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Corona in Frankfurt: Detail aus Statistik überrascht

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Von: Julia Lorenz

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In Bus und Bahn sanken im ersten Pandemiejahr 2020 die Fahrgastzahlen um ganze 41 Prozent.
In Bus und Bahn sanken im ersten Pandemiejahr 2020 die Fahrgastzahlen um ganze 41 Prozent. © dpa

Weniger Unfälle, weniger Neubürger, mehr Schulden: Die städtische Statistik für das Jahr 2020 liegt vor. Wir haben die wichtigsten Zahlen und Fakten über Frankfurt aus dem Jahr 2020 zusammengefasst.

Frankfurt – Stagnierende Bevölkerungszahlen, weniger Steuereinnahmen, weniger Mini-Jobs, weniger Touristen, weniger Gäste im öffentlichen Nahverkehr, aber auch weniger Unfälle und Straftaten: Stadträtin Eileen O'Sullivan (Volt), auch zuständig für das Bürgeramt, Statistik und Wahlen, hat am Mittwoch das Statistische Jahrbuch von Frankfurt vorgestellt, mit für sie erwartbaren, aber auch verblüffenden Kennwerten. "Die Lebensweise der Menschen hat sich verändert", sagte O'Sullivan. "Das erkennt man auch in der städtischen Statistik."

Bevölkerung: "Die Pandemie brachte das Frankfurter Bevölkerungswachstum im Jahresverlauf 2020 fast vollständig zum Erliegen", sagte O'Sullivan. So sei im gesamten Jahr ein Zuwachs von 0,4 Prozent, oder anders ausgedrückt: von 273 Neu-Frankfurtern registriert worden. Ende 2020 lebten 758 847 Menschen in der Stadt. "Das war das geringste Bevölkerungswachstum seit 2001", so die Stadträtin. Im ersten Halbjahr 2021 sei die Einwohnerzahl sogar rückläufig gewesen und erstmals seit Februar 2019 unter die 750 000er-Marke gerutscht - und zwar auf 749 421. Der Rückgang sei zum großen Teil aber auf die Bereinigung des Melderegisters nach der Kommunalwahl zurückzuführen.

Frankfurt: Zahl der Geburten ist im Corona-Jahr zurückgegangen

Zuzüge- und Wegzüge: Was die stagnierende Zahl der Bevölkerung bereits erahnen lässt: Es hat 2020 viel weniger Zuzüge, aber auch weniger Wegzüge als noch im Jahr zuvor gegeben. So gab es 2020 "nur" 50 075 Zuzüge, das waren 21 Prozent weniger als noch 2019. Zudem gab es 10,5 Prozent weniger Wegzüge.

Haushalte: Die Zahl der Haushalte ist 2020 allerdings leicht gestiegen. Während es 2019 noch 408 355 Haushalte gab, waren es im vergangenen Jahr 412 046. Die Zahl der durchschnittlich in einer Wohnung lebenden Personen lag allerdings - wie bereits seit 2018 - unverändert bei 1,87. In 53 Prozent der Haushalte lebte 2020 nur eine Person, in 18,4 Prozent Paare und Ehepaare ohne Kinder, in 14,7 Prozent Familien mit Kindern. In 4,1 Prozent der Haushalte lebten Alleinerziehende.

Geburten und Ehen: Im Corona-Jahr 2020 ist auch die Zahl der Geburten zurückgegangen - zumindest leicht. Erblickten 2019 noch 8787 Kinder in Frankfurt das Licht der Welt, waren es im vergangenen Jahr 309 Kinder weniger, nämlich 8478. Davon waren 4080 Mädchen und 4398 Jungen. Auch die Zahl der Eheschließungen war rückläufig. Sie sank von 3171 Ja-Worten im Jahr 2019 auf 2734 ein Jahr später. Gleiches gilt für Scheidungen. 81 Paare weniger ließen sich scheiden. In harten Zahlen ausgedrückt gab es im Jahr 2020 exakt 1609 Scheidungen.

