An Silvester sind Polizei und Rettungskräfte in Frankfurt jedes Jahr im Großeinsatz. Wegen Corona soll das Feuerwerk 2020 stark eingeschränkt werden.
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An Silvester sind Polizei und Rettungskräfte in Frankfurt jedes Jahr im Großeinsatz. Wegen Corona soll das Feuerwerk 2020 stark eingeschränkt werden. (Archivbild)

Corona-Pandemie

Silvester in Frankfurt: Stadt plant Feuerwerk-Verbot für bestimmte Zonen

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
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  • Tobias Ketter
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Die Bundesländer einigen sich auf Regeln zum Feuerwerk an Silvester 2020. Auch an bestimmten Orten in Frankfurt soll Böllern verboten werden.

  • Deutschlandweit diskutieren Politiker über ein Verbot von Feuerwerk wegen der Corona-Krise.
  • Die Bundesländer einigen sich für Silvester 2020 auf einen Kompromiss.
  • Auch Frankfurt plant ein Verbot von Feuerwerk – aber nur an bestimmten Plätzen.

Update vom Dienstag, 24.11.2020, 10.54 Uhr: Die Bundesländer haben sich in der Debatte über ein mögliches Feuerwerksverbot an Silvester 2020 wegen Corona wohl auf einen Kompromiss geeinigt. Das Böllern soll auch in diesem Jahr grundsätzlich erlaubt sein, wie das Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ berichtet. Darauf hätten sich die SPD- und CDU-geführten Bundesländer am Montagabend (23.11.2020) in einer gemeinsamen Telefonschalte verständigt.

Das Zünden von Feuerwerk „an belebten Plätzen und Straße“ solle aber verboten werden, heißt es dem Bericht zufolge in dem gemeinsamen Beschluss der Länder. Auch soll es keine öffentlich veranstalteten Feuerwerke geben. Die Stadt Frankfurt plant für Silvester ein Feuerwerksverbot auf öffentlichen Plätzen*, berichtet fr.de. Ganz verboten wird die Knallerei allerdings nicht. Die Entscheidung darüber soll diese Woche im Römer fallen.

Frankfurts OB zu Silvester-Feuerwerk und Corona: „Dann hat das Virus freie Bahn“

Update vom Donnerstag, 19.11.2020, 15.25 Uhr: Nachdem Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer und der Leiter des Gesundheitsamtes, René Gottschalk, sich bereits skeptisch gegenüber einem Feuerwerk in Frankfurt zu Silvester gezeigt hatten, meldet sich nun auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann zu Wort.

Feldmann sagte gegenüber der „Bild“-Zeitung: „In diesem Winter sind ausgelassene größere und alkohollastige Silvester-Feiern oder großes Feuerwerk mit vielen Menschen auf einer Stelle völlig fehl am Platz. Wenn Tausende dicht an dicht auf dem Eisernen Steg und am Main die Nacht zum Tag machen, hat das Virus freie Bahn – das müssen wir verhindern. Wir werden im Magistrat und im Verwaltungsstab beraten, welche Möglichkeiten wir haben, dem einen Riegel vorzuschieben.“

Bislang ist allerdings noch keine Entscheidung gefallen, ob es in der Corona-Krise ein Feuerwerk in Frankfurt geben wird. Kritiker erwarten, ähnlich wie bei der Sperrstunde der Gastronomie, Klagen und Beschwerden aus der Bevölkerung. Wenn es schon keine Partys geben wird, solle man den Leuten zumindest das Feuerwerk lassen.

Corona und Silvester in Frankfurt: Bereits Feuerwerk-Verbot in den Niederlanden

Erstmeldung vom Mittwoch, 18.11.2020, 12.57 Uhr: Frankfurt – Bunte Raketen am Nachthimmel, laute Böller explodieren auf dem Boden und Wunderkerzen sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Auf die Silvesternacht mit dem dazugehörigen Feuerwerk freuen sich Jahr für Jahr auch viele Menschen in Frankfurt. Doch wird es im Jahr 2020 überhaupt ein Feuerwerk in der Mainmetropole geben? Aufgrund der Corona-Krise ist erneut die Diskussion über ein Verbot von Feuerwerk an Silvester in Deutschland und damit auch in Frankfurt entfacht.

In den Niederlanden ist ein solches Verbot bereits beschlossen worden. Das Hauptargument dort: Durch Feuerwerk verursachte Verletzungen belasteten die für die Behandlung von Corona-Patienten notwendigen Kapazitäten der Krankenhäuser. Das erklärte die Regierung von Premier Mark Rutte. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht das ähnlich. Geschäftsführer Jürgen Resch griff die Argumentation aus den Niederlanden auf und forderte ein Feuerwerksverbot für das Corona-Jahr. Die Argumente gegen Pyrotechnik und für ein böllerfreies Silvester seien „überwältigend“ so Resch. „Zusammen mit Covid-19“ seien sie „noch alarmierender“. Der Verband forderte alle deutschen Kommunen auf, „alle bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um private Feuerwerke zu verbieten“.

