Die Tanzgarde der Sossenheimer Spritzer wird in diesem Jahr nicht auftreten können. Der Verein hat sich gegen eine Sitzung entschieden, weil die nur ohne die ungeimpften Kinder und Jugendlichen stattfinden dürfte. "Entweder alle oder keiner", sagen die Sossenheimer. FOTO: maik reuss
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Die Tanzgarde der Sossenheimer Spritzer wird in diesem Jahr nicht auftreten können. Der Verein hat sich gegen eine Sitzung entschieden, weil die nur ohne die ungeimpften Kinder und Jugendlichen stattfinden dürfte. "Entweder alle oder keiner", sagen die Sossenheimer.

Frankfurter Fastnacht

Corona gefährdet das närrische Treiben

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Mit den Sossenheimer Spritzern hat der erste Frankfurter Verein seine Saalfastnacht abgesagt. Andere Vereine wollen unter 2G-Bedingungen feiern, doch auch dafür fehlen verbindliche Regeln.

Frankfurt -Steigende Infektionszahlen und strenge Regeln für Veranstaltungen, selbst unter 2G-Bedingungen - es sind schwierige Zeiten für Frankfurts Narren. Dabei steht der 11.11. und damit der Beginn der fünften Jahreszeit unmittelbar bevor. Die "Sossenheimer Spritzer" haben nun die Reißleine gezogen und die komplette Saalfastnacht abgesagt. Zwar dürften sie unter 2G-Bedingungen mit geimpften und genesenen Narren sogar ohne Sicherheitsabstand feiern: Die Spritzer wollen dabei aber nicht auf die Kinder und Jugendlichen des Vereins verzichten. Und diese, überwiegend ungeimpft, müssten bei 2 G draußen bleiben. "Rückfragen bei anderen Vereinen, die ihre Veranstaltungen mit 2 G bewerben, haben ergeben, dass diese ohne Kinder und Jugendliche planen", berichtet Martina Jilg, Sprecherin der Spritzer. "Für uns gilt: Alle oder keiner."

Uwe Forstmann, Sprecher des Großen Rates der Karnevalsvereine, der 42 Frankfurter Fastnachtsvereine umfasst, hat Verständnis für die Sossenheimer. "Es tut weh, Kinder und Jugendliche ausschließen zu müssen." Derzeit prüfe der Große Rat, ob ein Kompromiss möglich wäre. Die Idee: Die Zuschauer im Saal tragen Masken, wenn auf der Bühne Kinder und Jugendliche tanzen. Aber auch in diesem Fall müsste der närrische Nachwuchs nach dem Auftritt den Saal wieder verlassen.

Noch ist aus Sicht des Großen Rates auch noch gar nicht geklärt, ob es überhaupt 2G-Veranstaltungen geben wird. Die Vereine seien bereit, doch warten sie noch auf eine Antwort der Saalbau. Diese habe sich verpflichtet, 2 G zu ermöglichen, aber ob es klappt, sei noch nicht klar. "Wir haben noch keine Zusage", berichtet Forstmann.

Für die Saalfastnacht bedeute 2 G, dass alle Plätze besetzt werden können, 3 G hingegen erfordere Abstand zwischen den Gästen. Nur jeder zweite Platz könnte besetzt werden. "Ein kleiner Verein, der mit 100 Besuchern rechnet, kann dann nur 50 Karten verkaufen", schildert Forstmann. "Gerade für die kleineren Vereine ist dies eine Existenzfrage." Die Kosten der Auftritte könnten so nicht gedeckt werden. Das gehe nur bei ausverkauften Häusern.

Auch der Große Rat selbst hat dieses Problem: Zu seinen drei großen Veranstaltungen begrüßt er normalerweise drei Mal je 700 Gäste; dürfen nur halb so viele Narren mitfeiern, werden auch diese Veranstaltungen laut Forstmann rote Zahlen produzieren. "Die einzigen, die jetzt sicher sind, sind diejenigen, die eigene Räume haben", etwa die Fidelen Nassauer mit ihrem eigenen Clubhaus. Doch so einfach ist das mit der 2G-Regelung in den Saalbauten gar nicht: Zunächst war aus Datenschutzgründen unklar, ob die Hausmeister geimpft sind oder nicht. Das aber ist Voraussetzung für 2G, die Regelung schließt auch das Personal ein.

Immerhin diesbezüglich kann ABG-Chef Frank Juncker, dessen Gesellschaft die Saalbauten betreibt, Entwarnung geben: "Wir können 2 G garantieren, in allen Häusern." Die Saalbauten erfüllten alle Voraussetzungen, die die hessische Verordnung vorschreibt, so Junker. Das Problem sei nur, dass diese Verordnung nur bis Sonntag, 7. November, gültig sei. "Und welche Regeln am Montag gelten, wissen wir noch nicht." Schlimmstenfalls gebe es eine Verschärfung, "und dann müssen wir neu überlegen", so Junker.

Auch bezüglich des Fastnachtsumzugs hängt alles an den gesetzlichen Regeln: "Wir planen, als ob er stattfinden kann und haben jüngst die Wagen gereinigt", berichtet Forstmann. Eine Entscheidung könnte am 25. November fallen, wenn die "Epidemische Lage" ausläuft. Dies werde jedoch in Berlin entschieden. Bereits im vergangenen Jahr musste der Umzug wegen Corona ausfallen. Immerhin: Einige der Wagen-Aufbauten aus dem Vorjahr können die Narren laut Forstmann noch verwenden. Sofern der Zug diesmal rollen darf.

Die Epidemische Lage wurde gleich zu Beginn der Corona-Pandemie bundesweit beschlossen. Sie erst ermöglicht es den Bundesländern, eigene Corona-Verordnungen herauszugeben. Wie erwähnt, soll diese Epidemische Lage am 25. November auslaufen. "Dann haben wir keine Grundlage mehr für eine hessische Verordnung", sagt Michael Bußer, Sprecher von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). "Wir wissen noch nicht, was nach dem 25. November gilt." Deswegen sei auch geplant, die hessische Verordnung, die bis zum 7. November gilt, durch eine andere Verordnung mit einer Gültigkeit von lediglich drei Wochen zu ersetzen. Welche Regeln also wirklich gelten, wenn die Saalfastnacht im Januar und Februar ihren Höhepunkt erreicht, kann momentan niemand absehen. Thomas J. Schmidt

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