Bauen in Frankfurt: Corona bremst den Neubau von Wohnungen. (Symbolbild)
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Bauen in Frankfurt: Corona bremst den Neubau von Wohnungen. (Symbolbild)

Frankfurter Stadtentwicklung

Corona bremst das Bauen aus – Tausende Wohnungen trotz Genehmigung noch nicht gebaut

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Folgen der Pandemie treffen auch den Wohnungsbau in Frankfurt: Investoren halten sich bei Wohnungen, Büros und Flughafen zurück.

Frankfurt – Corona hat 2020 eine massive Bremsspur bei den Bauinvestitionen hinterlassen. Viele Investoren hielten sich mit dem Planen neuer Projekte zurück - bei Büros, am Flughafen Frankfurt und im Wohnungsbau. Das ergibt eine Bilanz der Bauaufsicht der Stadt. Die Folgen dürften in den nächsten Jahren zu spüren sein.

Das ganze Land stand still, nur die Baukräne drehten sich weiter. So war das Bild während vieler Lockdown-Monate seit März vorigen Jahres auch in Frankfurt. Mit Freude habe sie das beobachtet, sagt Simone Zapke, die Leiterin der Bauaufsicht. Das Ergebnis: 4349 Wohnungen wurden 2020 in der Stadt fertig. Das ist die zweithöchste Zahl seit rund 40 Jahren, ist Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zufrieden. Nur 2017 waren es mit 4722 Wohnungen etwas mehr. Vor allem noch immer das Europaviertel sowie Niederrad - hier durch das Umwandeln ehemaliger Büros in Appartements - trieben die Entwicklung im vorigen Jahr voran.

Bauen in Frankfurt: Weniger genehmigte Wohnungen

Josef freut sich, dass die Pandemie "weniger stark durchgeschlagen hat als erwartet" und ist überzeugt: "Wir setzen in Frankfurt die richtigen Rahmenbedingungen." Die Zahl der Fertigstellungen sei "ein sehr erstaunlicher Wert", sagt Simone Zapke. Doch dürfte sich Corona wohl verzögert noch bemerkbar machen. Es sei eine "Zurückhaltung bei der Planung" zu spüren gewesen, räumt Dezernent Josef ein.

Das spürte die Bauaufsicht: Die Zahl der genehmigten Wohnungen sackte auf 4228 ab. Das ist der zweitniedrigste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich - und meilenweit entfernt von der Rekordzahl von 7329 genehmigten Wohnungen im Jahr 2018. Die meisten Genehmigungen gab es 2020 für Niederrad, Sachsenhausen-Süd, das Nordend-West und das Gallusviertel.

Frankfurt: 16 500 genehmigte Wohnungen ungebaut

Eine noch geringere Zahl an Bauanträgen hatte Simone Zapke befürchtet. Dass diese nicht so stark zurückgegangen sei, führt die Amtsleiterin auch darauf zurück, dass ihre Mitarbeiter wieder deutlich mehr Beratungen für Bauwillige abhielten. Die Zahl der Beratungen sprang im Vergleich zum Vorjahr von 23 400 auf 29 300 - trotz der strengen Corona-Kontaktbeschränkungen.

Josef verbreitet auch deshalb Zuversicht. Mit der Zahl der Neugenehmigungen "stehen wir im bundesweiten Vergleich sehr gut da". Beispielsweise habe das deutlich größere Köln 2020 erheblich weniger Wohnungen genehmigt. Binnen fünf Jahren habe Frankfurt das Okay für den Bau von 29 000 Wohnungen gegeben. Jedoch werden diese nur stark verzögert Realität: 16 500 Wohnungen seien noch "in der Pipeline", so Josef - sie sind also genehmigt, aber bisher nicht gebaut. Auf diesem Niveau liegt Frankfurt seit einigen Jahren.

Mehr Wohnungen für Frankfurt: Nachfrage übersteigt Angebot deutlich

Der Dezernent ist daher überzeugt, dass in den nächsten Jahren mehr Wohnungen entstehen. Es gehe nun darum, "dass wir ernten, was wir als Grundlage geschaffen haben in den vergangenen Jahren". Auf das ehemalige Mercedes-Areal am Frankfurter Osthafenplatz, das Siemens-Gelände in der City West und den Römerhof im Rebstock in Frankfurt setzt er besonders. Bei beiden Letztgenannten alleine würden nun mehr als 3500 Wohnungen gebaut.

Notwendig seien weitere Wohnungen, da die Nachfrage in Frankfurt langfristig stets das Angebot überschreite, betont Josef. Aktuell zögen besonders viele junge Leute bis zum Alter von 30 bis 35 Jahren in die Stadt. Vorwiegend durch Flächenkonversion und weniger durch Baugebiete auf der grünen Wiese könne die Stadt derzeit wachsen, räumt Amtschefin Zapke ein. Die Hälfte der Neugenehmigungen betrifft daher auch die Konversionsflächen.

Bauen in Frankfurt: Gewerbliche Investitionen sinken rasant

Doch liegt die Zahl der genehmigten Aufstockungen niedrig: 314 Wohnungen kamen dadurch 2020 hinzu, das entspricht dem Vorjahresniveau. 1147 Wohnungen entstanden aus der Umwandlung von Gewerberaum - vor zwei Jahren waren es noch 1985 gewesen. Zudem sinkt die Zahl der Wohnungen wieder, die zurück im Markt sind, weil das Amt ihre Nutzung als Ferien- oder Residenzwohnung beendete: 325 waren es 2020 nach 379 im Jahr 2019.

Noch deutlich stärker als bei den Wohnungen hat sich Corona bei gewerblichen Bauinvestitionen ausgewirkt. Die genehmigte Bausumme am Flughafen stürzte etwa von im Vorjahr 250 auf unter 100 Millionen Euro ab, bei Bürobauten halbierte sie sich beinahe auf nur noch rund 75 Millionen, ebenso bei Hotel- und Gastronomieprojekten von mehr als 60 auf nur etwas über 30 Millionen Euro. Ein Lichtblick sind da die Rechenzentren: Mit 61 Millionen Euro machten sie mehr als sieben Prozent der genehmigten Investitionssummen aus. Und die Tendenz sei weiter steigend, sagt Mike Josef. Allein auf dem ehemaligen Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße sei die Investition von einer Milliarde Euro geplant. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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