Laut Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer stehen wir am Beginn der dritten Corona-Welle.
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Laut Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer stehen wir am Beginn der dritten Corona-Welle.

Pandemie

„Wir sind am Beginn einer dritten Welle“ - Frankfurter Virologe redet Klartext

  • vonSebastian Richter
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Die Corona-Fallzahlen steigen seit einigen Wochen wieder. Virologe Dr. Martin Stürmer aus Frankfurt erklärt, woran das liegen kann.

  • Die Corona-Pandemie hält Deutschland weiter in Atem, in letzter Zeit nehmen die Neuinfektionen wieder zu.
  • Virologe Dr. Martin Stürmer aus Frankfurt nennt die Virusmutationen und Lockerrungen als Ursache.
  • Zudem verteidigt der Corona-Experte den Impfstoff von AstraZeneca.

Frankfurt – „Wir sind am Beginn einer dritten Welle.“ Davon geht der Virologe Dr. Martin Stürmer im Hinblick auf die steigenden Corona-Fallzahlen aus. In den letzten Tagen haben die Neuinfektionen zugenommen, was an den Mutationen des Coronavirus liegt, die sich in Deutschland ausbreiten. Der Corona-Experte aus Frankfurt redet bei FFH Klartext über die angespannte Situation, auch der umstrittene Impfstoff von AstraZeneca ist Thema des Interviews. Das Mittel sorgt wegen heftigen körperlichen Reaktionen für Beunruhigung.

Dr. Martin Stürmer ist Dozent für Virologie an der Goethe-Universität Frankfurt und Laborleiter des IMD Labors. Die steigenden Fallzahlen im März haben nichts mit mehr Corona-Tests zu tun, sagt er. „Denn wenn man sich die Positiven-Quote anschaut, also den Anteil der Positiven an der Gesamttestung, dann sehen wir auch dort einen Trend der Zunahme“, so der Corona-Experte gegenüber dem FFH. „Und insofern führe ich das auf eine Dynamik zurück, die hauptsächlich auf der Verbreitung der britischen Variante in Deutschland beruht.“

Britische Corona-Variante breitet sich aus – Möglicherweise ist die Mutation tödlicher

Stattdessen haben die Infektionen mit der ursprünglichen Variante des Coronavirus abgenommen, was auch die sinkenden Fallzahlen im Februar erkläre. Allerdings verbreitet sich jetzt die ansteckendere britische Corona-Mutation aus, so Stürmer. Laut Studien aus Großbritannien gebe es einen Hinweis darauf, dass diese Mutation zudem einen schwereren Krankheitsverlauf auslösen könnte – und mit „einer höheren Todesrate assoziiert“ sein kann. Laut Stürmer könne das die Kliniken wieder mehr belasten. „Und das ist eines der Dinge, die wir aktuell nicht gebrauchen können.“ 

Aktuell tragen 50 Prozent der positiv getesteten Personen die britische Corona-Variante, Stürmer geht durch Analysen sogar von 75 Prozent aus. Aber für das jetzige Infektionsgeschehen macht der Virologe auch die Lockerungen der Bundesregierung verantwortlich. Er schließt aus den steigenden Fallzahlen, dass wir uns am Anfang einer dritten Welle befinden. Außerdem rechnet er damit, dass die Corona-Infektionen noch weiter zunehmen.

Name:PD Dr. phil. nat. Dr. med. habil. Martin Stürmer
Beruf: Virologe, Lehrbeauftragter an der Uni Frankfurt
Ausbildung: Diplom in Biochemie (Freie Universität Berlin), Promotion zum Dr. phil. nat. Goethe Universität Frankfurt
Erfahrung: Laborleiter der Sequenzanalyse am Institut für Medizinische Virologie an der Uniklinik Frankfurt (1999-2017), Interdisziplinäre Medizin und Diagnostik (IMD) Laborleiter seit 2017

Gleichzeitig findet der Virologe aus Frankfurt hoffnungsvolle Worte. Durch die konsequente Einhaltung der Maßnahmen gegen Corona kann die Mutation in Schach gehalten werden. Was das in Bezug auf die Covid-Variante bedeutet, kann man sich vorstellen. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, so Stürmer. Deswegen geht er davon aus, dass wir die dritte Welle in den Griff bekommen können und die Bevölkerung keine „Panik schieben“ muss – jedenfalls so lange „geeignete Maßnahmen“ getroffen werden.

Am Beginn der dritten Welle: Die Corona-Fallzahlen werden weiter steigen

Stürmer verteidigt die umstrittene Impfung von AstraZeneca. In Dänemark, Norwegen, Island und Rumänien stoppte man zunächst aufgrund von Blutgerinnseln nach der Impfung die Ausgabe des AstraZeneca-Impfstoffes. Allerdings steht ein Zusammenhang zwischen diesen Nebenwirkungen und der Impfung nicht fest, so Stürmer. „Das sind Einzelfälle, die noch geprüft werden, inwieweit das wirklich mit der Impfung zu tun hat“, sagte Stürmer gegenüber FFH. „In Österreich haben wir schon die Entwarnung bekommen und ich gehe davon aus, dass wir auch in Dänemark sehen werden, dass das jetzt nicht unbedingt mit dem Impfen assoziiert ist.“

Auch wenn die körperlichen Reaktionen auf den Impfstoff „für den Betroffenen unangenehm“ sind, sieht Stürmer darin ein gutes Zeichen. „Das zeigt, dass der Impfstoff wirkt“, und sei vollkommen normal. Wirklich echte Nebenwirkungen gebe es im Moment nicht. (Sebastian Richter)

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