Tanzen in Innenräumen von Clubs und Diskotheken in Hessen wird vermutlich nicht so schnell wieder möglich sein. (Symbolbild)
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Tanzen in Innenräumen von Clubs und Diskotheken in Hessen wird vermutlich nicht so schnell wieder möglich sein. (Symbolfoto)

Pandemie

„Etikettenschwindel“: Clubs rechnen hart mit neuen Corona-Lockerungen in Hessen ab

  • Svenja Wallocha
    VonSvenja Wallocha
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Das Tanzen in Clubs und Diskotheken ist in Hessen wieder erlaubt – doch es gelten strenge Regeln. Mit den derzeitigen Auflagen sei eine Öffnung nicht möglich, sagt die Frankfurter Initiative „Clubs am Main“.

Frankfurt – Seit Beginn der Corona*-Pandemie sind die Tanzflächen in Clubs und Diskotheken leer. Betreiber mussten umdenken, auf Außenbereiche umschwenken, Hygienekonzepte entwickeln oder eben schließen. Am Mittwoch (18.08.2021) verabschiedete das Corona-Kabinett in Wiesbaden schließlich eine Lockerung für Tanzfans – unter strengen Auflagen. Das Tanzen ist in Hessen* zwar seit Donnerstag (18.08.2021) wieder erlaubt, viele Clubs werden vermutlich dennoch geschlossen bleiben.

„Wir glauben nicht, dass sich das lohnt und dass sich nur wenige Clubs dazu entschließen, unter diesen Bedingungen aufzumachen“, sagte Victor Oswalt, Sprecher der Initiative „Clubs am Main“ aus Frankfurt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Es wird versucht, einen politischen Erfolg zu verkaufen, der in der Realität nicht zutrifft.“

Corona-Regeln für Clubs und Discotheken in Hessen: Initiative aus Frankfurt sieht „Etikettenschwindel“

Das Problem seien die strengen Regeln, die in Clubs für eine Öffnung eingehalten werden müssen. Unabhängig von der Inzidenz bekommen grundsätzlich neben Geimpften und Genesenen nur jene Menschen Einlass, die einen negativen PCR-Coronatest, also einen Labortest, vorweisen können. Ein üblicher Schnelltest oder Bürgertest reicht nicht aus. Zudem gilt in Discos und Clubs Maskenpflicht sowie die Vorgabe, dass es fünf Quadratmeter Platz pro Gast geben muss.

Mit diesen Regeln können Clubs und Discotheken nicht öffnen, heißt es in einem Facebookbeitrag, der bei der Initiative „Clubs am Main“ und dem Frankfurter Club Tanzhaus West gepostet wurde. Der hessischen Landesregierung wird darin „Etikettenschwindel“ vorgeworfen. „Al Wazir kann der absurden Vorstellung unterliegen, dass unter diesen Bedingungen Clubveranstaltungen durchführbar sind. Daher betreibt die Landesregierung an dieser Stelle Etikettenschwindel, indem sie ‚Öffnungen‘ suggeriert, aber mit Gängelungen den Betrieb unterbindet. Wieder einmal sind nur Clubs und Diskotheken von diesen Maßnahmen betroffen, Veranstaltungen dort sind politisch nicht gewollt.“ Etwa 30 Clubs in Frankfurt* und Umgebung werden von „Clubs am Main“ vertreten. Die Batschkapp*, das Silbergold oder das Tanzhaus West zählen dazu. Die Initiative kritisiert außerdem, dass die Politik zu wenig das Gespräch mit den Clubbetreibern gesucht habe.

Clubbetreiber in Frankfurt: Öffnung unter neuen Corona-Regeln lohnt sich nicht

In dem Facebookbeitrag werden als positives Beispiel die Corona-Regelungen für Clubs in Baden-Württemberg genannt, wo unter Vollauslastung und ohne Abstand Clubkultur für Geimpfte, Genesene und Getestete wieder angeboten werden kann. „Baden-Württemberg macht damit vor, wie Freiheitsrechte und Pandemieschutz vereint werden können“, heißt es. Für die Clubbetreiber seien die Regelungen in Hessen nicht hinnehmbar. „Unter solch einer Auslastung lohnt sich ein Betrieb wirtschaftlich nicht“, sagte auch Oswalt mit Blick auf die Fünf-Quadratmeter-Regel.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verteidigte die hessischen Regelungen für Clubs und Discotheken*. Er verwies gegenüber der Frankfurter Rundschau auf die steigenden Infektionszahlen, zugleich seien immer mehr Menschen durch eine Impfung geschützt. Das Tanzverbot sei deshalb für Innenräume von Clubs und Discotheken aufgehoben. „Allerdings mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen“, so Al-Wazir.

Al-Wazir zu Corona-Regeln für Clubs und Discotheken in Hessen: Königsweg sei die Impfung

Die 3G-Regel plus Abstand und Hygiene solle vor möglichen Superspreader-Events, wie zu Beginn der Corona-Pandemie in Ischgl, schützen. Da beim Tanzen der Abstand von eineinhalb Metern nicht einzuhalten sei, gelte die Fünf-Quadratmeter-Regel und Maskenpflicht. „Clubs und Diskotheken werden damit wie eine Kneipe oder ein Restaurant behandelt“, sagte Al-Wazir der FR und weiter: „Dass die Clubbetreibenden abwägen müssen, ob sich unter diesen aus unserer Sicht nötigen Rahmenbedingungen eine Öffnung wirtschaftlich lohnt, ist sehr gut nachvollziehbar“. Der Königsweg aus der Pandemie sei weiterhin die Impfung. (svw) *fnp.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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