In einem Interview der „Bild“ äußerten sich kürzlich auch der Gesundheitsamtsleiter von Frankfurt, René Gottschalk, und Gesundheitsdezernent Stefan Majer zum möglichen Verbot von Feuerwerk an Silvester. Majer kann sich kaum vorstellen, dass es in diesem Jahr ein Feuerwerk mitten in Frankfurt geben werden. „Ich fand immer schon die Übertagung des Feuerwerks aus Sydney spektakulärer als den Feuerwerksnebel am Mainufer. Man wird es überleben, dieses Jahr Silvester vor dem Fernseher zu verbringen und Feuerwerke darüber anzusehen“, so der Gesundheitsdezernent. Gottschalk sieht das ähnlich: „In der Stadt, tausende Menschen dicht zusammengedrängt, die Kracher abschießen: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte er.

Böller können gefährlich sein: Jedes Jahr an Silvester gibt es zahlreiche Verletzte, so auch an Frankfurt.

Volle Krankenhäuser wegen Corona: Politiker in Frankfurt wollen Feuerwerk an Silvester verbieten

Die Meinung der beiden Frankfurter teilen auch einige Politiker in ganz Deutschland. Besonders in Berlin werden Stimmen laut, die derselben Ansicht wie Gottschalk und Majer sind. Die Grüne-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus von Berlin, Antje Kapek, twitterte am Samstag (14.11.2020), „Berlin und Deutschland“ sollten dem Beispiel der Niederlande folgen. „Unsere Krankenhäuser haben schon Covid-19. Das reicht“, erklärte sie. Zuspruch gibt es von den Grünen aus Bayern. Die Landtagsfraktions-Chefin Katharina Schulze unterstütze die Aufforderung von Kapek „aus vollem Herzen“.

Anders sieht das Peter Preuß, Gesundheitsexperte der CDU, wie der Münchner Merkur berichtet. „Ich kann Ihnen versichern: Niemand will den Jahreswechsel verbieten“, sagt Preuß. Nordrhein-Westfalens FDP-Fraktionschef Christof Rasche erklärte, er halte ein Verbot für „überzogen“.

Erste Händler haben nun beschlossen, in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper zu verkaufen. Dazu gehören Obi und Hornbach. Das betrifft auch die Stadt Frankfurt. „Wir haben uns als Unternehmen dazu entschieden, in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper anzubieten“, sagte ein Sprecher von Obi gegenüber „chip.de“. Die Supermarktketten Rewe und Edeka werden nur in einzelnen Filialen Feuerwerk anbieten. Aldi Süd hält sich noch offen, den Verkauf von Feuerwerk abzusagen. Ob es im Dezember bei Kaufland Raketen und Böller zu erwerben gibt, ist derzeit noch nicht klar. „Die aktuelle Diskussion zum Thema Feuerwerksverbot an Silvester verfolgen wir sehr aufmerksam. Sollte es entsprechende Reglementierungen geben, werden wir diese selbstverständlich einhalten“, so Kaufland.

Feuerwerk an Silvester in Frankfurt: Verbot trotz Corona unverhältnismäßig

Gegen ein Verbot von Feuerwerk an Silvester in Deutschland und damit auch in Frankfurt spricht sich der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) aus. Diese Forderung sei unverhältnismäßig. Es sei verwunderlich, wie Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe in seiner Argumentation gegen das Silvesterbrauchtum immer flexibler werde, merkt VPI-Vorstandsvorsitzender Thomas Schreiber an. „In der letzten Woche waren es noch die angeblichen Zusammenhänge zwischen Feinstaub durch Feuerwerk und schweren Covid-19-Krankheitsverläufen. Jetzt, da sich hierzu bereits einige Mediziner und Experten zu Wort gemeldet und einen direkten Zusammenhang ausgeschlossen haben, kommt die Vorlage von den Nachbarn natürlich gerade recht“, sagt Schreiber.

Der Verband sieht eine große Gefahr darin, dass sich viele Menschen im Falle eines Verkaufsverbots von Raketen und Böllern illegale Feuerwerkskörper beschaffen, die eine große Verletzungsgefahr darstellen. „Hier sollte die Politik lieber dafür sorgen, dass illegale Einfuhren stärker kontrolliert werden. Ein Verbot der zugelassenen und sicheren Artikel treibt im schlimmsten Fall sogar mehr Menschen ins Krankenhaus.“  Der VPI ist sich sicher, dass in diesem Jahr gerade das private Silvesterfeuerwerk dazu beitragen kann, die geltenden Regelungen der Länder zu Personenzahlen und Abständen mit kleinen, überschaubaren Feierlichkeiten in Einklang zu bringen.

Corona in Frankfurt: Weihnachten nur mit Abstand und Maske

Ob es in sechs Wochen ein Feuerwerk in Frankfurt geben wird, ist weiter offen. Bessere Aussichten scheint es für das Weihnachtsfest zu geben. „Weihnachten kann man nicht absagen. Aber nur mit Abstand oder Maske. Die Kirchen haben gesagt, sie feiern die Christvespern draußen. Das ist vertretbar“, so Frankfurts Gesundheitsdezernent Majer gegenüber der „Bild“. Gesundheitsamtsleiter Gottschalk ist der Meinung, man solle Weihnachten wegen Corona „am besten per Zoom“ feiern. „300 Kilometer zu Oma und Opa zu fahren, sollte man auf keinen Fall tun.“ (Tobias Ketter) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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