Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer in seinem Labor in Frankfurt am Main.
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Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hält Ausnahmen bei den Kontaktbeschränkungen an Weihnachten für zu riskant.

Coronavirus

„Hätte bis Anfang Januar keine Ausnahmen gemacht“ Virologe kritisiert mögliche Ausnahmeregel an Weihnachten

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sieht keinen Grund für Lockerungen der Corona-Maßnahmen an den Weihnachtsfeiertagen und plädiert für strenge Kontaktbeschränkungen.

Frankfurt - Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 20. Dezember, private Treffen nur noch mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten, Wechselunterricht in den Schulen: Am Mittwochnachmittag (25.11.2020) beraten Bund und Länder über neue Corona-Maßnahmen für den Winter. Unter anderem sollen an Weihnachten Ausnahmen für die Kontaktbeschränkungen beschlossen werden. Die Länder haben sich bereits am Montag (23.11.2020) darauf verständigt, dass sich an den Weihnachtsfeiertagen mehrere Haushalte treffen dürfen, maximal aber zehn Personen.

Virologe Stürmer sieht Corona-Ausnahmen für Weihnachten als „hochriskant“

Diese Regelung stößt bei Martin Stürmer auf Unverständnis. Der Frankfurter Virologe und Leiter eines Labors bezeichnet die möglichen Lockerungen über Weihnachten in einem Interview mit hessenschau.de als „hochriskant“. Stürmer sehe den bisherigen Teil-Lockdown zwar als Erfolg, die Infektionszahlen seien aber noch zu hoch, um über Lockerungen an Weihnachten nachzudenken: „Ich hätte bis Anfang Januar keine Ausnahmen gemacht, sondern die Regeln durchgezogen“ Für ihn seien an den Feiertagen besonders ältere Menschen der Gefahr einer Corona-Infektion ausgesetzt. Bei dieser Bevölkerungsgruppe gebe es häufiger einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf, sagt der Virologe. Bereits in Sommer hatte Stürmer die damaligen Corona-Lockerungen des Landes Hessen kritisiert.

Corona: Virologe plädiert für Entzerrung des öffentlichen Nahverkehrs

Stürmer spricht sich zudem für weiterführende Corona-Maßnahmen an Schulen aus. So wünsche sich der Virologe in Zeiten hoher Neuinfektionen beispielsweise Homeschooling oder Wechselunterricht. Auch der Einsatz von Luftreinigungsgeräten könnte die Aerosol-Konzentration in den Klassenzimmern deutlich senken. „Auch die häufige Enge in vollen Schulbussen und überhaupt im öffentlichen Nahverkehr müsste endlich entzerrt werden“, meint Stürmer.

Virologe Stürmer glaubt trotz Impfstoff nicht daran, dass das Coronavirus verschwindet.

Dass das Coronavirus durch den entwickelten Impfstoff verschwindet, glaubt Stürmer nicht. Der Virologe sei zwar über die Zwischendaten der Impfstoffhersteller erfreut, doch wie lange deren Wirkung wirklich anhalte, sei noch nicht ausreichend erwiesen: „Zurzeit reden wir da gesichert erstmal über vier bis sechs Wochen.“ Daher würden sich auch nach einer flächendeckenden Impfung weiterhin Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Zudem könne das Coronavirus auch mutieren, glaubt Stürmer. „Das wird uns noch weiter beschäftigen“, versichert Stürmer. (Joshua Bär)

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