Städtische Statistik für das Jahr 2020: So hat sich Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt

Bauen: Die Fertigstellungen von Wohnungen stiegen auch in 2020 weiter - nachdem sie 2017 eingesackt waren. Die Statistiker registrierten 4697 mehr Wohnungen - ein Plus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 65,4 Prozent davon waren Ein- bis Zwei-Raum-Wohnungen. Die Zahl der Baugenehmigungen hingegen sank abermals. 2020 gab es 4703 Baugenehmigungen - ein Minus von 15,7 Prozent im Vergleich zu 2019. "Zwischen der Baugenehmigung und der Fertigstellung liegen meist ein bis zwei Jahre", sagte O'Sullivan. "Somit sind gesamtgesellschaftliche Veränderungen nur verzögert abbildbar."

Arbeitsmarkt: Die Corona-Krise hat sich natürlich auch auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. So sank etwa die Zahl der Betriebe zum ersten Mal seit 2006 und zwar von 25 507 Betrieben in 2019 auf 25 405 in 2020. Gleiches gilt für die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die um 9759 auf 604 512 sank. Wenig verwunderlich: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen reduzierte sich auf 18 752 - ein Minus von 15,7 Prozent. "Die Pandemie hat besonders stark die Beschäftigten in Mini-Jobs getroffen", sagte O'Sullivan. Gab es 2019 noch 45 978 Beschäftigte mit einem Mini-Job, waren es ein Jahr später nur noch 40 767 - ein Minus von 11,3 Prozent. Zudem gab es im vergangenen Jahr 8815 Arbeitslose mehr.

Tourismus: "Die Pandemie hat auch den positiven Trend im Tourismus gebrochen", sagte O'Sullivan. Ihren Angaben zufolge ging die Gästezahl um rund vier Millionen zurück (minus 65 Prozent). Die Zahl der Übernachtungen sank um 62 Prozent auf 4,1 Millionen. Zudem gab es Ende 2020 87 Beherbergungsbetriebe weniger als noch 2019 - ein Minus von 28 Prozent.

Bahnfahren in Frankfurt in Zeiten von Corona: Minus von 41,2 Prozent

Bus und Bahn: "Durch Homeoffice und den Umstieg auf das eigene Fahrzeug hat auch der öffentliche Nahverkehr Fahrgäste verloren", bilanzierte die Stadträtin. Nutzten 2019 noch 251,4 Millionen Fahrgäste Bus und Bahn, waren es im vergangenen Jahr 147,9 Millionen Menschen - ein Minus von 41,2 Prozent. "Durchschnittlich betrug der Verlust 284 000 beförderte Personen pro Tag", so O'Sullivan.

Unfälle: "Ein positiver Effekt der gesunkenen Mobilität ist, dass weniger Straßenverkehrsunfälle stattfanden", stellte O'Sullivan fest. Insgesamt kam es zu 20,6 Prozent weniger Verkehrsunfällen. In Summe gab es im vergangenen Jahr 3148 Unfälle. Insgesamt wurden dabei 588 Menschen verletzt, 19,7 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Straftaten: Erfreut äußerte sich die Stadträtin auch darüber, dass die Zahl der Straftaten um ein Zehntel auf insgesamt 102 897 zurückging. Der Großteil waren Eigentumsdelikte. Die Aufklärungsquote lag bei 68 Prozent.

Nahverkehr in Frankfurt
Der öffentliche Nahverkehr in Frankfurt verliert Fahrgäste. © traffiQ, Lokale Nahverkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH

Energie: "Verblüfft" zeigte sich O'Sullivan ob der Tatsache, dass der Stromverbrauch der Privathaushalte trotz der Arbeit im Homeoffice und der mangelnde Gelegenheiten, die eigene Wohnung zu Freizeitaktivitäten zu verlassen, nur moderat gestiegen war. Er war lediglich um 2,4 Prozent gestiegen und lag damit innerhalb der normalen Schwankungen der vergangenen Jahrzehnte. Zugleich war aber auch kein signifikanter Rückgang beim gewerblichen Stromverbrauch festzustellen.

Finanzen: Einen deutlichen Einbruch gab es allerdings nach Angaben der Statistiker bei der Gewerbesteuer. Sie brach 2020 um 25 Prozent ein und sank um 5,2 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro. Der Schuldenstand wuchs gleichzeitig um 257 Millionen Euro auf 2,13 Milliarden Euro - ein Plus von 13,7 Prozent. (Julia Lorenz)

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