situation verbessern, werden wir als Schülerschaft für unsere Rechte einstehen und streiken.“

Frankfurts Schülervertretung fordert in ihrem offenen Brief eine Verschärfung der Corona-Hygieneregeln auf Stufe 3. Also die Wiederaufnahme des Wechselmodells, wie es bereits im Sommer 2020 praktiziert wurde. Dabei wechseln sich feste Lerngruppen in verkleinerter Gruppengröße im Präsenz- und Distanzunterricht ab.

Corona in Frankfurt: Schüler fühlen sich nicht sicher

Auch den Schulweg empfinden viele Schülerinnen und Schüler in Frankfurt als besorgniserregend, denn die öffentlichen Verkehrsmittel seien zu den Stoßzeiten überfüllt und stellen „neben der Schule das größte Sicherheitsrisiko“ dar, heißt es in dem Schreiben. Zudem seien gewartete Luftfilter für die Klassenräume nötig, um für mehr Schutz und weniger Kälte durch regelmäßiges Lüften im Winter zu sorgen.

Frankfurts Schülervertretung schlägt zudem in ihrem Schreiben konkrete Ergänzungen zum Wechselmodell vor, wie beispielsweise Notbetreuungen und digitale Lehrerfortbildungen. Auf den Internet-Plattformen Twitter und Instagram ruft die Schülervertretung unter dem Hashtag #schulstreik_3011 aktiv zur Solidarität ihrer Mitschüler auf. In ihrem Schreiben appelliert die Frankfurter Schülervertretung: „Wir bitten Sie, unsere Forderungen und Ängste ernst zu nehmen und dementsprechend zu handeln!“

Das Gesundheitsamt Frankfurt bearbeitet derweil Corona-Fälle an etlichen Schulen. An einem Gymnasium regt sich Unmut gegen die Behörde. Der Schulelternbeirat fordert mehr Transparenz. Und auch die Frage, wer aus der Schule in Quarantäne muss, wenn ein Lehrer oder Schüler positiv auf Corona getestet wird, beantwortet das Gesundheitsamt sehr unterschiedlich. (Theresa Lippe)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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